Wo kommen eigentlich all die Meme-Vorlagen her? Es sind Bilder, Töne, Schnipsel, die aus ihren Ursprungskontexten genommen und neu gerahmt werden. Genau aus diesem Bruch entsteht häufig der besondere Zauber der Bilder, die für sich genommen langweilig wären.
Nicht wenige dieser Szenen stammen aus Filmen mit Leonardo DiCaprio. Der Moderator der Oscar-Gala 2026, Conan O’Brien nennt DiCaprio deshalb sogar den „König der Memes“. Mit diesem Titel eröffnet er einen besonderen Meta-Meme-Moment: Er erschafft nämlich gemeinsam mit DiCaprio während der Oscar-Verleihung ein eigenes Meme. Die Kamera schwenkt auf den Schauspieler, der etwas irritiert schaut. Dazu wird die Zeile eingeblendet: „TFW you didn’t agree to this“ („Das Gefühl, wenn du dem nicht zugestimmt hast“).
Das ist auf doppelter Ebene Meta: zunächst wirkt es so als sei DiCaprio nicht eingeweiht gewesen – weshalb die Einblendung ironisch wirkt. Dass der Moment aber historisch für die Netzkultur sein wird, liegt jedoch an der zweiten Meta-Ebene: Diese Szene zeigt erstmals den Ursprungskontext eines Memes – und befreit ihn vom Kontextbruch. Dieses Meta-Meme bezieht sich nicht auf etwas völlig anderes. Dieses Meme ist eine Selbstreferenz. Und genau in dem Wissen entsteht der Distinktions-Moment.
Denn die anderen Publikums-Memes mit Leo waren unbeabsichtigt. Das hier ist genau so abgesprochen.
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