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loading: detektor.fm

Man kann mit Crowdfunding Journalismus finanzieren: Bücher, Filme, Rechercheprojekte – aber eben auch einen ganzen Sender. Das wollen die Macher von detektor.fm gerade zeigen – zumindest zum Teil. Um ein zweites Studio bauen zu können, haben sie eine Crowdfunding-Aktion auf Visionbakery gestartet.

Einer der beiden Radiochefs, Marcus Engert, hat den loading-Fragebogen beantwortet, den ich hier nicht nur deshalb veröffentliche, weil detektor.fm ein spannendes Radioprogramm ist, sondern auch weil ihre Crowdfunding-Aktion durch Partner-Pakete eine in Deutschland eher seltene Besonderheit bereithält: Spotify und das Gewandhaus Leipzig machen als Partner mit und bieten für Supporter Angebote, bei denen die Unterstützung quasi zusätzlich ist. Für 99 Euro bekommt man zusätzlich zur Unterstützung für das Studio zwei Freikarten für das Gewandhaus, für 30 Euro bekommt man drei Monate Spotify-Premium gratis dazu.

Was macht Ihr?
Wir machen das Radio, das in der einheitlichen durchformatieren Radiowelt zu kurz kommt: täglich hintergründigen Journalismus und handverlesene Musik. Dabei stellen wir mehr Fragen als andere Sender und spielen neue Songs, die noch nicht überall rauf und runter gelaufen sind. Aber wir wollen mehr! Wir möchten unser Programm ausweiten, neue Sendeformate produzieren, noch mehr experimentieren. Dafür brauchen wir ein zweites Studio – und haben deshalb eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Warum (macht ihr es so)?
Wir sind kein Dudelfunk und haben keine klassischen Radio-Werbespots. Mittlerweile sind unsere Einnahmen immerhin so groß wie unsere Ausgaben. Aber leider bleibt so kein Geld übrig, um in ein neues Studio zu investieren. Deshalb bitten wir um die Unterstützung unserer Hörer, damit wir mehr und besseres unabhängiges, gutes Radio machen können!

Wer soll da mitmachen?
Alle, die anspruchsvolles Radio lieben und fördern wollen. Alle, denen die Dudelfunklandschaft auf die Nerven gehen. Alle, die im Auto nicht mehr den Sender einschalten wollen, der gerade am wenigsten nervt. Alle, die neue Musik gezeigt bekommen wollen. Mit diesem Studio kann man uns helfen, detektor.fm noch besser und vielfältiger zu machen – für mehr Programm, mehr Hörspiele, mehr Serien, mehr Experimente…

Wie geht es weiter?
Für unsere Unterstützer haben wir uns sehr vielfältige Dankeschön-Pakete ausgedacht. So kann man zum Beispiel ein „Meet & Grill“ mit uns erwerben, uns Rechercheaufträge erteilen oder das detektor.fm-DJ-Team zu sich nach Hause holen. Wenn die angepeilte Summe zusammen kommt, bauen wir ein zweites Studio mit allem drin, drum und dran.

Was sollten mehr Menschen wissen?
detektor.fm steht inzwischen seit Sendestart schon für 61.152 Stunden besseres Radio! Wir arbeiten rund um die Uhr dafür – und man kann uns über das Crowdfunding bei der VisionBakery leicht unterstützen

>>>>> Hier das zweite Studio mitbauen und dektektor.fm unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Soziale Charts – hören und gesehen werden

Der Streamingdienst Spotify bietet seit ein paar Tagen eigene Charts an. Diese Hitlisten werden auf Basis der wirklich gehörten Songs in dem Dienst ermittelt. Das ist ein großer Unterschied zu klassischen Charts, bei denen der Kauf bzw. der Download eines Songs als zu wertende Einheit gemessen wird. In einer zweiten Ansicht ermittelt Spotify zudem so genannte Social-Charts, bei denen die Rangliste auf Basis von Empfehlungen in sozialen Netzwerken ermittelt wird.

In beiden Ansichten ergibt sich eine aus unterschiedlichen Gründen spannende Differenz. Spotify galt in der Debatte um so genannte Social Reader stets als positives wie gruseliges Vorbild: „Will ich denn dass alle wissen, was ich höre?“ lautet die Standard-Frage, wenn man über die Funktion von Spotify spricht, dem Facebook-Freundeskreis automatisch offen zu legen, was man hört. Genau dieses Prinzip nutzten auch so genannte Social Reader wie vom Guardian oder der Washington Post.

Man spricht vom frictionless sharing um zu beschreiben, dass Interaktionen wie Lesen oder eben Hören bruchfrei mit anderen geteilt werden. Die Sorge dabei: Andere könnten wahrnehmen, dass man irgendwie peinlich oder sozial unerwünschte Inhalte konsumiert. Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn man die beiden unterschiedlichen Spotify-Charts dieser Woche anschaut.

Die Spotify 50 genannte Hitliste der am häufigsten gestreamten Songs führt der Song Can’t Hold Us von „Macklemore & Ryan Lewis“ an.

spotify50

Das ist die Hitliste der wirklich gestreamten Songs in Spotify. Darin enthalten: Imagine Dragons, Daft Punk, Calvin Harris, Capital Cities, Justin Timberlake. Ohne mich wirklich auszukennen: Das ist massentauglicher Pop, mit dem man sich zwar nicht als totaler Popstreber, aber eben auch nicht als vollständiger „und die Hits von heute“-Allesfresser outet.

Vor allem nicht, wenn man dagegen die Social-Charts anschaut – also jene Songs, die in der vergangenen Woche am häufigsten im deutschen Spotify empfohlen worden:

social

Diese Liste ähnelt schon eher dem, was in den klassischen Charts vorne steht: Diese werden wie auch die Social-Charts von Beatrice Eglis „Mein Herz“ angeführt. Darüberhinaus teilten die Nutzer auch Songs von Peter Wackel, SpongeBozz und Lisa Wohlgemuth – die allesamt nicht dazu angetan sind, soziale Distintion im positiven Sinn zu fördern. Aber vor allem finden sie sich weder in den klassischen Charts noch in den Streaming-Top10 von Spotify.

Die Wertung soll jeder für sich vornehmen: Die zufällige Stichprobe aus einer Woche legt jedenfalls aus meiner Perspektive keinesfalls den Verdacht nahe, dass Menschen vor dem sozialen Hintergrund des Empfehlens lediglich das öffentlich machen, was sozial erwünscht scheint. Im Gegenteil: Mir erscheinen die Social-Charts im Vergleich zu den klassischen und den gestreamten Hitlisten im plattesten Sinn des Wortes als Mainstream.

Die Sache mit den Räumen

Es gehört – meiner Meinung nach – zu den Besonderheiten dieser neuen noch unerforschten Welt des Digitalen, dass wir nicht alle Regeln der analogen Welt dorthin übertragen können. Dazu zählt die Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie einerseits, es zählt dazu aber vor allem die klassische Vorstellung eines medialen Kanals andererseits. Die Idee, das Internet als gleichberechtigten Verbreitungsweg neben Print, Fernsehen oder Radio zu denken, krankt meiner Einschätzung nach daran, dass dabei die soziale Dimension des vernetzten „Mediums“ Internet verloren geht. Mit der traditionellen Perspektive auf Medien wird man das Phänomen Social Media (oder ganz konkret z.B. Facebook) nicht überblicken. Facebook ist ein Ort. Wer ihn wie ein Medium zu betrachten versucht, wird ihm damit nicht gerecht und ihn auch nicht verstehen.

Seit einer Weile schon stelle ich deshalb die Behauptung auf: Das Internet ist ein Ort. Ich versuche damit zu beschreiben, wie die Idee eines Mediums sich von einem reinen Transportweg hin zu einem sozialen Raum verändert. Damit verbunden sind zahlreiche Implikationen – von der Interaktion bis zur Demokratisierung.

Besonders ist zudem, dass Räume Farben haben, eine besondere Atomsphäre. Diese bestimmt mit, warum wir uns in ihnen aufhalten. Genau das versucht sich die Soundrop-App auf Spotify seit kurzem zu nutze zu machen. Das Problem, vor dem der Streaming-Dienst steht: Es gibt zuviel Inhalt! Die unbegrenzte Auswahlmöglichkeit führt zu Überforderung, die Spotify nun mit einer Räume-App lösen will.