Die Gefangenen des Urheberrechtskriegs

Im Frühjahr 2009 sprach ein Gericht in Stockholm das Urteil gegen die vier Betreiber des BitTorrent-Trackers The Pirate Bay, dessen Folgen heute noch spürbar sind. Ich kommentierte damals die Entscheidung in einer Form, an die ich denken musste, als ich die aktuelle Berichterstattung über Peter Sunde las. In dem SZ-Kommentar aus dem Jahr 2009 hieß es:

Man wird sich ihre Namen merken müssen: Denn seit dem heutigen Tag sind die vier verurteilten Betreiber der Online-Tauschbörse The Pirate Bay auf dem besten Weg, von einigen Internet-Nutzern in den Heldenstatus erhoben zu werden. (…) Die Website „Torrent Freak“ zeigte Peter Sunde, Fredrik Neij, Gottfrid Svartholm und Carl Lundström jedenfalls schon Minuten nach dem Urteil im schwedischen Pirate-Bay-Prozess in fast märtyrerhafter Pose: Neben ihre Porträtbilder hat das Weblog, das Nachrichten rund um das Thema Tauschbörsen und Filesharing sammelt, die Geburtsdaten und Nutzernamen der vier Männer geschrieben. Was dort nicht steht, aber für jeden Leser von Torrent Freak erkennbar ist: „Diese vier leiden für unsere Sache.“

Peter Sunde steht jetzt genau in der beschriebenen Form im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Vergangene Woche bloggte er (auf schwedisch) ein Gnadengesuch, das der Piratenpartei-Gründer Rickard Falkinge übersetzte und damit eine Web-Welle lostrat, die unter anderem über Boing Boing, TorrentFreak und Netzpolitik in einer Online-Petition bei Avaaz mündete. Dort haben aktuell über 3100 Menschen unterschrieben.

Sunde, der im Netz unter dem Namen brokep bekannt ist, zeigt sich begeistert von der Unterstützung. Auf ihn trifft nun – wie auch auf Kim Schmitz, der auf Twitter an einem ähnlichen Status arbeitet – zu, was sich im Frühjahr 2009 abzeichnete: Er wird eine Art Gefangener des Urheberrechtskriegs. Das ist eine erstaunliche Entwicklung, die vermutlich nicht dazu führt, dass dieser einer konstruktiven Lösung zugeführt wird. Die Fronten werden dadurch verhärtet, eine Entwicklung wird dadurch verstärkt, die man anhand des Deichkind-Songs „Illegale Fans“ so beschreiben kann:

Der Deichkind-Song handelt nicht von Provider-Haftung oder von härterer Rechtsdurchsetzung, er beschreibt vielmehr wie die illegale Nutzung von Tauschbörsen für eine wachsende Bevölkerungsgruppe zum popkulturellen Distinktionsmerkmal geworden ist. Weil ihre Lebensrealität kriminalisiert wird, reagieren sie mit Protest: „Keine Macht für niemand“, heißt es in Anspielung auf den Ton Steine Scherben-Klassiker, „Wir werden uns nicht stellen. Ihr seid das Imperium, wir sind die Rebellen.

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