Die Zukunft!

Nehmen wir die Mensch-Maschine Sascha Lobo. Der schreibt in seiner Provokations-Kolumne auf spiegel.de über die Zukunft und über das Lösen von Problemen (die er allerdings nicht benennt, weshalb man nicht beurteilen kann, ob er recht hat). Dabei verweist er auf das schon etwas ältere, aber fraglos tolle Video dieser zweijährigen iPad-Versteherin

Es dient ihm als Einstieg in einen Seitenaspekt der andauernden (eher grundsätzlichen) Debatte um die Zukunft und die Digitalisierung. Dazu liefert AllThingsD ebenfalls heute einen Hinweis auf das angekündigte Aggregations-Angebot News.me, das vielen (bis auf Meedia) als Zukunft der Nachricht im Netz gilt.

Ob News.me das wirklich ist, kann ich nicht beurteilen. Ich würde aber eine Einschätzung versuchen, in dem ich es mit einer weiteren Meldung dieser Woche zusammenbringe, die Richard Gutjahr aufgebracht hat (und die wir auf jetzt.de fortgeführt haben): Es geht um die Twitter-Aktivitäten beim ZDF. Die basieren auf einer Undercover-Aktion von Marco Bereth und Michael Umlandt, die sich unautorisiert zwei ZDF-Accounts aufbauten und anschließend auf den Mainzer Lerchenberg einbestellt wurden:

Doch zur Überraschung der beiden jungen Männer verläuft das Gespräch anders als erwartet. Anstatt ihnen die Twitter-Konten abzunehmen, oder gar mit einer Klage zu kommen, bietet man den beiden etwas anderes an: einen Arbeitsvertrag.

Dafür hat das ZDF – zurecht wie ich finde – viel Lob bekommen in den vergangenen Tagen, seit Richard dies publik machte. Und es ist in der Tat ein kluger Schachzug der ZDF-Verantwortlichen. Gleichzeitig steckt in der Einschätzung der zuständigen Redakteurin ein kleiner Schönheitsfehler, der uns zurück zum obigen iPad-Video führt. Tina Kutscher wird mit folgenden Worten zitiert:

“So professionell wie die Zwei twittern, könnten wir das gar nicht.”

Abgesehen davon, dass in dem Begriff „professionell“ ein schöner Seitenaspekt der ebenfalls andauernden Debatte über Amateure im Journalismus angesprochen wird (warum sollten eigentlich Amateure professioneller kommunzieren als ZDF-Redakteure!?), steckt in dem Satz der Hinweis darauf, dass das, was von Vielen als Zukunft der Medien debattiert wird, offenbar deren Gegenwart ist. Wenn im ZDF niemand in der Lage ist so professionell zu twittern wie die beiden in der Tat sehr guten Marco und Michael könnte ich empörte GEZ-Zahler durchaus verstehen, die jetzt ihr Geld zurück wollen. Anders formuliert: Es geht bei Angeboten wie News.me vielleicht gar nicht darum, ein in ferner Zukunft liegendes Problem zu lösen, sondern die sehr gegenwärtige Herausforderung zu bewältigen, die Informationsflut an Facebook-Einträgen und Tweets zu sortieren.

Ob News.me dies gelingt, kann ich nicht beurteilen (ich kann es ja noch nicht nutzen), ich kann aber sagen, dass dieses Problem eines ist, das diejenigen, die heute Twitter und Facebook als Nachrichtenkanäle nutzen („wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden“), lösen möchten. Vermutlich wird jemand in naher Zukunft ein Angebot liefern, über das die Medienverantwortlichen dann sagen: „So professionell wie die könnten wir das gar nicht lösen.“

Wirklich?

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