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Our future is on to social! Was bitte soll das denn heißen?

“We have people who understand print very well, the best in the business. We have people who understand advertising well, the best in the business. But our future is on to video, to social, to mobile. It doesn’t mirror what we’ve done. It broadens what we are going to do.”

Mit diesen Worten beschreibt Arthur Sulzberger Jr. seine Entscheidung, den ehemaligen BBC-Chef Mark Thompson zum Chef der Zeitung New York Times zu machen. Darin enthalten sind mehrere bedeutsame Aussagen zu der Frage, wie Medien in einer digitalisierten Welt funktionieren werden.

1. Zeitungen sind Medienhäuser
In der Ankündigung sucht man ein Wort vergebens. Weder Sulzberger noch Thompson selber sprechen von einer Zeitung, wenn sie von der Zukunft der New York Times sprechen. Sie skizzieren die Zukunft einer glaubwürdigen Quelle, die auf unterschiedlichen Kanälen kommuniziert. Sie sprechen von einem Medienhaus.
Das ist nicht neu, auf Podien wird diese Haltung seit Jahren erläutert. Aber wird sie auch umgesetzt? Werden Journalisten für die Arbeit in einem Medienhaus ausgebildet oder lernen sie nicht vielmehr, bei einem Radio- oder Fernsehsender zu arbeiten? Haben sie Vorbilder, die wenn auch nicht für unterschiedliche Kanäle produzieren, so doch zumindest in dieser neuen Medienrealität denken?
Die Entscheidung der New York Times, einen ehemaligen Fernsehjournalisten und Direktor eines Rundfunkhauses zum neuen Chef zu machen, setzt dies um. Thompson soll die New York Times in einer Welt platzieren, in der die Unterscheidung zwischen den Ausspielkanälen obsolet geworden ist. Relevant ist die Absendermarke, nicht der Verbreitungsweg.

2. Medienhäuser sind Sender
Zeitung und alle anderen Medien werden somit in erster Linie zu Sendern, die Inhalte verbreiten – auf unterschiedlichen Wegen. Dieser erste gedankliche Schritt scheint offensichtlich, ist aber bedeutsam. Daraus folgt nämlich, dass eine der wichtigeren journalistischen Funktionen die des Verbreitungsmanagers sein wird. Mit diesem (von mir gerade erfundenen) Begriff wird eine Tätigkeit zu beschreiben sein, die mir bisher noch nicht flächendeckend als Job-Profil bekannt ist: eine Kollegin oder vermutlich eher ein ganzes Team, das auf der Schnittstelle aller Ressorts arbeitet und die Entscheidung über die richtige Verbreitung eines Inhalts trifft. Welche Meldung muss textlich und schnell im Web verbreitet werden? Welcher Inhalt taugt für einen Videohintergrund? Zu welchem Ereignis bietet sich eine Info-Grafik an? Wo ist ein ausgeruhtes Essay angebracht? Und was posten wir wie auf Facebook?
Antworten auf diese Fragen werden künftig aus einem Distributionsteam stammen, das sich (wie ein CvD eines Printmagazins), sehr gut mit Verbreitungswege und deren Spezifika auskennt.
Lehrbeispiele für eine solche Einheit könnte der öffentlich-rechtliche Rundfunk liefern. Insofern ist die Entscheidung für Thompson durchaus nachvollziehbar. Die BBC verfügt über Inhalte und musste Wege finden, deren Verbreitung zu organisieren (siehe iPlayer). Gibt es entsprechende Beispiele auch in Deutschland? Zeigt der öffentlich-rechtliche Rundfunk an herausgehobener Stelle, was es bedeuten kann, Sender in einem digitalen Umfeld zu sein?

3. Medienhäuser sind Empfänger
Die New York Times selber hat im vergangenen Jahr in einer Studie ihre neue Rolle mit dem Slogan „From Broadcaster to Sharecaster“ überschrieben. Denn es geht in digitalen Räumen keineswegs einzig darum, trimediales Denken zu ermöglichen. Es geht darum, das digitale Ökosystem als einen Raum zu erkennen, in dem Sender gleichzeitig auch Empfänger sind (und auch umgekehrt). Wer glaubt, Trimedialität bereite Medienhäuser auf die Zukunft vor, bleibt nach dem ersten Schritt stehen. Nur über unterschiedliche Ausspielwege nachzudenken, unterschätzt die Möglichkeiten dessen, was Sulzberger als „social“ in seiner Ankündigung beschreibt.
Und das ist ja das wirklich Erstaunliche an der Ankündigung, einer der weltweit wichtigsten Zeitungsmenschen erklärt: Die Zukunft der Zeitung liegt in Video, im Mobilen (das kann man sich irgendwie ja vorstellen) und im Sozialen. Was bitte soll das denn heißen?

4. Die Zukunft liegt im Sozialen
Das heißt, dass Publikation zu Kommunikation wird. Dass Medienhäuser (und vor allem auch deren Mitarbeiter) lernen müssen werden, nicht ausschließlich in Form von Megafon-Ansagen zu kommunizieren, sondern auch im Dialog. Dafür ist ein kultureller Wandel nötig, der tiefgreifender ist als die Ausrichtungsänderung einer Zeitung hin zu einem Anbieter, der auch Videos sendet. Dieser Wandel betrifft die Rolle des Journalisten, die Art, wie er seine Autorität herleitet und damit die Grundlage für die Entscheidung eines jeden Lesers/Zuschauers, ihm oder ihr Aufmerksamkeit oder sogar Geld zukommen zu lassen.

Wenn Sulzberger sagt „our future is on to social“ heißt das nicht einzig, dass er Twitter oder Facebook wichtig findet. Es heißt vor allem: Journalismus im digitalen Raum muss kommunizieren lernen. Es heißt, wir müssen die Grundlagen unseres Berufs neu und anders denken. Und das ist vermutlich weitaus komplizierter als eine neue Technologie oder ein verändertes Redaktionssystem zu bedienen: ein neues Denken zu erlernen.

Die Entscheidung für Mark Thompson bei der New York Times zeigt, dass die Debatte über dieses andere Denken keine abstrakte Zukunftsversion ist, sondern konkret umgesetzt wird. Genau jetzt.

Journalismus wie im Film

Richard Gutjahr weist auf den Film Page One über den Medienwandel im Beispiel der New York Times hin. Und wenn man den Trailer so sieht …

… könnte man fast dem Eindruck anheim fallen, Journalismus und gerade Print-Journalismus sei ein ziemlich cooler Job. Vielleicht gar ein Traumjob, wie Ronnie Grob Andreas Heller aus NZZ Folio zitiert?

Zwar hat auch sein Ansehen in den letzten Jahren gelitten, aber Journalismus ist noch immer ein Beruf, der ein abwechslungsreiches Leben verspricht. Der Journalist ist im Brennpunkt des Geschehens oder zumindest am Puls der Zeit. Er trifft die verschiedensten Menschen, auch solche, die die meisten bloss aus den Medien kennen, und darf sie mit seinen Fragen konfrontieren; er kommt an Orte, die er sonst nie gesehen hätte. Er wird dafür bezahlt, dass er seine Neugierde befriedigt und seinen Lesern davon erzählt, indem er das Erlebte in die richtigen Worte zu fassen versucht.

Wikileaks

In dieser Woche haben alle über WikiLeaks gesprochen. Hier steht die Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs, die sich liest wie eine Agenten-Geschichte und auf eine interessante Art Werbung für den Beruf des Journalisten macht. Es geht um Geheimtreffen, um Informaten, die auf Sofas übernachten und eilige Bahnreisen:

Whatever Assange had, and whomever its source, Davies knew that WikiLeaks would publish again—and hoped to convince him to let The Guardian look at any future release before WikiLeaks splashed it on its own site.

After e-mails to Assange’s listed accounts netted nothing, Davies contacted a half dozen people close to him, hoping to reach and woo Assange. One of them came back with a tip that a skittish Assange planned to honor a commitment to speak before the European parliament on Tuesday, June 21, despite the cries of “manhunt” surrounding him. Davies asked The Guardian’s Brussels reporter to corner Assange and tell him that he was on his way.

“While I was on the train going under the Channel, I had tried to work out what I would say to him,” remembers Davies. “It wasn’t going to work if I said ‘I’m a greedy reporter, I’d like to take all your information and put it in my newspaper.’”

Für sueddeutsche.de hat der Kollege Johannes Kuhn die Frage beantwortet Wer ist Wikileaks?

Der Economist hat Julian Assange auf eine Tasse Tee getroffen.

Der Feuilletonist Andrian Kreye verweist auf diesen Einschätzung von Jon Stewart:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Best Leak Ever
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

Vom Nachrichten- zum Technologie-Anbieter

„The New York Times is now as much a technology company as a journalism company“

In dem lesenswerten Guardian-Bericht How the New York Times and CNN try to keep up with the tech companies kommt der NYT-Chef Bill Keller zu Wort – außerdem erfährt man Details darüber, wie NYT und CNN auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren:

The two biggest US players for quality news, CNN and the New York Times, are dealing with this challenge in quite different ways. While CNN.com closely collaborates with technology companies like Facebook, Apple or Google, the New York Times anticipates technical change in-house with the help of its research and development department.

via

NYT über Frauen in Deutschland

Ten years into the 21st century, most schools in Germany still end at lunchtime, a tradition that dates back nearly 250 years. That has powerfully sustained the housewife/mother image of German lore and was long credited with producing well-bred, well-read burghers. Modern Germany may be run by a woman — Chancellor Angela Merkel, routinely called the world’s most powerful female politician — but it seems no coincidence that she is childless.

Unter dem Titel The Female Factor – In Germany, a Tradition Falls, and Women Rise widmet sich die New York Times der Rolle der Mutter in Deutschland – sehr lesenswert nicht nur für Menschen, die unlängst das Zeit-Stück über den symbolischen Vater gelesen haben.

Der Mythos vom Geburtsfehler

„Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Diesen Fehler werden wir nicht korrigieren können.“

Das Zitat stammt von Kai Diekmann, den Geburtsfehler-Glauben hat der Bild-Chef aber nicht exklusiv, T-Online-Manager Thomas Holtrop spricht und viele Manager andernorts denken genauso: Hätte man nur früher die Bezahlschranken im Netz hochgezogen, sähe es heute nicht so schlimm aus.

Ich glaube dieser Mythos vom Geburtsfehler ist irreführend, falsch und er verhindert das Nachdenken über wirkliche Geschäftsmodelle im Netz. Denn zum einen ist das Internet nicht kostenlos (es wird halt kaum für Inhalte gezahlt) und zum zweiten hat das Netz aus der Idee, dass man mittels digitaler Kopie Inhalte günstiger verbreiten kann, sehr wohl ein Modell entwickelt – und dieses Modell ist erfolgreicher als die Bezahlvariante. Jedenfalls war das bei dem ersten großen Versuch, der in Richtung Paid Content unternommen wurde, so. In der aktuellen Ausgabe des NZZ-Folio (via) mit dem Schwerpunkt „Zeitung“ widmet sich Steffan Heuer dem amerikanischen Zeitungsmarkt und zeigt am Beispiel der New York Times, warum die Kostenlos-Kultur kein Geburtsfehler, sondern gewollt ist: Sie lohnt sich, jedenfalls ist sie ertragreicher als die Bezahlvariante:

Einzelne Verlage haben mit einer Onlinemaut experimentiert, aber selbst die ‚New York Times‘ gab ihr ‚Times Select‘-Projekt nach zwei Jahren wieder auf, da es nur 10 Millionen Dollar an Gebühren eintrieb – eine kleine Summe im Vergleich zu den 68 Millionen Dollar, die die Firma im zweiten Quartal dieses Jahres mit Onlinewerbung umsetzte.

Es gibt zwei Gründen, die diese Summen erklären können und keiner der beiden ist der „Geburtsfehler“. Zum einen ist es eine Folge der Befreiung der Information: Digitaler Inhalt ist nicht mehr an einen Datenträger gebunden, er wird frei, für seine Verbreitung entstehen kaum Kosten, sie ist für jeden ohne Qualitätseinbußen möglich. Das ist die große Chance des Internet und der große Ärger für alle Content-Anbieter. Das zweite Problem im Zeitungsmarkt kommt hinzu: Informationen werden nicht als exklusiv wahrgenommen. Dass Obama den Friedensnobelpreis bekommen wird, glauben die Menschen einem kostenlosen Nachrichtenportale genauso wie einer renommierten Zeitung. Wenn das so ist, wird man anerkennen müssen: Es wird immer einen Mitbewerber geben, der günstiger (nämlich kostenlos) am Markt ist.

Es bleibt natürlich richtig: Verlage müssen einen Weg finden, ihren daniederliegenden Vertriebsmarkt im Netz zu stärken (oder überhaupt zu erfinden). Sie müssen den Lesern Angebote machen, für die diese bereit sind zu zahlen. Aber vielleicht finden sie die eben nicht im Inhalte-Bereich. Ganz sicher finden sie sie nicht, wenn sie dem Internet einen Geburtsfehler andichten, der auch noch falsch ist. Besser wäre es, dort zu kopieren, wo im Netz bezahlt wird. Denn es gibt ja Felder, auf denen online sehr wohl gezahlt wird, aller Kostenlos-Kultur zum Trotz.

Vielleicht können Verlage sich dort ja was abschauen – ich glaube schon.

Weil er dich liebt …

‚ÄúWenn ein 14-jähriger Junge dein Business in seiner Freizeit hochgehen lassen kann ‚Äì und zwar nicht, weil er dich haßt, sondern weil er dich liebt ‚Äì, dann hast du ein Problem.‚Äù

Bei Carta schreibt Peter Glaser über DRM und Urheberrecht im Netz. Er zitiert dabei Gordy Thompson, den ehemaligen Chef der NYT-Online, der in einem Essay von Clay Shirky zu Wort kommt und das Problem der Digitalisierung ziemlich gut auf den Punkt bringt. (via)

Morgenrituale und Medien

„It used to be you woke up, went to the bathroom, maybe brushed your teeth and picked up the newspaper,‚Äù said Naomi S. Baron, a professor of linguistics at American University, who has written about technology‚Äôs push into everyday life. ‚ÄúBut what we do first now has changed dramatically. I‚Äôll be the first to admit: the first thing I do is check my e-mail.‚Äù

Die New York Times widmet sich in For Families Today, Technology Is Morning’s First Priority lesenswert der Frage, wie man in Zeiten der Digitalisierung seinen Tag beginnt:

Technology has shaken up plenty of life’s routines, but for many people it has completely altered the once predictable rituals at the start of the day.

In Kategorie: Netz

David Pogue erklärt Twitter

Wie geht eigentlich Twitter? David Pogue illustriert das Prinzip in seiner aktuellen NYTimes-Kolumne:

So I flipped out of PowerPoint and typed this to my Twitter followers: „I need a cure for hiccups… RIGHT NOW! Help?“ I hit Enter. I told the audience that we would start getting replies in 15 seconds, but it didn’t even take that long. Here are some of the replies that began scrolling up the screen:

Es folgen unzählige Antworten, die Vorschläge zur Bekämpfung eines Schluckaufs machen. Pogue folgert daraus:

Has there ever been a wittier, smarter bunch (or a better collection of hiccup cures)? The audience and I were marveling and laughing at the same time. This was it: harnessing the power of the Web, the collective wisdom of strangers, in real time! The Twitterers of the world did not let us down. (And yes, I realize that this demo might not be as effective if you have, say, 20 followers instead of hundreds.)