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Keine Angst vor dem Leser, stell ihn auf die Bühne!

Ich bin unsicher, ob die größte Leistung darin steckt, dass Martin Oetting anfangs eine großartige schauspielerische Leistung hinlegt oder ob es nicht doch die Art ist, wie der lustige Fuchs, in diesem Vortrag auf der Le Web 2012 den Blick öffnet (bzw. Don Drapper ausspricht):

Der Ratschlag: You have to understand whom to put on stage! The brand is not on the stage! (ich habe es mit weniger französischem Akzent hier aufgeschrieben)

via Lisa Rank

Der öffentliche Radler-Leserbrief

An unterschiedlicher Stelle habe ich in diesem Blog schon auf das Phänomen des aktiven Rezipienten hingewiesen. Ich glaube, dass durch die Demokratisierung der Publikationsmittel im Netz alle gesellschaftlichen Bereiche davon erfasst werden, der Journalismus nur etwas früher als alle anderen. Dieses Video hier, das seit ein paar Stunden hohe Verbreitung erfährt („It is going viral“) zeigt, wie der vormals passive Verkehrsteilnehmer seinem Unmut in einer digitalen Öffentlichkeit Ausdruck verleihen kann: Der New Yorker Casey Neistat hat seinen Ärger über einen Strafzettel, den er bekam, weil er nicht auf dem Radweg fuhr, so kreativ umgesetzt:

Casey ist – das muss man dazu wissen – der eine Teil der The Neistat Brothers, was der Titel einer HBO-Serie ist. Casey macht sonst Filme wie diesen hier über Facebook. Er ist also ein Medienprofi. Im Straßenverkehr ist er jedoch ein gewöhnlicher Teilnehmer, einer, der mittels seines Films jetzt auf ein Problem aufmerksam macht, das auch deutschen Radlern bekannt ist.

Google macht Werbung für Urheberrechtsverletzungen

Das da oben ist ein Werbespot – von der Firma Google mit der Künstlerin Lady Gaga als Testimonial für den Browser Chrome. Er wird zur Zeit unfassbar oft auf Twitter und Facebook verlinkt.

Man könnte aber auch sagen: Das da oben ist eine fortgesetzte Urheberrechtsverletzung an dem Song „The Edge Of Glory “ der Künstlerin Lady Gaga.

Wie absurd sich diese beiden Interpretationen derzeit entgegen stehen, sieht man, wenn man hier klickt. Dort ist eine Audio-Version des Songs verlinkt, die „in deinem Land nicht verfügbar ist“. Der Grund dafür ist ein andauernder Rechtsstreit.

Das Absonderliche daran: Ich kann den Song in dem Werbespot hören, als Video darf ich ihn nicht anschauen. Mehr noch: In dem Werbespot werden mir darüberhinaus Menschen vorgeführt, die ihr „innermonster“ rauslassen und selber wiederum das Urheberrecht brechen – sie tanzen und singen den Song nach und veröffentlichen dies mit musikalischer Untermalung wiederum (was sie nur dürften, hätten sie die Rechte daran). Doch damit nicht genug: Lady Gaga nimmt dies nicht nur irgendwie hin, sie nutzt dies in ihrer Rolle als „Mother Monster“ auch noch zu einem Werbespot für sich und für Googles Browser.

Dieser Werbespot endet übrigens mit den Worten

the web is what you make of it

Passender könnte man die merkwürdige Urheberrechtssitutation in diesem Land vermutlich kaum zusammenfassen.

Hauptsache Fußball!

Der Kölner Bayern-Fan Andreas Bach (mit dem ich hier unlängst ein Interview führte) hat den sehr empfehlenswerten Film Hauptsache Fußball gedreht, dessen Trailer eine Antwort auf die Katastrophe des gestrigen Abends liefert. Nach 1:08 Minuten kommt ein Bochum-Fan (nach dem Abstieg in der vergangenen Saison) zu Wort. Er sagt:

Ich werd jetzt noch ein paar Bier trinken. Und dann wird alles wieder gut

Übersetzt auf die aktuelle Situation heißt das (glaube ich): Gladbach ist noch nicht durch!


Denn ich erinnere an Christoph Biermanns sehr richtige Einschätzung:

Die Welt des VfL Bochum ist ewiger Abstiegskampf, Fahrstuhlfahrten zwischen den Ligen, Schmerz, Trauer – und immer wieder Hoffnung. Ein zähes „Ihr da oben, wir hier unten” ordnet die Welt seit Anbeginn.