Alle Artikel mit dem Schlagwort “krise

25 Prozent

“These businesses should be 25 percent net margin businesses.”

Die New York Times zitiert Charles H. Townsend, Chief Executive bei Condé Nast, zur Frage, warum dort Magazin-Titel eingestellt werden. Matthias Spielkamp (via) stellt sehr treffend fest: „es ist wohl doch nicht nur das Internet, das den Journalismus zerstört‚Ķ“

Murdoch und das Internet

In one of my favorite Murdoch stories, his wife, Wendi, who had befriended the founders of Google, Larry Page and Sergey Brin, told me about how the “boys” had visited the Murdochs at their ranch in Carmel, California. When I marveled at this relative social mismatch and asked what they might have talked about, Wendi assured me that they had all gotten along very well.

“You know, Rupert,” Wendi said, “he’s always asking questions.”

“But what,” I prodded, “did he exactly ask?”

“He asked,” she said, hesitating only a beat before cracking herself up, “‘Why don’t you read newspapers?’”

Diese Geschichte hat Michael Wolff für Vanity Fair notiert. Sie steht in einem langen, lesenswerten Artikel, in dem sich der Biograph von Rupert Murdoch (und Gründer von Newser) der Frage widmet, wie Murdoch über die Digitalisierung und den Wandel in der Medienlandschaft denkt – und worin er das größte Problem sieht:

Murdoch has a larger problem still. It is, after all, not the Internet that has made news free. News in penny-newspaper or broadcast (or bundled cable) form has always been either free or negligibly priced. In almost every commercial iteration, news has been supported by advertising. This is, more than the Internet, Murdoch’s (and every publisher’s) problem: the dramatic downturn in advertising.

Das für mich wirklich Spannende an dem Text ist aber das Fazit, das Wolff über den Mann zieht, der immerhin MySpace gekauft hat. Wolff beendet seinen Text so:

Every conversation I’ve had with him about the new news, about the fundamental change in how people get their news—that users go through Google to find their news rather than to a specific paper—earned me a walleyed stare.

The more he can choke off the Internet as a free news medium, the more publishers he can get to join him, the more people he can bring back to his papers. It is not a war he can win in the long term, but a little Murdoch rearguard action might get him to his own retirement. Then it’s somebody else’s problem.

via

Weil er dich liebt …

‚ÄúWenn ein 14-jähriger Junge dein Business in seiner Freizeit hochgehen lassen kann ‚Äì und zwar nicht, weil er dich haßt, sondern weil er dich liebt ‚Äì, dann hast du ein Problem.‚Äù

Bei Carta schreibt Peter Glaser über DRM und Urheberrecht im Netz. Er zitiert dabei Gordy Thompson, den ehemaligen Chef der NYT-Online, der in einem Essay von Clay Shirky zu Wort kommt und das Problem der Digitalisierung ziemlich gut auf den Punkt bringt. (via)

The European: Gefangen in der Weiter-Schleife

Wir sind das erste Medium im Netz, das auf anspruchsvollen Journalismus unter dem Dach einer neuen Marke setzt. Autoren und Redakteure, die aus verschiedenen Qualitätsmedien zu uns kommen, unterstreichen den Anspruch des European, gesellschaftliche Debatten anzustoßen und dauerhaft fortzusetzen. Wir sind ein neues Format, das die klassischen Ressorts der Printmedien auflöst, um die Möglichkeiten des Internets voll auszuschöpfen und das verloren gegangene Leseerlebnis der großen alten Medien wieder neu zu erwecken.

Mit diesen Worten ist bereits gestern The European gestartet. Ich kann nicht beurteilen, ob „die Möglichkeiten des Internets“ hier voll augeschöpft werden, aber beim ersten Klicken hatte ich bereits das Gefühl: das „verloren gegangene Leseerlebnis“ wird The European bei mir nicht neu erwecken. Denn: Da stimmt was Grundsätzliches mit Navigation und Nutzerführung nicht. Gestern stellte ich das bereits fest, als ich beim Versuch eine der Kolumnen vom Fuß der Seite zu lesen in einer beständigen Weiterschleife hängen blieb und nur mit Mühe den wirklichen Kolumnentext fand.

Gerade eben erhielt ich den Hinweis auf einen Text über Michelle Obama. Der Text trägt im Teaser den Titel Der Popo in der Politik, auf der Textseite taucht dieser Titel aber gar nicht mehr auf. Dort wird im sichtbaren Bereich der ständig gleiche Kopf einer Bühne gezeigt mit der Überschrift „Leitbild Michelle Obama“. Dabei soll es sich wohl um eine Art Dossier handeln, in dem mehrere Texte zu einem Thema gesammelt werden. Über diesen unterstützenswerten Anspruch, Artikel zu bündeln, ist offenbar das Naheliegende verloren gegangen: Dem Leser die Chance zu geben, den Text zu finden und auch lesen zu können. Das ist deshalb so nutzerunfreundlich, weil auch alles (Text wie Übersicht) mit der gleichen Bebilderung versehen wurde und vom gleichen Vorspann eingeleitet wird:


Keine Ahnung, ob The European gesellschaftliche Debatten anstoßen wird, eine Begeisterung fürs Internet werden sie mit dieser Nutzerführung jedenfalls nicht entfachen.

Leistungsschutzrechte – wie geht das?

Leistungsschutzrechte sind dem Urheberrecht in mancher Hinsicht ähnliche Rechte (weshalb sie auch ‚Äûverwandte Schutzrechte‚Äú genannt werden). Anders als das Urheberrecht, das ein grundsätzlich personenbezogenes Recht ist, haben die meisten Leistungsschutzrechte jedoch einen unternehmensbezogenen, wettbewerbs- und vor allem investitionsschutzrechtlichen Charakter.

Auf iRights.info erklärt Dr. Till Kreutzer was sich hinter den Plänen eines Leistungsschutzrechts der Presseverlage verbirgt. Er erläutert:

Das Leistungsschutzrecht soll ermöglichen, von Aggregatoren wie Google Geld verlangen zu können. Das Urheberrecht hilft hier in der Tat nicht weiter. Die Nutzung von Snippets kann hiernach nicht untersagt werden, weil das Urheberrecht derart kleine Textschnipsel mangels ‚ÄûSchöpfungshöhe‚Äú nicht schützt. (…)

Es ist durchaus verständlich und legitim, dass die Presseverlage nach neuen Modellen suchen, ihre Geschäftsmodelle zu finanzieren und vor allem auch mit ihren aufwendigen Online-Angeboten Geld zu verdienen. Nicht nur, dass es ihnen zu gönnen ist, auch besteht am Fortbestand einer ausgewogenen Presselandschaft ein allgemeines Interesse.

Die Idee allerdings, sich Geschäftsmodelle über ein Leistungsschutzrecht durch den Gesetzgeber schaffen oder absichern zu lassen, ist schon im Grundsatz abwegig. Sie begegnet ‚Äì auch abseits konkreter Ausgestaltungsvorschläge für ein solches Recht ‚Äì prinzipiellen Bedenken. Nicht nur, dass damit ein bürokratisches Monster geschaffen würde, das im Zweifel nur zum Erfolg führt, wenn Nutzungshandlungen flächendeckend kontrolliert und abgerechnet werden (können).

Abschließend warnt er in dem Text, der zunächst in epd-Medien erschienen ist, vor den Plänen. Er schreibt:

Man sollte sich auch darüber bewusst sein, dass es eine rückwärtsgerichtete Entscheidung wäre. Denn selbst wenn man erreichen könnte, dass über das Leistungsschutzrecht die Geschäftsmodelle der traditionellen Verlagsbranche abgesichert werden könnten, würde man im gleichen Zuge der gerade aufkeimenden neuen ‚ÄûInformationslandschaft‚Äú Freiheiten entziehen, die sie dringend benötigt. Selbst wenn das Recht auch Bloggern oder etwa der Wikipedia zugute käme (was spräche hiergegen?) würde es sie eher behindern als ihnen nützen. Umso mehr gilt dies für diejenigen Dienste, die das Web als Informationsquelle und Ort des Meinungsaustauschs erst nutzbar machen. Und schließlich würden auch die Autoren hiervon nicht profitieren.

via

Einwände gegen Social Media

1- Employees will waste time with social media.
2- Haters will damage our brand.
3- We’ll lose control of the brand.
4- Social media requires a real budget! It’s not really cheap, or free.
5- They’re scared they’ll be sued.
6- They’re scared of giving away corporate secrets or that information on social networks will affect the stock price.

Im WhatsNextBlog werden die The Top Six Reasons Companies are Still Scared of Social Media aufgelistet.via

In Kategorie: Netz

Zehn Fragen zum Relaunch-Sommer

In dieser Woche ist offizieller Herbstanfang. Ein guter Anlass, den zurückliegende Relaunch-Sommer zu befragen, denn einige große Nachrichtenseiten haben in den zurückliegenden Monaten ihr Angebot umgestellt.

1. Warum muss ein Relaunch eigentlich immer auf einen Schlag fertig gestellt sein? Ist der Aufmerksamkeits-Effekt wirklich so groß, dass es sich lohnt, das gesamte Angebot auf einen Schlag zu ändern (und zum Teil sogar für eine kurze Zeit offline zu sein)? Wo sind die Webseiten, die sich schritt- bzw. ressortweise renovieren? Im Internet, so hört man überall, ist alles ständig im Fluß, warum nicht auch das Relaunchen?

2. Sind Nachrichten tatsächlich der beste Weg, um sich von anderen abzuheben? Alle setzen auf Aktualität, laufen mit im Kampf um die schnellste Nachricht – mal mit besseren Hintergründen, mal mit größeren Bildern. Gibt es tatsächlich keine Alternativen?

3. Wo ist die Webseite, die Journalismus im Web nicht (nur) als Content, sondern auch als Zugang versteht? Ich habe es hier schon mal angedeutet: vielleicht steckt eine Chance des Journalismus im Netz darin, nicht ausschließlich über Inhalte nachzudenken. Gibt es Angebote, die das bereits praktizieren?

4. Warum versprechen alle immer mehr? Wo ist das Angebot, das weniger verspricht – und das auf einen Blick? Wie schön wäre das: eine Nachrichtenseite, die die fünf wichtigsten Meldungen des Tages auf einem Screen zeigt, ohne Blättern, ohne Scrollen, ohne Boulevard-Kram. Eine einfache Übersicht – und für alles andere gibt es Spiegel-Online.

5. Warum muss man bei Spiegel-Online jetzt von rechts nach links lesen? Ja, es ist ungewohnt, aber es ist zudem auch gegen die gelernte Blickrichtung: Im frischen Spiegel-Online kommen zuerst in der linke Spalte die Zusatzinformationen (Mehr auf Spiegel Online), der eigentliche Artikel folgt dann in der zweiten, in der rechten Spalte.

6. Wie lange kommt Spiegel-Online mit seinem Forum noch durch? Wenn über den Wert von Leserkommentaren gesprochen wird, spricht meist niemand von Spiegel-Online. Denn hier sind die Leser gut in einem Forum versteckt. Wie lange noch?

7. Überhaupt: Wo sind die Leser? Ja, es gibt Kommentare und die Möglichkeit zum Austausch, aber ist das wirklich schon das Beste, was der Web-Journalismus in Deutschland im Jahr 2009 auf diesem Gebiet liefern kann?

8. Welche Möglichkeiten der Verzahnung zwischen Print- und Online sind noch ungenutzt? Man muss das Wort crossmedial gar nicht verwenden, kann aber fragen: Alle im Sommer renovierten Webseiten haben nebenher gedruckte Angebote, wie sind diese mit dem Netz verbunden?

9. Wo sieht man das Ende der Page-Impressions? Bisheriges Erzählen im Web ist oftmals noch durch die Fixierung auf PIs geprägt,, wo sind die neuen Formen, die dem Wechsel hin zu Visits Rechnung tragen?

10. Ist Bewegtbild tatsächlich das nächste große Ding? In den letzten Jahren wurde Video als der unumgängliche Trend im Web beschrieben. Stimmt das wirklich; auch im Blick auf die renovierten Seiten?

Das Musik-Manifest

1. Die digitale Befreiung hat den Wert von Musik gesteigert.
2. Im Umgang mit Musik und seinen Fans steckt mehr Politik, als in jedem Wahlprogramm.
3. Musik war noch nie so gut wie heute.
4. Musik braucht keine Industrie, die Industrie braucht Musik.
5. Wer von Musik leben will, muss leben für Musik.

Yousef Hammoudah hat sein Musik-Manifest in fünf spannende Thesen gegossen.