Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, der immer zum Ende eines Monats erscheint. Hier kannst du ihn kostenlos abonnieren.
Ich habe in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht, wie Journalismus auf Bühnen funktionieren kann (und dazu sogar eine kleine Einheit an der DJS unterrichtet). In dieser Woche habe ich dazu gemeinsam mit Stefan Niggemeier auch einen Versuch unter echten Bedingungen gemacht: Wir haben uns vor Publikum unterhaltet, auf der „never gonna give you up“-re:publica.
„Echt interessant, dass das auch ohne Moderation funktioniert“ war ein Feedback, das ich nach unserem Gespräch bekam. Und ich fand das auch interessant – weil sich das bei einem Podcast ja niemand fragt. Es ist vielleicht so, dass Inhalte unterschiedliche Formen annehmen können. Und die gelernten Formate (Talk, Podcast, Buch, Vortrag) bestimmen ähnlich wie (Ver-)Kleidung, die Art und Weise, wie wir die auf diese Weise verkleideten Inhalte wahrnehmen, was wir von ihnen erwarten und wie wir sie bewerten (ich habe das mit Hilfe von KI in Form von Astronaut und Clown oben zu illustrieren versucht)
Im Nachgang hat mich vor allem die Frage beschäftigt: Was machen wir jetzt damit? Und ich will hier etwas ausprobieren – eine KI-Note wenn man so will. Ich habe den Mitschnitt unseres Gesprächs und die Notizen und Quellen auf die wir uns beziehen in einem Sprachmodell zusammenfassen lassen, daraus ist jetzt eine KI-Zusammenfassung entstanden, die ich unten teile.
Ich sehe dieses Format aber nur als Zwischenschritt, eigentlich wünsche ich mir eine Art Bootleg-Mitschnitt-Fassung des Bühnenprogramms, das die Shownotes, die genutzten Quellen, Bücher und Töne zusammenfasst und exklusiv nach dem Event verkauft wird. Würde dich sowas interessieren?

Die zehn wichtigsten Erkenntnisse aus dem „Besser diskutieren“-Gespräch (hier auf YouTube)
Meinungsänderung als demokratisches Privileg: Das wahre Merkmal einer freien Gesellschaft ist nicht allein das Äußern einer Meinung, sondern die Freiheit und Offenheit, diese zu ändern. Eine Gesellschaft, die nur noch sendet, aber nie korrigiert, verfällt in autokratische Strukturen.
Das Gadamer-Prinzip anwenden: Ein echtes Gespräch setzt die fundamentale Annahme voraus, dass das Gegenüber recht haben könnte. Ohne diese Bereitschaft findet kein Austausch statt, sondern lediglich eine gegenseitige Bekanntgabe des eigenen Rechts.
Intellektuelle Bescheidenheit (Intellectual Humility): Die Fähigkeit, die eigene Fehlbarkeit einzuräumen, hält das Denken frei. Wer intellektuell bescheiden auftritt, sucht in der Diskussion eher nach neuen Perspektiven als nach Bestätigung.
Die Motiv-Attributions-Asymmetrie überwinden: Wir neigen dazu, der Gegenseite systematisch niedere Motive zu unterstellen, während wir unser eigenes Handeln als moralisch motiviert wahrnehmen. Eine konstruktive Debatte erfordert, auch bei Gegnern nach einem positiven Grundimpuls (wie dem Wunsch nach einer besseren Zukunft) zu suchen.
Der Ideologische Turing-Test: Um Strohmänner abzubauen, sollte man die Argumente des Gegenübers so präzise zusammenfassen können, dass dieser zustimmt: „Ja, das ist meine Position“. Erst auf dieser Basis der Einigkeit über die Argumente kann ein echtes Gespräch beginnen.
Der Argument-Inspiration-Test: Anstatt zu fragen, wer „gewonnen“ hat, sollte am Ende einer Debatte die Frage stehen: „Welches Argument der Gegenseite hat mich inspiriert?“. Das Ziel ist nicht Konsens, sondern das Verständnis einer fremden Perspektive.
Digitales Denken verschiebt die Lösung zum Empfänger: Während analoges Denken (20. Jahrhundert) nach universellen Einheitslösungen für alle sucht, erlaubt die Digitalisierung individuelle Anpassungen. In Debatten wie der um das Gendern könnten technische Lösungen (z. B. ein „Gender-Schalter“) dem Empfänger die Wahl überlassen, anstatt eine Lösung für alle zu erzwingen.
Die Memifizierung von Meinungen erkennen: Oft werden Meinungen im Netz wie „Memes“ benutzt – als reine Codes zur Distinktion und Gruppenzugehörigkeit. In solchen Fällen dient das Gespräch nur noch als Bühne für das eigene Publikum, nicht mehr dem Austausch von Argumenten.
Mut zur Ambiguität in der VUCA-Welt: Wir leben in einer Welt der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (VUCA). Aufklärerischer Mut bedeutet heute, diese Unsicherheit auszuhalten und nicht der Versuchung einfacher Masterpläne oder „Wahrheiten“ zu erliegen.
KI als privater Denkraum: Sprachmodelle können als „virtuelle Denkmaschinen“ genutzt werden, um im Privaten Gegenargumente zu prüfen. Dies ermöglicht einen Meinungsbildungsprozess
Die Quellen: Bühnen-Aufzeichnung, der Text von Stefan, sein Blog-Eintrag. Meine Blogeinträge: Danke für Ihren Verstand, Meinungsänderung, Du hast mich zum Nachdenken gebracht, Drei Versuche über Vernunft, die digitale Lösung der Gender-Debatte

Weil ich über diese Art der Verkleidung von Inhalten schon länger nachdenke (Kultur als Software), habe ich mit Hilfe von KI eine Illustration gebaut – um damit auf diese Umfrage hinzuweisen, deren Ergebnisse ich in meinem Newsletter teilen werde!
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