Frauen: selber Schuld!

Heute ist Weltfrauentag. Deshalb veröffentlichen die Blätter für deutsche und internationale Politik das Eingangskapitel des als „Streitschrift“ angekündigten Buchs „Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität“, in dem die ehemalige taz-Chefredakteurin Bascha Mika Thesen rausbläst, die sie in der taz-Konferenz offenbar nicht durchgebracht hat. Sie schreibt:

Nach 40 Jahren Geschlechtertheater müssen wir feststellen: Wir selber haben’s vermasselt. Wir Frauen. Wir reden und schreiben und regen uns auf und verfluchen unsere Ohnmacht gegenüber den gesellschaftlichen Strukturen – aber wie handeln wir denn Tag für Tag?

Wir lassen dieses System nicht nur zu. Wir machen mit. Wir selbst halten es am Leben. Warum sonst wohl sind unsere bisherigen Veränderungsstrategien meist wirkungslos? Weil wir keine Gegnerinnen des Systems sind, sondern Komplizinnen!

Ja, das ist provokant. Das ist streitbar und verkaufsfördernd. Aber der Sache der Frauen der Gleichberechtigung ist es keinesfalls dienlich – und ich halte Bascha Mika für so smart, dass sie das auch selber weiß. Sie hat (als Komplizin des medialen Systems) in so vielen Talkshows gesessen, dass ihr bewusst ist, dass die Reduzierung eines gesellschaftlichen Problems auf persönliches Fehlverhalten allenfalls als provokante Verkürzung tauglich ist, aber nicht als relevanter Debattenbeitrag.

Die Frage, wie Frauen und Männer zusammenleben wollen, wie man Familie gleichberechtigt organisiert und wie unser Land mit Kindern umgeht, ist keine, die man in der Mika-Art beantworten kann. Wer ernsthaft öffentlich schreibt: „Frauen, wir sind selber Schuld!“ schadet einer gleichberechtigten Politik vermutlich ebenso wie diejenigen, die von Frauen und Herd als naturgegebener Einheit reden oder jene, die Barbusige auf die Seite eins ihrer Zeitungen drucken.

Ja, das Private ist politisch (und wird zunehmend medial ausgewertet), aber das Politische in diesem Land ist eben nicht einzig privat zu lösen: Kinderbetreuung, Teilzeit-Arbeitsverhältnisse und gleicher Lohn für gleiche Arbeit sind keine Themen, die „wir feigen Frauen“ alleine und für uns privat lösen können.

Wer solches suggeriert, befindet sich selber in einer bösen Rollenfalle.

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