Alle Artikel mit dem Schlagwort “muenchen

In eigener Sache: Unterwegs

Am morgigen Samstag werde ich – im Rahmen des Kirchentags – an einer Veranstaltung unter dem Titel Gemeinschaft mit und ohne Körper: Communio und Community (Programm-PDF) in der Allerheiligen Hofkirche teilnehmen. Mehr zu der Veranstaltung gibt es im Blog der urbanauten, denn Urbanaut Benjamin David wird ebenfalls mit diskutieren.

Außerdem werde ich am kommenden Mittwoch in der UniLounge der LMU sein, um dort die Lesung des wunderbaren Nicol Ljubić zu moderieren, der aus seinem gerade erschienenen Buch Meeresstille lesen wird.

Lokaljournalismus im Netz

„Unabhängig, mutig, unterfinanziert“ will Regensburg Digital „andere Nachrichten aus Regensburg“ bringen. Wie das geht und welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, erklärt der Macher Stefan Aigner im Interview bei den Webevangelisten:

regensburg-digital.de verfolgt nicht den Anspruch, die Tageszeitung zu ersetzen. Wir wollen eine Gegen- oder besser Zusatzöffentlichkeit bieten, wo der Schwerpunkt auf andere Themen gelegt wird, z.B. den Umgang mit Asylbewerbern oder auch mal die Nachteile von ansonsten hochgejubelten Bauprojekten. Wir wollen einen etwas anderen Blick auf einige Immobilien- oder Grundstücksgeschäfte in Regensburg werfen, die in der Tageszeitung eher gelobhudelt werden oder auch mal Unternehmensnachrichten bringen, die nicht gefärbt sind von dicken Anzeigenaufträgen, die ein Konzern wie XXXLutz an die Tageszeitung vergibt.

Klicks, Klicks, Klicks: die Abendzeitung im Netz

Es ist das eine, mit fragwürdigen Bildergalerien, Klicks generieren zu wollen. Was die Münchner Abendzeitung aber aktuell sogar als Top-Thema bzw. Aufmacher auf ihrer Startseite zeigt, geht einen erstaunlichen Schritt darüber hinaus:

http://www.abendzeitung.de/panorama/162211

Nicht nur, dass die „AZ-Leser“ nicht gerade den bestmöglichen Eindruck hinterlassen, wenn man ihre „Klick-Hitliste“ anschaut . Es entsteht so auch nicht gerade der Eindruck, dass man bei abendzeitung.de allzugroßen Wert auf journalistische Qualität im Netz legt. Warum sonst rühmt man sich sogar noch damit, im vergangenen Jahr Angebote wie „Busenblitzer – Prominente (R)ausrutscher“ oder „Peinlich, prall und pleite: Tatjana Gsell“ ins Netz gestellt zu haben?

Lebensspender werden

So ein neues Jahr bringt ja auch eine Menge guter Vorsätze mit sich. Diese Stimmung des „sollte man endlich mal tun“ sollte man nutzen, um sich bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) zu registrieren.

http://dkms.de/choose.html

Dort werden „genetische Zwillinge“ für Leukämie-Patienten gesucht. Denn:

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zweier Menschen übereinstimmen, reicht derzeit von 1:20.000 bis zu weit über 1 zu mehreren Millionen. Die Suche nach einem passenden Stammzellspender ist deswegen auch immer ein Wettlauf auf Leben und Tod.
Wir wollen den Wettlauf mit der Zeit immer öfter gewinnen. Sie können uns dabei helfen. Werden Sie DKMS-Stammzellspender! Lassen Sie sich registrieren und schenken Sie so einem Leukämiepatienten die Hoffnung auf neues Leben.

In Kategorie: DVG

Gleicher Meinung sein?

‚ÄúAlle, die unserer Meinung sind, sind an Deck. Und die, die man eigentlich erreichen möchte, die erreicht man nicht.‚Äù

In der Reihe der Blogs auf sueddeutsche.de erzählt Christine Dössel im geht’s noch‚Ķ?!-Kritikerinnen-Blog von einer Begegnung mit Klaus Maria Brandauer, der mit obigem Zitat die Diskussion über den gestern in München gezeigten Film Georg Elser – einer aus Deutschland (telefonisch) zusammenfasst und damit einen interessante Punkt an Kunst und deren Möglichkeiten aufwirft. Interessant an dem Blog-Eintrag ist zudem: Brandauer hat sich offenbar die Rechte an dem Pessoa-Buch ‚ÄúDer anarchistische Bankier‚Äù gesichert und würde es verfilmen wollen.

Neben den in der Übersicht aufgeführten Blogs (Johannes Boies Schaltzentrale, Andrian Kreyes Der Feuilletonist und Petra Steinbergers East of Eden) gehört natürlich Johnny Waechters Musikblog (gerade lesenswert: die schlimmsten Wende-Songs) sowie das Besser München-Blog von jetzt.de in die Liste. (Disclaimer)

Die nachrichtenfreie Zeitung (2): die Abendzeitung am 9. November

Heute ist der 9. November, ein geschichtsträchtiger Tag. Zeitungen in ganz Deutschland thematisieren dies, die meisten sogar auf ihren Titelseiten.

Ganz gegen den Trend geht die Münchner Abendzeitung diesen Tag an: Sie versucht die Leser heute mit Sex (Liebe zu dritt), Service (So sparen Sie 1500 Euro) und Spaß (Koch-Serie) für sich zu gewinnen. Dabei folgt sie einem Trend, den ich unlängst bereits beim direkten Konkurrenten im Münchner Markt, der tz, zu beobachten glaubte: der nachrichtenfreien Zeitung (die tz liefert heute übrigens eine 12seitige Beilage zum Mauerfall).

abendztg-kasten

Wie unlängst schon erwähnt: Ich halte den Ansatz für durchaus spannend, Leser nicht mehr über Nachrichten für sich zu gewinnen, sondern ihr Zugehörigkeitsgefühl zu bedienen. Die tz versucht dies zum Beispiel über Psychotests, Stadträtsel, Horoskope etc, die sie auf ihre Verkaufskästen schreibt und so Leser gewinnen bzw. halten will.

Bei der Abendzeitung scheint mir dieser Versuch (zumindest heute) massiv missglückt zu sein: Bei der Sex-Serie (die zudem ernsthaft den unfassbaren Titel „Sexperimente“ trägt) handelt es sich weder um eine community-stärkende Maßnahme, noch sorgt dies für längere Bindungen. Genau wie der Service-Titel setzt diese Geschichte auf einen Themenbereich, den das Internet schneller und besser bedienen kann: Wer wissen will, wie man Geld spart, wird im Netz ebenso schneller fündig wie derjenige, der sich über „Sexperimente“ informieren möchte. Diesen Kampf wird ein gedrucktes Blatt verlieren müssen. Einzig der Kochkurs könnte als gemeinschaftsstärkend gewertet werden, dafür erscheint mir die Bebilderung allerdings zu beliebig. Leser, Redaktion oder Promi-Köche beim Zubereiten von Speisen zu zeigen, hätte zumindest mich mehr fasziniert als diese Form der Illustration.

Darüberhinaus muss man an einem Tag wie heute betonen: die Münchner Nachrichtenlage ist (auch abseits des geschichts- und geschichtenreichen Datums) keineswegs schlecht. Phillip Lahm, Luca Toni und der ergebnisarme Spielstil der Bayern taugen ebenso als Meldung wie die andauernde Talfahrt der Löwen. Es bedarf keiner boulevardesken Überspitzung um nach diesem Wochenende die Frage zu stellen: Was ist eigentlich los mit dem einstmals ruhmreichen Münchner Fußball?

Sicher gibt es gute Gründe, sich gegen den Trend der anderen Zeitungen und Publikationen zu positionieren. Damit gewinnt man Aufmerksamkeit (mir ist der Verkaufskasten der AZ ja wegen des heutigen Datums aufgefallen) und kann sich abheben. Die Frage ist nur: Womit hebt man sich dann ab?

Wenn die Antwort der Abendzeitung: Sex, Service und Spaß ist, ist mir das ein bisschen zu wenig.

25 Jahre Gasteig: Abendzeitung sucht Leser

Heute ist der 6. November. Die Abendzeitung hatte in den vergangenen Wochen besonders auf diesen Termin hingewiesen. Denn am 6. November, so eine Plakat-Kampagne in der Stadt, sollten Münchner, die 1985 geboren sind, die Abendzeitung lesen. Eine Begründung für diese Bitte gab es nicht.

Heute nun wird die Kampagne (in der Zeitung in der Beilag „Die Stadt“) und online unter der Überschrift (Lebens-)Künstler gesucht! aufgelöst. Dort liest man:

Warum sollen 24-Jährige gerade heute die Abendzeitung lesen? Was hat das mit dem Gasteig zu tun? Kann man da etwas gewinnen? In der Tat, man kann. Aber immer der Reihe nach: Mit den Plakaten, die überall in der Stadt hingen, suchen der Gasteig und die AZ die ‚Äûjungen Gesichter des Gasteig‚Äú.

Daneben wird allerdings nicht das Kampagnen-Motiv gezeigt, sondern ein Bild einer nicht benannten Videoinstallation im Gasteig. Auch die Verlinkung des PDFs, das man sich als Bewerber für diese Aktion runterladen und ausgefüllt per Mail verschicken muss, hätte man inspirierter lösen können.

Richtig erstaunlich ist jedoch, wie das Münchner Kulturzentrum Gasteig (dem die ganze Aktion ja dient) auf die Kampagne verweist – nämlich gar nicht. Auf der Website gibt es zwar das Motiv, das überall in der Stadt zu sehen ist …

http://www.gasteig.de/session:B444B4E97ABB7587BEFAEC594075E17E/de/home/index.4ml

… dieses ist allerdings (Stand 6.11., 12 Uhr) weder verlinkt noch irgendwie sonst eingebunden.

Man muss also schon sehr kreativ sein, um an dieser besonderen Münchner Aktion teilnehmen zu können, die sich an junge und kreative Menschen wendet.

Sind Zeitungen reif für bessere Werbung?

weltkompakt Wann immer man mit Zeitungsjournalisten über das Image ihres Mediums spricht, landet man früher oder später bei der Medienkrise. Ganz sicher aber kommt ein solches Gespräch auf das Thema Werbung für Zeitungen. Diese, so die Meinung der Kollegen, sollten sich nicht schlecht reden lassen, sie sollten sich besser und selbstbewusster vermarkten.

Jetzt will ich mir nicht anmaßen, die Arbeit von Marketingexperten und Werbeagenturen zu beurteilen. Was mir aber heute in der Münchner U-Bahn begegnete, legt die Vermutung nahe, dass zumindest bei manchen Zeitungen noch Möglichkeiten der Optimierung in Sachen Werbung bestehen.

Es geht zunächst um das sehr schöne Motiv da links. Ich entdecke es in der Früh an einem Verkaufsstand am Münchner Hauptbahnhof und fühlte mich angesprochen. Leider missglückte nach gelungener Aufmerksamkeits-Weckung die Fokussierung auf eine Marke oder Publikation, denn ein Absender ist auf dem Plakat nicht zu erkennen (unten rechts steht lediglich „Kurz. Anders. Gedruckt“). Also fragte ich den Verkäufer, welche „neue Zeitung“ denn hier beworben wird und ob ich diese bei ihm kaufen könne. Der Mann (in dessen Schaufenster das Plakat hing) schaute ratlos und sagte, diese neue Zeitung habe er noch nicht, ich sollte aber mal bei einem anderen Zeitungsstand „da vorne“ fragen.

Das machte ich natürlich nicht. Ich beantwortete die Frage, die auf dem Plakat gedruckt war (Sind wir reif für eine neue Zeitung?) mit einem eindeutigen Nein – zumindest für den Fragesteller – und ging weiter.

Wer jetzt auf den Link im letzten Satz geklickt hat, weiß bereits, welche Zeitung hier so absender- und damit ja auch sinnfrei werben lässt. Ich wusste es erst nachdem ich den Slogan ergoogelt und bei Horizont.net erfahren hatte, dass die guten Motive von Dorten, Stuttgart erdacht wurden – im Auftrag vom Axel Springer Verlag, der so seine neue bereits fünf Jahre alte Welt Kompakt bewerben will.

Dafür hat man auch eine Facebook-Seite einrichten lassen, die sich an die „Generation der Wagemutigen und Unkonzentrierten“ richten will und mit dem schlimmsten weil dümmsten ersten Satz beginnt, den man überhaupt für einen Texteinstieg wählen kann:

Kennen wir das nicht alle?

hat da irgendwer hingeschrieben und damit die (wegen fehlenden Absenders ja leider sinnlose, aber) schöne Arbeit von Dorten, Stuttgart völlig zunichte gemacht. Wo die Kampagne noch versucht, ein Lebensgefühl oder Gemeinsamkeiten mit möglichen jungen Leserinnen und Lesern abzubilden und damit überhaupt erst herzustellen, will dieser Satz sie erzwingen – und zwar aus der ungefilterten Perspektive von Marketingmenschen und Werbestrategen. Denn was nach diesem Einstieg folgt, scheint direkt aus dem Agenturbriefing abgeschrieben worden zu sein. Niemand hat sich die Mühe gemacht, es in die Sprache der adressierten Leserschaft zu übersetzen oder wenigstens mit konkreten (und damit verbindenden) Beispielen anzureichern:

Diese Momente, in denen uns schlagartig bewusst wird, wie sehr das Internet unseren Alltag bereits verändert hat. Und wie sehr wir alle unser Leben schon am ‚ÄúNetz‚Äù und seinen ungeahnten Möglichkeiten ausrichten. Manchmal ertappen wir uns dabei, wie wir Dinge tun, die wir früher anders oder überhaupt nicht getan hätten. Große neue Freiheiten treffen auf kleine Absurditäten und wir alle lernen online noch Tag für Tag dazu.

Leider löst der Text auch nicht auf, was all das mit der vermeintlich neuen Zeitung zu tun hat und warum man dazu die Frage stellt, ob wir reif für sie seien. Stattdessen erfahren wir – quasi als aktivierndes Finale – Erstaunliches:

Davon handelt unsere neue Kampagne. Und natürlich freuen wir uns darauf, von Euren und Ihren Online-Geschichten, -Momenten oder -Begebenheiten zu hören!

Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Geschichten, Momente oder Begebenheiten sich die Macher da wünschen und warum man die erzählen soll, wenn das Internet doch so selbstverständlich ist. Sicher bin ich mir jedoch, dass hier eine schöne Chance sehr leichtfertig vertan wurde.

abendzeitung

Womöglich hätte ich all das für mich behalten, wäre ich nicht wenige U-Bahn-Meter weiter auf ein Plakat der Münchner Abendzeitung gestoßen, das mich mit der Frage „Du bist 1985 geboren?“ ansprach. Wieder weckte dies meine Aufmerksamkeit, obwohl ich mir sofort ausrechnen konnte, nicht zur Zielgruppe zu gehören. Ich war trotzdem neugierig und erhielt am Fuß des Plakat die Antwort: „Dann lies am 6. November die Abendzeitung“.

Immerhin verrät dieses Plakat einen Absender, ratlos blieb ich trotzdem: Sollten die Menschen, die diese Kampagne zu verantworten haben, 24-jährige Münchnerinnen und Münchner nicht eher dazu ermutigen, jeden Tag die Abendzeitung zu lesen. Haben sie das etwa schon aufgegeben und versuchen jetzt, wenigstens an einem Tag junge Leser zu erreichen? Und wenn ja: Warum dann ausgerechnet am Freitag?

Ich weiß es nicht denn auch eine weiter gehende Recherche gestaltete sich schwierig. Die Plakate tragen neben der Abendzeitung auch den Münchner Gasteig als Absender – auf dessen Webseite findet man das gleiche Motiv erneut. Allerdings ohne Link und weitere Informationen – lediglich mit dem Hinweis, der als Ergebnis der Kampagne sogar bei mir hängen bleibt: Am 6. November Abendzeitung lesen – auch wenn ich schon gerne gewusst hätte, warum eigentlich.