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loading: Meta Morfoß

Wie kann man den Spaß am Lesen mit den Möglichkeiten der Technik verbinden? Mit Lesequest – sagen die Macher von Daktylos Media, die gerade auf Startnext die Meta Morfoß-App vorstellen. Nikolay Baranov, Anna Burck und Fabian Kern (Disclosure: Mit dem ich persönlich bekannt bin) haben deshalb den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was macht ihr?
Wir entwickeln Kinder-Apps für Tablets, die sich deutlich von dem unterscheiden, was zur Zeit auf dem Markt ist: Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten dieser für Heranwachsende so spannenden Geräte auszunutzen, aber gleichzeitig den Charakter des Lesens und die Faszination von Literatur zu erhalten. Unsere Produkte sollen sehr viel mehr sein als reine 1:1-Umsetzungen des Textes, aber auch keine reinen Spiele-Apps, wie sie in Massen in den App-Stores zu finden sind. Dazu haben wir ein eigenes Buch-App-Format entwickelt, die „Lesequest“. Für unsere erste Kinderbuch-App haben wir Meta Morfoß ausgesucht, eine sehr überraschende Erzählung des Schriftstellers Peter Hacks über ein Mädchen, das sich ständig in alles Mögliche verwandelt.

Mit unserer Lesequest holen wir gute Literatur aufs Tablet und wollen damit anspruchsvolle Inhalte für Kinder im Lesealter in die Stores bringen. Die Lesequest funktioniert so, dass man den Text liest und darin Schlüsselwörter findet. Wenn man diese Wörter antippt, werden die Illustrationen animiert, es passiert etwas in den Bildern und so kommt man in der Geschichte weiter. Die Bilder dafür schafft der Illustrator und Animator Max Litvinov aka KClogg.

Warum macht ihr es (so)?
Zuallererst machen wir etwas, was uns Spaß macht – die verlegerische Arbeit auf neue Wege für die Produktion und Verbreitung von Inhalten zu bringen. Kindern wird heute so viel Zerstreuung und Ablenkung geboten, aber wenig Inhalte, die auf spielerische Weise einen Bezug zu Kultur, zu neuem Wissen schaffen. Mobile Geräte sind für Kinder so faszinierend, dass diese, wenn sie die Wahl haben, lieber zum Tablet als zum Buch greifen. Wir haben uns gefragt: Wie lässt sich diese Technikfaszination mit dem Spaß am Lesen verbinden? Wie kann man Kinder für gute Literatur begeistern? Inhalte und Informationen können heute auf so spannende und abwechslungsreiche Weise vermittelt werden. In den Stores findet man für Kinder im Lesealter auf Deutsch keine innovativen Buch-Apps. Wir füllen diese Lücke. Wir möchten für die heutigen Kinder, die selbstverständlich mit dem Tablet aufwachsen, eine Brücke zum Lesen schlagen. Lesen ist und bleibt eine elementar wichtige Technik. Wir wissen heute noch nicht, wohin sich das Lesen entwickelt, was mit dem guten alten gedruckten Buch passiert. Wir wollen es auch nicht ersetzen, sondern ergänzen.

In unseren Gesprächen mit Mediengestaltern und anderen Eltern ist uns klar geworden, dass diese Fragen viele Menschen bewegen. Wie sich Medien entwickeln, prägt eine Gesellschaft und ihren sozialen Zusammenhalt in ganz zentraler Weise. Durch unsere Crowdfunding-Kampagne wollen wir nicht nur die Finanzierung unseres ersten Projekts realisieren, sondern auch so viele Menschen wie möglich an dieser Entwicklung teilhaben lassen. Wenn nicht wir die Zukunft gestalten, werden es andere für uns tun.

Wer soll das lesen?
Der Text selbst ist für Kinder ab acht Jahren geeignet, aber auch jüngere Kinder, die gerade erst Buchstaben und das Lesen entdecken, haben schon Spaß an der App. Außerdem ist sie auch für alle Großen gedacht, die Literatur lieben, die Peter Hacks als Schriftsteller oder, wenn sie ihn vielleicht schon als Dramatiker kennen, eine besondere Seite an ihm entdecken wollen, nämlich seine wunderbaren Texte für Kinder. Außerdem ist die App für Leute interessant, die auf originelles Konzept und Design für mobile Apps neugierig sind.

Wie geht es weiter?
Wir haben einen App-Prototypen erstellt, der rundum positives Feedback bekommen hat. Nun brauchen wir soviel Unterstützung wie möglich für unser Crowdfunding-Projekt auf Startnext zur Realisierung der Meta Morfoß App. Wenn unsere Kampagne erfolgreich ist, planen wir, die App im Herbst in die Stores zu bringen und auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen. Und wir möchten dann mit der Konzeption der nächsten Lesequests beginnen. Außerdem wollen wir auch gern eine Kinderbuch-App entwickeln, die Belletristik und Sachbuch miteinander verbindet.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In unseren Augen wird durch die aktuelle Entwicklung der modernen Digitalmedien bestimmt, in welcher Wissens- und Erlebniswelt unsere Kinder in Zukunft aufwachsen werden. Wir möchten diesen Prozess aktiv mitgestalten und dafür sorgen, dass auch Medien wie eBooks und Apps mit derselben didaktischen Qualität und gestalterischen Perfektion entstehen, wie dies beim Kinderbuch in der Vergangenheit der Fall war. Wir freuen uns über jeden, der uns auf diesem Weg begleiten will, sei es durch die Unterstützung unseres Projektes, durch die kreative Auseinandersetzung mit unseren Ideen oder dadurch, dass die Crowdfunding-Community weiter zum Wachsen gebracht wird. Natürlich sollen viel mehr Menschen über unsere Crowdfunding-Kampagne für die Meta Morfoß App erfahren, damit wir Unterstützung bekommen. Crowdfunding ist eine Möglichkeit, die Welt in deiner unmittelbaren Umgebung besser zu machen, das in die Welt zu bringen, was du dir für dein Leben wünschst.


>>> Hier kann man die Meta Morfoss App direkt auf Startnext unterstützen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



Apple, think different!

Das mobile Telefon ist nicht erst seit der Erfindung des Smartphones zu einem wichtigen Bestandteil der Popkultur geworden – und das liegt keineswegs nur an den zahlreichen kleinen Programmen, die seine Verwendungsmöglichkeiten erweitern. Es liegt daran, dass es stets und überall dabei ist. Auf Konzerten zum Beispiel hat das Handy-Display mittlerweile das Feuerzeug als Hochhalte-Instrument abgelöst. Wo immer etwas auf einer Bühne passiert, finden sich mindestens ein paar Zuschauer, die Fotos oder Filme mit hochgerecktem Arm machen. Noch.

Think Different aufgenommen von Flickr-User bourgeoisbee unter CC-Linzenz

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Denn wenn man dieser Meldung aus der Sun Glauben schenken darf, könnte dieses Bild bald der Vergangenheit angehören. Angeblich arbeitet die Firma Apple (vormaliger Slogan: Think different!) an einer Technologie, die es ermöglicht, von der Bühne aus, die iPhone-Geräte im Auditorium filmunfähig zu machen:

The leading computer company plans to build a system that will sense when people are trying to video live events — and turn off their cameras.

Begründet wird dieser Zensur-Eingriff in die Rechte der Kamera-Käufer mit Verweis aufs Urheberrecht. Da vermeintlich zu viele Menschen bei Live-Events ihre Taschenkamera zücken und aufnehmen, was sie sehen, will Apple offenbar den Organisatoren und Rechte-Verwertern entgegen kommen. Die Sun schreibt:

The new technology is seen as an attempt to protect the interests of event organisers and broadcasters who have exclusive rights to concerts.

Ich weiß nicht, ob diese Meldung stimmt. Aber dass man sie überhaupt verbreitet und niemand kopfschüttelnd abwinkt und sagt: „Nee, sowas würde Apple doch nie machen“, zeigt, was aus Think different geworden ist.

Dass öffentliche Veranstaltungen mittels einer zentral von der Bühne gesteuerten Überwachungstechnologie derartig kontrolliert werden können, dass Anwesende sie nicht mitschneiden oder mitfilmen können, klingt wie ein diktatorisches Schreckensszenario, es scheint aber die Realität in Zeiten des angeblich aufgeweichten Urheberrechts zu sein.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob die Meldung stimmt. Aber dass man sie überhaupt verbreitet und niemand kopfschüttelnd abwinkt und sagte: „Nee, sowas würden die Rechte-Verwerter aus demokratischem Anstand doch nie wollen“, zeigt was aus dem Urheberrecht geworden ist.

Ich glaube, dass in Zeiten der digitalen Kopie die Vervielfältigung zu einem Bestandteil der Meinungsäußerung geworden ist. Deshalb habe ich für Mashup ein Lob der Kopie angestimmt. Denn Beispiele wie die obige Apple-Meldung zeigen, wie sich die Maßstäbe verschieben. Es ist unverhältnismäßig, das Recht auf freie Meinungsäußerung in dieser Form einschränken zu wollen. Denn wer es für gerechtfertigt hält, die Aufzeichnung von Musikdarbietungen technisch zu unterbinden, öffnet damit Tür und Tor für politisch weitreichendere Begehrlichkeiten. Warum nicht auch das Filmen von politischen Veranstaltungen unterbinden?

Aus dem gleichen Grund, der gegen den oben genannten möglichen Apple-Plan spricht: Es ist einer demokratischen Gesellschaft nicht würdig.

Daily: Meine vier Zweifel an der iPad-Zeitung

Am Wochenende wurde die Meldung öffentlich, Rupert Murdoch und Steve Jobs (also die beiden Organisationen, denen sie vorstehen) machen gemeinsame Sache. Für die morgige Ausgabe der SZ hat der Kollege Jörg Häntzschel die Pläne der beiden, eine Zeitung fürs iPad zu entwerfen, genauer beschrieben.

Es ist unbestreitbar: In dem „Daily“ betitelten Projekt steckt ein besonderer Zauber. Es ist die Hoffnung, dass Jobs und Murdoch zeigen werden, dass das, was viele als Inhaltetransport in Form des klassischen Journalismus bezeichnen würde, doch noch funktioniert. Zwar nicht auf Papier, aber auf dem, was die gleichen Menschen häufig als digitales Äquivalent zu Papier sehen: dem Tablet-Computer. Ich persönlich spüre diesen Zauber nicht, aber ich kann verstehen, woher die Faszination kommt, mit der manch einer über das Projekt spricht. (Mich fasziniert, dass offenbar tatsächlich Sasha Frere-Jones in dem Team mitarbeitet).

Für mich ist daran etwas Anderes bemerkenswert: Indirekt beweist die Freude über diesen Versuch nämlich, wie radikal sich die Medienlandschaft bereits jetzt verändert hat – und was wir daraus lernen können. Ein Technik-Anbieter, dessen Firma sich in manchen Bereichen nah am Monopol bewegt und ein Mann, der das Wort „Medienmogul“ erfunden zu haben scheint, tun sich zusammen. Doch die Meldungen dazu äußern nicht Skepsis, sondern eben die Hoffnung, der Versuch möge doch klappen – eben weil es beweisen würde, dass sich soviel doch nicht geändert hat.

Ich habe keine besondere Qualifikation, Prognosen abzugeben. Doch ich bin skeptisch, ob eine solche reine iPad-Zeitung erfolgreich sein wird. Ihr fehlt all das, was Medien in einer vernetzten Welt ausmacht – und vor allem fehlen ihr diese vier Punkte:

1. Öffentlichkeit
2. Aufmerksamkeit
3. Verbindung
4. Gemeinschaft

Wenn ich im Folgenden zu beschreiben versuche, was ich damit meine, geht es mir weniger um das konkrete Projekt (davon weiß ich auch zu wenig), als vielmehr um den Grundentwurf Zeitung auf dem iPad. Denn ganz so heilbringend wie dieser oft beschrieben wird, ist er (zumindest als iPad-Only Variante) nicht.

1. Öffentlichkeit

Einer der wichtigsten Gründe, warum man eine Zeitung liest, ist die Annahme, dass man es nicht alleine tut. Wäre der Leitartikel oder die große Reportage lediglich eine private Botschaft, die mir der Kommentator oder Reporter persönlich geschrieben hat: beide würden ihren Reiz verlieren. Der steckt nämlich darin, dass die Texte öffentlich sind. Dass andere sie auch lesen, haben wir bisher daran erkannt, dass die Zeitungstexte in Pressespiegeln auftauchten, dass anderen Zeitungen darauf reagierten oder dass Radio und Fernsehen drüber berichteten. All das sind Indizien dafür, dass die Texte, die man liest, eine Öffentlichkeit erreichen. Durch das Netz – das auf andere Weisen unseren Begriff von Öffentlichkeit ebenfalls verändert – ist diese Mitlese-Öffentlichkeit sehr viel unmittelbarer zu erkennen. Es gibt Links, Verweise, Kommentare. Aus dem Publizieren ist ein Kommunzieren geworden.

Einer Zeitung, die eingesperrt in einer App veröffentlicht wird, fehlt diese unmittelbare Öffentlichkeit.

2. Aufmerksamkeit

Er zählt zu den Allgemeinplätzen des Digitalen, der Satz von der Aufmerksamkeitsökonomie im Netz. Aber dennoch hat er einen wahren Kern: Die vom Internet veränderte Medienwelt ist ein Marktplatz der Aufmerksamkeit. Wer hier nur eine mittelbare Öffentlichkeit erreicht, wird keine Aufmerksamkeit aus sich heraus generieren können. Was ich damit meine: Natürlich werden Jobs&Murdoch für Aufmerksamkeit für ihr Daily sorgen. Aber diese Aufmerksamkeit wird Reklame bleiben, sie wird nicht auf die Ebene vordringen, die in der aufgeregten Netzsprache so gerne als viral bezeichnet wird, weil sie sich von alleine weiterträgt. Weil Menschen von einer Idee, von einem Text, von einer Zeitung so überzeugt sind, dass sie ihre Freunde auch überzeugen.

Einer Zeitung, die nur eine mittelbare Öffentlichkeit erreicht, wird diese besondere Form der Aufmerksamkeit nicht zuteil.

3. Verbindung

Sie werden ihre Freunde auch deshalb nicht überzeugen, weil sie diese aus der Tablet-Zeitung heraus gar nicht erreichen können. Die Anschlusskommunikation, die das Netz ermöglicht, das Teilen und Mitteilen von Informationen ist in einer reinen iPad-Zeitung nicht möglich. Dadurch verzichtet eine solche Zeitung auf den Motor, der im Netz für Bewegung – also für Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit – sorgt und schließt eine aktive Leserschaft gerade zu aus. Zudem raubt sie sich selber den Vorteil, den das Tablet gegenüber dem Papier haben kann: digital und sofort weiterverwendbar zu sein.

Eine Zeitung, die die Möglichkeiten der Verbreitung und Verbindung von Informationen bewusst ausschließt, wird unattraktiv für eine aktive Leserschaft.

4. Gemeinschaft

Ein großes Problem, das eine iPad-Zeitung hat, ist dass sie also solche nicht zu erkennen ist. Wer den Leser von Daily beobachtet, sieht lediglich, dass er in ein iPad schaut. Tyler Brule hat das mal so zusammengefasst:

Wenn ich in eine Flughafen-Lounge gehe und Sie mit Ihrem Laptop sehe, weiß ich nicht, ob Sie sich Pornografie auf einer Website aus Bratislava ansehen oder einen Dokumentarfilm auf dem Sundance-Kanal. Sehe ich Sie aber die ZEIT aufschlagen oder den Economist, dann sagt das etwas über Sie, mindestens genauso viel wie Ihre Schuhe, Ihre Jacke, die Uhr an Ihrem Handgelenk oder der Koffer, mit dem Sie unterwegs sind.

Medien, die wir nutzen, sagen etwas über uns. Wer uns bei der Lektüre einer bestimmten Publikation beobachtet, erkennt uns dadurch als Mitglied einer Gruppe. Das Internet hat uns die Möglichkeiten gegeben, diese Gruppe (die man hier Community nennt), abzubilden. Eine reine iPad-Zeitung, die auf den aktiven Leser verzichtet, wird diese Gruppe nicht abbildbar machen können. Das führt zu dem zentralen Problem, das schon aus Punkt 1. Öffentlichkeit resuliert: ich weiß nicht, wer die Zeitung sonst noch liest.

Eine Zeitung, die ihrer Leserschaft keine Möglichkeit gibt, sich selbst zu vergewissern, wird Schwierigkeiten haben, als Marke zu bestehen.

Da die Marke „Daily“ (und sei es nur ein Arbeitstitel) aber eben überhaupt noch nicht existiert, wächst mein Zweifel, warum Leser dieser denn vertrauen sollen. Für mich wäre der einzige Grund, der oben angesprochene Kulturchef Sasha Frere-Jones, also eine Person, die glaubwürdig ist.

Womit wir bei den zwei Dingen sind, die mir sehr positiv auffallen, an dem Daily-Plan: Erstens setzt er auf das Prinzip der Endlichkeit. Daily greift eine Portion aus dem ständigen Fluß der Informationen heraus und bereitet sie (so hoffe ich doch) gut auf. Zweitens geschieht dies am Abend. Ich glaube, dass diese alte Idee einer Abendzeitung sehr gegenwärtig ist.

Das ist gut, aber eine bahnbrechende Innovation ist es meiner Meinung nach nicht.

Update: Mario Garcia zeigt, wie er sich eine Tabloid-Zeitung vorstellen würde.

Update 2: Matthew Ingram beschreibt bei Gigaom, warum man am Daily-Projekt sehen kann, dass Rupert Murdoch noch immer auf Kriegsfuß mit dem Internet steht.

Alles hat ein Ende

Hier gibt es offenkundig ein Bedürfnis eines Teils der Mediennutzer nach Endlichkeit und Überschaubarkeit – im Gegensatz zum unendlichen, unüberschaubaren Internet. Es ist eine Sehnsucht nach dem Gefühl, eine Zeitschrift komplett „durchgeblättert“ zu haben, oder die Illusion, informiert zu sein, wenn man die ganze 20-Uhr-“Tagesschau“ gesehen hat.

In dem Was willst du mit dem iPad, sprich! betitelten Texte der gestrigen FAS über die iPad-Pläne von Zeitungsverlagen schreibt Stefan Niggemeier die oben genannte Sehnsucht vor allem der älteren Generation zu. Ich glaube jedoch, dass in dieser Endlichkeit sehr viel mehr steckt – auch unabhängig vom iPad.

Das iPad wird sozial

Eines der größten Probleme, die das iPad meiner Einschätzung nach hat, ist die Tatsache, dass es nicht kommuniziert. Es ist ein abgeschlossenes System, das die Entwicklung hin zum aktiven Rezipienten ignoriert. ReadwriteWeb stellt heute eine App vor, die das ändern könnte: Flipboard macht das iPad sozialer. Es handelt sich dabei um einen erweiterten RSS-Reader fürs iPad, der eine Art Nachrichtenzugang ins iPad-Web werden könnte. Das Demo-Video zeigt wie das funktionieren kann:


Die im Hintergrund laufende Musik kennt man übrigens aus der TV-Serie Stromberg

Journalismus, Werbung und PR

“News is what somebody somewhere wants to suppress; everything else is advertising”

Dem britischen Journalisten Harold Evans wird das obige Zitat zugeschrieben und selbst wenn man diese harte Unterscheidung nicht teilt, scheint es angebracht, sich an die dahinter stehende Haltung zu erinnern.

Es geht um das iPad, ein neues technisches Gerät der Firma Apple und es geht um Richard Gutjahr. Der arbeitet in München als Journalist und hat sich ein iPad gekauft. Darüber hat er in seinem Weblog geschrieben. So wurde Richard Gutjahr zum Gegenstand der Berichterstattung in einigen Medien (z.B. SZ, Stern, Abendzeitung, Spiegel ). Außerdem wurde Richard Gutjahr zum Gegenstand einer kleinen Debatte über die Frage, ob das eigentlich Journalismus ist, was er da gemacht hat.

Mit Harold Evans kann man diese Frage sehr einfach beantworten: Es ist Werbung. Werbung für das iPad, Werbung für Richard Gutjahr und Werbung für sein Projekt Appstory.TV. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Die Medienjournalistin Ulrike Lange urteilt jedenfalls in Medial Digital

Gutjahrs Aktion mag ungewöhnlich erscheinen (und für einige angesichts des distanzfreien Kults um ein Goldenes iKalb auch befremdlich), doch ich bin überzeugt: Freie Journalisten, die es schaffen, sich als Eigenmarke zu inszenieren, haben bessere Zukunftschancen als jene, die auf Gedeih und Verderb auf (wenige) Auftraggeber angewiesen sind, um wahrgenommen zu werden.

Vom Selbstmarketing im Netz war hier schon einige Male die Rede. Ob diese Aktion ein besonders geglücktes Beispiel dafür ist, will ich nicht beurteilen. Erstaunlich finde ich jedoch, dass sie im Netz erstaunlich wohlwollend begleitet wird. Mehr noch: Michael Praetorius kommt seinem Blog sogar zu folgendem Schluß über diese iPad-Werbung Berichterstattung:

Gutjahr hat eine journalistische Glanzleistung hingelegt. Er hat verstanden, dass das Web fragmentiert ist, auf sozialen Beziehungen beruht und er sich auf sein Netzwerk verlassen kann. Sein Bericht ist nicht das große Ganze, sondern das winzig klein Verstreute. Spätestens jetzt wird klar, dass Gutjahr nicht versagt hat, sondern von Beginn an auf die Kraft des Webs gesetzt hat. Seine Berichterstattung ist ein hervorragendes Beispiel, wie Online-Journalismus im Zeitalter des Social Webs funktionieren kann.

Grund für diese Begeisterung ist die Vernetzung, auf die der zum Entertainer gewordene Journalist zurückgreift. Dies allein sei neu und gut, urteilt Praetorius:

Seine Form der Berichterstattung lässt sich ein kein einziges Raster mehr packen, das auf Journalistenschulen gelehrt wird. Das muss es auch nicht, den im Web wird klarer denn je, dass Journalismus kein Beruf, sondern eine Tätigkeitsbeschreibung ist. Journalisten sind nicht mehr die Gatekeeper der Berichterstattung und Informationen.

Dem würde ich nicht nur inhaltlich, sondern auch logisch widersprechen: Wenn jeder ein Sender sein kann, kann auch jeder Gatekeeper sein. Der Verweis auf bedeutsame Inhalte wird im too much information age zur herausragenden Leistung. Die Debatte um das soziale Wissen zeigt genau das: Meine – selber zu Sendern und damit zu Journalisten gewordenen Freunde – werden zu Filtern für Informationen. Aber werden sie auch zu glaubwürdigen Filtern?

Genau hier spielt der traditionelle Journalismus eine nicht neue, aber doch immens wichtige Rolle: Als glaubwürdige Instanz, die hilft zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden, als Filter, der mir sagt, welche Informationen ich eben nicht lesen muss. Um dies leisten zu können, gilt – auf allen Kanälen – der keineswegs antiquierte Rat von Hanns-Joachim Friedrichs an einen guten Journalisten:

Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken.

Mehr zum Thema gibt es im Blog Martin Giesler.

Das iPad: Das sollte man wissen

Es ist soweit: An diesem Wochenende wird das iPad verkauft. Das sollte man über seine technischen Eckdaten wissen:

Inhaltlich sollte man das hier bedenken:

I think that the press has been all over the iPad because Apple puts on a good show, and because everyone in journalism-land is looking for a daddy figure who’ll promise them that their audience will go back to paying for their stuff.

Das Zitat stammt von Cory Doctorow, der bei Boing Boing sehr lesenswert erklärt: Why I won’t buy an iPad and think you shouldn’t, either. Dabei entzaubert er zunächst den Glauben an den Heilsbringer iPad …

The reason people have stopped paying for a lot of „content“ isn’t just that they can get it for free, though: it’s that they can get lots of competing stuff for free, too. The open platform has allowed for an explosion of new material, some of it rough-hewn, some of it slick as the pros, most of it targetted more narrowly than the old media ever managed. Rupert Murdoch can rattle his saber all he likes about taking his content out of Google, but I say do it, Rupert. We’ll miss your fraction of a fraction of a fraction of a percent of the Web so little that we’ll hardly notice it, and we’ll have no trouble finding material to fill the void.

… und kommt abschließend zu der Erkenntnis:

Gadgets come and gadgets go. The iPad you buy today will be e-waste in a year or two (less, if you decide not to pay to have the battery changed for you). The real issue isn’t the capabilities of the piece of plastic you unwrap today, but the technical and social infrastructure that accompanies it.

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