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Alle Redakteure sind Social-Media-Redakteure

Social media can’t belong to one person; it needs to be part of everyone’s job.

In dem Poynter-Artikel Why The New York Times eliminated its social media editor position wird Jennifer Preston (die bisherige Social-Media-Redakteurin der New York Times) mit diesen Worten zitiert. Preston war im Sommer 2009 auf diese Position berufen worden und berichtet in dem Text von starken Vorbehalten, denen sie sich ausgesetzt sah:

“At the beginning there was some resistance among my colleagues about using these tools. What did I hear at the very beginning? ‘Twitter is all about what people are having for lunch.’ Now, no one says that anymore.”

Wenn das stimmt, war ihre Arbeit tatsächlich erfolgreich. Poynter resümiert:

The move is part of the Times’ efforts to more fully integrate its print and digital operations. It’s also an acknowledgment that social media needs to be — and is already — a shared responsibility.

Das Lesen im Netz schließt das Verbreiten mit ein

Unter dem Titel The Hyperlink Grows Up schreibt Alexis Madrigal bei The Atlantic über eine veränderte Link-Politik bei der New York Times.

Ich bin technisch leidlich begab, was Madrigal aber da beschreibt, finde auch ich Technik-Laie spannend: Man kann mit den hinter ein # angehängten Buchstaben p h und s auf einzelne Absätze in Artikeln der New York Times verlinken und diese Sätze sogar farbig markieren. Wie genau das hier funktioniert …

… kann man in dem Text nachlesen. Dort gibt es auch den Verweis auf ein ähnliches WP-Plugin namens WinerLinks, das im Umfeld der Cuny Graduate School of Journalism in New York entwickelt wurde.

Interessant daran finde ich den Aspekt der individuellen Veränderbarkeit von Publikationen. Durch dieses Hervorheben besonderer Textstellen verschiebt sich das Bild des einen Textes, den alle gleich wahrnehmen. Damit löst sich das Pinnwand-Prinzip auf, vor die alle gleich treten und sich dort Informationen abholen. Das Internet verbreitet Inhalte anders. Wir sprechen zwar weiterhin von dem gleichen Text, durch die Hinweise in den Links wird dieser aber anders wahrgenommen, in neue Kontexte gestellt. Dass darin ein sehr spannender Aspekt dessen liegen kann, wie sich die publizistischen Voraussetzungen im öffentlichen Raum Internet verschieben, kann man an thematischen wie personenbezogenen RSS-Feeds sehen, die bereits jetzt die Mischung eines Magazins oder einer Zeitung auseinanderreißen – und zwar nach Vorgaben der Nutzer.

Wie bedeutsam diese für eine Publikation werden, sieht man allein daran, dass die NYT ihnen diese Möglichkeiten überhaupt bietet. Das Weiterverbreiten von Informationen ist so wichtig, dass eine der wichtigsten Zeitungen der Welt besondere Zugänge für die Nutzer öffnet, damit diese zu Distributoren im digitalen Raum werden können. Hat die New York Times das Nötig? Nein, darum geht es nicht. Es geht darum, dass die New York Times ein Bedürfnis ihrer Leser/Nutzer erkannt hat.

Auf diese sich wandelnde Verweiskultur bezieht sich auch das Gawker-Blognetzwerk in seiner aktuellen Relaunch-Ankündigung. Dort heißt es:

Referrals from Facebook have increased sixfold since the start of the year; and audience spikes appear to be larger than ever before. We can turn more of those drive-by visitors into regulars by turning every page into a front page, as shown above.

Man muss der Großspurigkeit der Ankündigung nicht folgen (siehe dazu die gute Einschätzung bei telepolis), muss aber dennoch festhalten, was ich in der vergangenen Woche auch beim SpeedLab Journalism in Berlin bemerkte:

dass die zentrale Veränderung des Netzes der aktiv gewordene Nutzer ist. Er wird in Blogs und auf sozialen Plattformen selbst zum Sender und verbreitet in seinen eigenen Netzwerken klassische Medieninhalte (in Form von Links und Hinweisen). Damit wandelt sich nicht nur die bisherige Suchkultur des Netzes zu einer Verweiskultur, in der Leser/User Inhalte zunehmend durch Empfehlung von Freunden wahrnehmen. Es bewahrheitet sich auf diese Weise auch die Behauptung, die einem amerikanischen Collegestudenten zugeschrieben wird, der sagte: ‚Wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie mich schon erreichen.‘ Damit hätte seine Generation die Suchkultur abgeschafft.

Das Zitat stammt aus meinem SZ-Artikel (ePaper-Link), den ich über die Veranstaltung vom vergangenen Mittwoch schrieb.

Wie reagiert man auf diese Veränderungen? Bei Gawker sieht man zwei Ansätze:

First, the creation or recognition of two different classes within the editorial teams: the curator or editor; and the producer or scoopmonger. Second, it means we have to abandon the single blog flow — and separate out the strongest stories in a zone much more substantial than the existing skyline.

Dass es notwendig ist, auf diese Verschiebungen zu reagieren, kann man übrigens feststellen, wenn man die Veröffentlichungen der Twitter-Verantwortlichen der vergangenen Tage liest. Im Gespräch mit On The Media erklärte zum Beispiel Evan Williams:

We really want to make Twitter the source of information that you check several times a day on your mobile phone. I think right now Twitter does that in the best cases, but we have a long way to go to make that really valuable.

Diese Prognose deckt sich durchaus mit dem, was ich September zum Relaunch der Plattform geschrieben habe und findet auch im Netz Unterstützung. Naumi Haque kommt mit Verweis auf die Espresso Book Machine sogar zu dem Fazit: The newspaper’s not dead, it’s just moved to Twitter.

Soweit würde ich nicht gehen, ganz sicher scheint mir aber: Das Lesen von Nachrichten im Netz schließt deren Verbreitung mit ein.

Willkommen im Filmclub

Wenn man einen Hammer hat, sagt das Sprichwort, sieht man überall Nägel. Mein Hammer heißt Leserschaft als Community. Und Nägel sehe ich beim Guardian, bei LeMonde und seit heute auch bei der New York Times. Dort startet man Anfang Januar den New York Times Flilmclub, eine Idee, die ich fast spannender finde als die (Wieder-)Einführung von Paid Content Anfang 2011 bei der NYT.

Reuters erläutert in der Meldung zum Launch:

The NYT, along with other newspapers such as the Wall Street Journal and USA Today, are launching clubs — wine is especially popular — as way to reap some extra revenue and strike a deeper relationship with readers.

via

Im Dialog mit dem aktiven Rezipienten

Es reicht heute nicht mehr, nur Geschichten zu erzählen. Die Leser wollen gehört werden.

Das Zitat klingt wie eine Banalität. Wenn man aber weiß, dass es von Janet Robinson stammt, die Vorstandsvorsitzende der New York Times-Verlagsgruppe tätig ist und über dpa verbreitet wurde, ahnt man: Die Erkenntnis, dass Medien auf den aktiven Rezipienten reagieren und den Dialog suchen müssen, scheint sich durchzusetzen.

Wikileaks

In dieser Woche haben alle über WikiLeaks gesprochen. Hier steht die Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs, die sich liest wie eine Agenten-Geschichte und auf eine interessante Art Werbung für den Beruf des Journalisten macht. Es geht um Geheimtreffen, um Informaten, die auf Sofas übernachten und eilige Bahnreisen:

Whatever Assange had, and whomever its source, Davies knew that WikiLeaks would publish again—and hoped to convince him to let The Guardian look at any future release before WikiLeaks splashed it on its own site.

After e-mails to Assange’s listed accounts netted nothing, Davies contacted a half dozen people close to him, hoping to reach and woo Assange. One of them came back with a tip that a skittish Assange planned to honor a commitment to speak before the European parliament on Tuesday, June 21, despite the cries of “manhunt” surrounding him. Davies asked The Guardian’s Brussels reporter to corner Assange and tell him that he was on his way.

“While I was on the train going under the Channel, I had tried to work out what I would say to him,” remembers Davies. “It wasn’t going to work if I said ‘I’m a greedy reporter, I’d like to take all your information and put it in my newspaper.’”

Für sueddeutsche.de hat der Kollege Johannes Kuhn die Frage beantwortet Wer ist Wikileaks?

Der Economist hat Julian Assange auf eine Tasse Tee getroffen.

Der Feuilletonist Andrian Kreye verweist auf diesen Einschätzung von Jon Stewart:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Best Leak Ever
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

New York Times über Facebook-Fußball

Was der Guardian mit Twitter gemacht hat, macht die New York Times jetzt mit Facebook: ein sehenswertes WM-Spezial. Das Prinzip erläutert der Vorspann so:

Millions of people around the world have been actively supporting – or complaining about – their favorite teams and players. Below, players are sized according to the number of mentions on Facebook during each day of the World Cup

Und so sieht es aus (z.B. am 24. Juni dem Tag des italienischen WM-Ausscheidens):

Für den heutigen Samstag haben die Sportredakteure der NYT übrigens folgendes notiert:

Argentina was the joy of the tournament until Germany exposed its defensive weaknesses and sent star striker Lionel Messi and the rest of Diego Maradona’s team home.

Journalismus in der Beta-Phase

Richtige Pläne in New York: Die NYT will im Sommer mit einer Seite starten, die den Titel „Beta620“ trägt. Damit bezieht man sich zum einen auf die Adresse des Medienhauses und zum anderen auf die Kultur des Wachsens im Web (Beta). Marc Frons, CTO der NYT, schreibt an eine Mitarbeiter:

„Our hope is that we will be able to bring new ideas from concept to prototype to launch much faster with a public beta site than we could using NYTimes.com alone – and that we may do so without the risk of disrupting NYTimes.com or conflicting with other development projects.“

SEO in Überschriften

Headlines in newspapers and magazines were once written with readers in mind, to be clever or catchy or evocative. Now headlines are just there to get the search engines to notice

Unter dem wunderbaren Titel Taylor Momsen Did Not Write This Headline befasst sich David Carr in der NYT mit Suchmaschinen-Opitmierung in Überschriften – und kommt zu dem Schluss:

People who worry that Web headlines dumb down public discourse are probably right. But some of the classics would still work. Remember “Headless Body in Topless Bar,” perhaps the most memorable New York Post headline ever? It’s direct, it’s descriptive, and it’s oh-so-search-engine-friendly.

What’s Killing the New York Times?

In retrospect, it’s apparent that the commercial liability of newspapers and national magazines was the same as their cultural strength: they addressed issues of general interest in an all-purpose public sphere. But to advertisers this civics-class “everybody” was a consumer “nobody”: it meant the press didn’t know who its audience was, or what they could afford. To pack a reporter off to Congo or Pakistan was to spend a lot of money catering to a phantom demographic. When this was the best that advertisers could do, it’s what they did: if Macy’s was holding a sale, it advertised it in the front section of the paper between news of the defense of Kinshasa and the latest scandal in Congress, figuring that “everybody” saw it, one way or another.

Das nplusonemag befasst sich mit der Frage What’s Killing the New York Times? und beschreibt das Digitale Dilemma, vor dem Zeitungen und Magazine stehen, beschreibt die Werbe-Problematik, das Thema Paid Content und kommt zu dem Schluss:

Newspapers and magazines (including the Times) say they’re going to start charging for online content, but the most likely way they’ll survive is by capitalizing on their tony readership.

via

Zeitungen und ihre Leser – das Beispiel NYT

We have an opportunity to redefine the essential relationship that we have with our users—and change the contract we have with them—from one that is loose, free and casual, to one of real emotional commitment. Engagement.

This will require a different approach to the evolving ecology of the web. It’s exciting because it opens us up to so much more. For that to happen, we, as publishers, have to open ourselves, in many ways.

Unter dem Titel The Importance Of Engagement wird auf paidcontent.org die Rede von Martin Nisenholtz (SVP for digital operations at The New York Times) dokumentiert, die dieser an der Wharton School of Business’ zum Thema “Future of Publishing” gehalten hat. Er schließt mit den oben zitierten Worten, die zwei hier beschriebene Entwicklungen zusammenfassen: Die des aktiven Rezipienten und jene der Leserschaft als Community.

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