In der aktuellen Folge seines Newsletters hat der Tiktok-Forscher Marcus Bösch ein sehr zugängliches Akronym vorgeschlagen, um den journalistischen Umgang mit Memes zu verbessern. M.A.T.T.E.R. ist eine gute englischsprachige Checkliste, um zu überprüfen, wie und was nun berichtet werden soll und kann.
Ich finde diese Idee (hier das PDF runterladen) so gut, dass ich sie spontant etwas umgestellt und auf deutsch übersetzt habe: M.E.M.E.S. ist eine deutschsprachige Checkliste zum journalistischen Umgang mit Netzphänomenen.
M – Materie
☐ Verstehen wir den Ursprung oder Hintergrund des Mems?
☐ Wer wird es wahrscheinlich sofort verstehen – und wer nicht?
☐ Welche Teile seiner Bedeutung sind verschlüsselt, nachgeplappert oder nur für In-Groups sichtbar?
☐ Können wir dieses Meme jemandem klar erklären, der es noch nicht gesehen hat?
☐ Berichten wir über das Mem oder werden wir Teil davon?
E – Emotion
☐ Welche Stimmung und Emotion löst das Meme zuerst aus?
☐ Ist es ernsthaft, ironisch, zynisch oder zweideutig?
☐ Wer wird getriggert?
☐ Wer ausgeschlossen?
M – Medium
☐ Um welches Format handelt es sich (Bild, Video, Ton, Geste, multimodal)?
☐ Ist es plattformspezifisch oder wurde es anderweitig recycelt?
☐ Welche Rolle spielt die KI hier?
E – Ethik
☐ Gibt es Anzeichen für Manipulation, Propaganda oder Agenda-Setting in diesem Zusammenhang?
☐ Betrifft dieses Meme gefährdete Personen, Trauma oder Belästigung?
☐ Könnte die Verbreitung dieses Memes Schaden, Demütigung oder Fehlinterpretationen verursachen?
S – Situation
☐ Entsteht dieses Mem, erreicht es seinen Höhepunkt, geht es zurück oder wird es wiederverwendet?
☐ Sind wir früh, pünktlich oder zu spät an der Unterhaltung beteiligt?
☐ Hat sich die Bedeutung seit dem ersten Auftauchen verändert
☐ Warum ist dieses Meme jetzt wichtig?
☐ Wo ist dieses Meme im Umlauf (welche Gemeinschaften, Regionen, Sprachen)?
☐ Wer verstärkt es – Einzelpersonen, Einflussnehmer, Medien, koordinierte Akteure?
Mehr zu dem Thema hier im Blog in der Rubrik Netzkulturcharts:
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