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Heimatverein Internet

Kann das weltumspannende Netz der Netze Heimat sein? Schon weit bevor die Bundesregierung ein Heimatministerium gründete, formulierte ich hier meine vorsichtige Antwort: Ja, man kann im Internet Zuhause sein!
Die vage Idee, einen Heimatverein zu gründen für Menschen, die Online als ihre Heimat finden, stieß auf erstaunlich positiven Zuspruch. Deshalb denke ich schon seit einer Weile mit eine paar Mitstreiter*innen darüber nach, wie man ein solches Projekt angehen kann, damit es mehr ist als eine schöne kleine Idee.

Das dauert alles etwas länger als geplant, aber es wird. Es wird ein ganz tolles Projekt. Das kann ich voller Überzeugung sagen, weil einige sehr tolle Leute weiter an der Idee mitdenken und wir schon ziemlich gute Ideen entwickelt haben. In der Umsetzung brauchen wir noch etwas Zeit und Geduld. Aber: Es wird!

Deshalb lohnt es sich, sich hier in den Newsletter für den Heimatverein Internet einzutragen. Und wer weitere Hintergründe erfahren möchte, kann dieses Essays aus der SZ lesen, in dem ich aufgeschrieben habe, „dass das Internet die Heimat einer Generation ist, die völlig selbstverständlich mit der Idee von Völkerverständigung und Verbindung aufwächst. Auf diese Weise aufs Internet und auf die dort entstandene Heimat zu schauen, eröffnet einen völlig neuen Blick auf die Debatte um eine vermeintlich so bedrohte Identität. Es macht den Kulturessentialisten die Deutungshoheit über die Begriffe Heimat und Identität streitig und dokumentiert eine Wertschätzung für die Ideen des freien Wissens, des Pluralismus und der Meinungsfreiheit.“

Wenn du diese Wertschätzung teilst, kannst Du Dich hier für den Newsletter zum Heimatverein Internet eintragen

Heimat!

In der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung Die Welt erscheint heute ein Text (€-Blendle-Link) des SZ-Kollegen Heribert Prantl. Es ist dies ein Vorabdruck aus seinem Buch „Gebrauchsanweisung für Populisten“.

In dem Text geht es um den physikalischen Ort „Heimat“. Was Prantl aber meint, kann man auch auf den virtuellen Ort „Heimat“ beziehen. Das Internet – davon bin ich weiterhin überzeugt – kann Menschen ebenfalls Heimat sein. Ihm kann deshalb die gleiche Brauchtumsförderung zustehen wie den Städten und Dörfern, die Menschen Heimat bieten.

Wir verfolgen die Idee, einen Heimatverein fürs Netz zu gründen weiter. Ende des Jahres wird es dazu weitere Informationen geben.

In der Enstehung: Digitale Heimat und digitales Brauchtum

In dieser Woche hat der Baum vor meinem Haus alle Blätter verloren. Aber nicht nur der Herbst schreitet voran: auch die Idee, einen Digitalen Heimat- und Brauchtumsverein zu gründen, hat sich erstaunlich entwickelt. Als ich genau vor einer Woche die kleine Idee über den Digitale-Notizen-Newsletter verschickte, war ich tatsächlich unsicher, ob dieser Vorschlag mehr sein kann als eine lustige Spinnerei. Nach dieser ereignisreichen Woche weiß ich immerhin: Über 300 Menschen* finden ebenfalls Gefallen an dieser lustigen Spinnerei. Das ist wunderbar, vielen Dank an alle, die sich hier eingetragen haben!

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Das Ziel, 1000 Interessenten bis zum Ende des Jahres steht zwar immer noch aus, aber wenn sich innerhalb von sieben Tagen mehr als 300 Menschen interessieren, dann ist das in jedem Fall ein Zeichen: Wir sollten und für die Pflege des digitalen Brauchtums engagieren! Deshalb meine Bitte: Ladet Freunde und Bekannte ein, sich ebenfalls hier einzutragen. Erzähl die Geschichte weiter!

Denn diese Woche hat auf einer ganz anderen Ebene gezeigt, dass es sich lohnt, die Errungenschaft Internet zu verteidigen: gegen Überwachung und Angriffe auf unsere Datensicherheit. Die Recherchen der NDR-Kollegen unter dem Schlagwort #nacktimnetz führen uns sehr anschaulich vor Augen, dass es sich lohnt zu kämpfen, aber dass es auch höchste Zeit ist! Ich glaube, dass eine anderen Datenschutzpolitik möglich ist – und vielleicht kann dabei auch ein digitaler Heimat- und Brauchtumsverein mithelfen.

Sollte sich dieser so weiterentwickeln wie in der vergangenen Woche begonnen, werden wir im kommenden Jahr tatsächlich eine Vereingründung vornehmen. Wie das genau funktionieren wird, weiß ich tatsächlich noch nicht. Wer sich aber dafür interessiert oder Vorschläge hat, sollte sich in dieser Liste eintragen.
*(Den aktuellen Stand der Anmeldung versuche ich hier nachzuhalten)

Zwischenstand zum „Digitalen Heimat- und Brauchtumsverein“

24 Stunden nach dem die Oktober-Ausgabe der Digitalen Notizen verschickt wurde, haben sich 150 Interessenten auf der Liste für den Digitale Heimat- und Brauchtumsverein eingetragen. Das finde ich ziemlich toll. Vielen Dank!!

Ich glaube aber, dass wir den Anspruch haben sollten, den größten Brauchtumsverein des Landes zu gründen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass sich bis Jahresende mindestens 1000 Menschen hier eintragen.

Foto: Unsplash (Felipe Belluco)

Foto: Unsplash (Felipe Belluco)

Wie wichtig ein Lobbyverein fürs Digitale ist, hat heute übrigens ausgerechnet das hochgeschätzte Deutschlandradio Kultur bewiesen. Im Kompressor wurde ich nachmittags von Max Oppel interviewt. Ich beantwortete seine Fragen zu den Hintergründen des Brauchtumsvereins und erläuterte, dass ein solcher Verein z.B. im Rundfunkrat des Deutschlandradio dafür sorgen würde, dass dort mehr aufs Internet geachtet wird. „Haben wir doch schon“, erklärte Moderator Max Oppel daraufhin sinngemäß und schloss das Gespräch mit dem Hinweis, dass durch die Erwähnung im Deutschlandradio die Zahl der Interessente bestimmt steigen würde. Das Problem dabei: das Interview ist auf der Sendungsseite online nicht zugänglich. Auf Twitter würde man sagen: #merksteselbst

Außerdem gab es heute ein kleineres Missverständnis rund um den ersten Namensvorschlag. Meine Idee, den Verein nach dem Emoticon für Sympathie und Liebe „<3 Internet - Kleiner Drei Internet" zu nennen, sorgte bei den Macher*innen des Blogs kleinerdrei.org für Verwirrung. Diese möchte ich vermeiden, deshalb würde ich vorschlagen, dass wir in 2017 einen Namen suchen.

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Auf der Website der deutschen Ausgabe von Wired steht übrigens gerade ganz oben die Frage: „Braucht das Internet einen eigenen Heimatverein?“ Dominik Schönleben hat mir diese Frage gestellt und mit mir ein wenig darüber spekuliert, wie der Verein denn aussehen könnte. Dabei habe wir auch über den Shruggie und das Prinzip des Kulturpragmatismus gesprochen. Das ganze Interview kann man hier nachlesen.

Für den Digitalen Heimat- und Brauchtumsverein kann man sich hier eintragen!

Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein (Digitale Oktober Notizen)


Was in den nächsten Zeilen folgt, ist vielleicht eine recht gute Idee und vielleicht nur ein kleiner Witz. Um das herauszufinden, schreibe ich es jetzt hier auf und überlasse die Entscheidung dem Internet!

Dieser Text ist Teil die Oktober-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann! Er beschreibt die Idee, einen digitalen Heimat- und Brauchtumsverein zu gründen. Interessenten tragen sich dafür hier ein!


Wir sollten gemeinsam Deutschlands größten Brauchtumsverein gründen: Einen Verein für Menschen, deren Heimat das Internet ist. Einen Verein, der sich um die digitale Volkskultur bemüht und deren Förderung einfordert. Die Debatten der vergangenen Monate um Netzneutralität und Verlinkung einerseits sowie über Nationalismen und Hate Speech andererseits zeigen: Das Internet, das vielen Menschen Heimat ist, verdient Schutz und Pflege!

Um die Forderung danach zu artikulieren und einzufordern, müssen vielleicht diejenigen Wege beschritten werden, die klassischer Weise eingeübt sind. Um zu erklären, warum digitale Kultur bedeutsam ist, muss man vielleicht die Begriffe verwenden, die in der Kulturförderung gelernt wurden. Und um den Nationalisten aller Länder zu zeigen, dass das Internet für Völkerverständigung und Austausch über alle Grenzen hinweg steht, muss man ihre Begriffe neu definieren: Wer im Internet Zuhause ist, hat das gleiche Recht auf Brauchtums- und Heimatpflege wie all die anderen Interessengruppen, die in Schulen, Behörden, Gremien, Kirchen, Parteien und Gewerkschaften Einfluß nehmen. Der digitale Heimat- und Brauchtumsverein soll genau hier auftreten – und z.B. „durch vertiefte Heimatkenntnis zu Heimatliebe führende Erziehung“ fordern. Das habe ich auf der Website des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege gelesen und mir gedacht: Das könnte muss doch auch für die digitale Heimat gelten!

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Und zwar so:
Die folgenden acht Punkte sind ein erster Vorschlag für eine mögliche Satzung eines digitalen Heimat- und Brauchtumsverein

Heimatverein Internet

1. Wir lieben das Internet und die neuen Formen der (Volks- und Beteiligungs-)Kultur, die es hervorgebracht hat und weiterhin hervorbringen soll. Das Internet ist uns grenzüberschreitende Heimat geworden, deren Erhalt und Pflege oberstes Vereinsziel ist! Wir haben das Internet als netzneutrales, völkerverbindendes Netzwerk der demokratischen Bürger*innenbeteilung kennen gelernt. Als solches wollen wir es verteidigen und ausbauen. Anlasslose Massenüberwachung aus kommerziellen wie politischen Gründen, Einschränkung des Zugangs sowie den Bruch des Fernmeldegeheimnis lehnen wir strikt ab!

2. Digitale Kultur verdient (mindestens) das gleiche Ansehen und die gleiche auch finanzielle Förderung wie etablierte Kulturformen. Als Lobby-Verein für digitale (Volks-)Kultur verstehen wir uns als Teil der digitalen Zivilgesellschaft, die die Schaffung angemessener digitaler Rahmenbedingungen auch als zivilgesellschaftliche und öffentliche (nicht einzig privatwirtschaftliche) Aufgabe versteht. Dazu zählt für uns der zügige Ausbau der digitalen Infrastruktur ebenso wie die Modernisierung des Urheberrechts.

3. Unser Ziel ist es, die digitale Kultur in öffentlichen Organisationen und Gremien angemessen zu repräsentieren, sie gegen einseitige kommerzielle Interessen nicht nur der Digitalwirtschaft zu verteidigen und nicht zuletzt ein Bewusstsein für ihre gesellschaftliche Bedeutung in Schulen, Parlamenten, Parteien, Kirchen und Verbänden zu schaffen. Wir verstehen dies als Voraussetzung für einen souveränen Umgang mit dem Digitalen, der dringend überfällig ist.

4. Digitale Brauchtumspflege ist ein internationales Anliegen. Als deutschsprachiger Verein verstehen wir uns als Teil einer internationalen Gemeinschaft, setzen uns aber zuvorderst in deutschen Behörden und Organisationen für die Vereinsziele ein – auch um der deutschsprachigen digitalen Kultur angemessene Förderung zukommen zu lassen. Dabei sind wir in keiner Weise parteipolitisch gebunden, sondern geleitet von diesem Anliegen: die Pflege und den Ausbau des digitalen Brauchtums stärken und die demokratische Gestaltung der digitalen Sphäre durch eine aktive, vielfältige Zivilgesellschaft vorantreiben. Dabei verstehen wir uns als Erweiterung, nicht als Konkurrenz zu CCC, Digitale Gesellschaft, EFF, D64 und vielen anderen, die sehr gute Arbeit leisten.

5. Das Bekenntnis zur digitalen Heimat bedeutet ausdrücklich auch: Wir lehnen Nationalismus, Rassismus, Sexismus und jegliche Ausgrenzung vermeintlicher Minderheiten ab. Wir sehen im Internet einen grenzüberschreitenden Ort der Verbindung, den wir schützen und ausbauen wollen.

6. Wir wünschen und fördern einen pragmatischen Umgang mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die durch das Internet und die Digitalisierung angestoßen wurden. Wir wehren uns gegen einseitige Panikmache und stellen dem die Forderung entgegen, Veränderungen im Sinne der Werte von Freiheit und Demokratie zu gestalten. Angst führt niemals zu Souveränität!

7. Ziel und Zweck des Vereins ist die Förderung
… von Kunst und Kultur in der digitalen Sphäre,
… der Bildung zur selbstbesimmten, schöpferischen Gestaltung der digitalen Sphäre.
… von Wissenschaft, Forschung über die digitale Sphäre.
… bürgerschaftlichen Engagements zugunsten dieser Zwecke.

8. Der Vereinszweck wird insbesondere verwirklicht durch …
… Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Erziehern, Schulen und Jugendverbänden zur Unterstützung einer durch vertiefte Heimatkenntnis zu Heimatliebe führenden Erziehung.
… heimatkundliche (virtuelle) Zusammentreffen
… Herausgabe von (digitalen) Zeitschriften und sonstigen Publikationen über grundsätzliche und aktuelle Fragen der Erhaltung und Fortentwicklung digitaler Kulturwerte
… Bildungsarbeit auf allen Gebieten der digitalen Kultur
… öffentliche Stellungnahmen zu wichtigen Fragen der Digitalkultur
… einen jährlichen Preis zur digitalen Brauchtums- und Heimatpflege

Interessiert? Dann kommt hier der Vorschlag: Wenn sich bis Ende des Jahres 2016 auf diese Liste mindestens 1000 Menschen eintragen und Interesse an einem solchen Verein zeigen, gehen wir das Ganze im Jahr 2017 an. Deal? Deal!

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Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen

Dieses Jahr sind bereits erschienen: „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September) „Soll mein Buch auf Facebook?“ (August), „Der Grüffelo in Social Media“ (Juli) „Kulturpragmatismus“ (Juni) „Die Zukunft der Medien: Meine Handy-Nummer“ (Mai) „Alles, was ich über Social Media weiß“ (April) „Die Zeitung nach dem Papier“ (März) „Denke kleiner“ (Februar) und „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar).