Gespräch mit dem journalist.memes-Account

Seit ein paar Tagen gibt es auf Instagram den Account journalist.memes – der sich über die Medienbranche lustig macht. Ähnlich wie der bundestagsinternmemes-Account oder andere Meme-Accounts in Universitäten oder Unternehmen kommentiert die Seite Besonderheiten und Interna. Ich habe den Machern eine Instagram-Botschaft geschrieben und nach einem Interview gefragt:

Wir würden für ein Interview bereitstehen, wir können aber nicht garantieren, dass es frei von Ironie sein wird.

Das finde ich doof (ironisch gemeint). Fangen wir an. Wo können junge Journalist:innen Memes lernen?
Nirgends. Denn Kreativität muss in der Redaktion maximal unterdrückt werden, dann flutscht sie wo anders raus. Dass man Humor nicht lernen kann beweisen außerdem 90% aller Comedysendungen im ÖRR.

Woher wisst Ihr dann wies geht?
Eigentlich können wir gar keine memes, sondern schmeißen einfach nur unsere Beobachtungen der Medienbranche, die wir online oder im echten Leben machen, auf ein Sharepic.

Teilnehmende Beobachtung?
Damit sind wir nicht allein. So gut wie jeder in dieser Branche ist teilnehmender Beobachter. Alle kopieren das Verhalten der anderen, um reinzugelangen und dazuzugehören.

Gibt es Vorbilder?
In der Branche oder im meme Bereich?

In der Branche?
Constantin Schreiber, Ulf Poschardt und alle 30 unter 30.

Was gefällt euch an der Branche?
Einerseits wird man immer wieder gezwungen, den eigenen USP zu suchen, und darf sich somit konstant als unfertiges Projekt begreifen. Zudem sind alle eigentlich ganz nett und immer bereit, sich auf LinkedIn zu connecten. Das ist schon lieb. Spannend ist auch, dass so viel Gossip verbreitet wird und es immer wieder öffentlich ausgetragenen Beef gibt.

Achso und Journalismus ist der schönste Job, den man sich vorstellen kann.

Wieviel Ironie kann man in einem Chat-Interview transportieren? Oder anders formuliert: wen bzw wieviele wollt Ihr mit eurem Account erreichen?
Wir haben diesen Account vor genau sechs Tagen aus einem Gefühl heraus erstellt. Irgendetwas musste raus. Ohne Ziele, ohne zweite Ebene. Letzten Endes wollen wir wahrscheinlich das, was alle performativen Journalisten wollen: ein Jobangebot von der ZEIT. 🫩

Dafür müsstet Ihr vermutlich die Anonymität aufgeben. Wäre es das wert?
Nein. Der Hauptgrund weshalb wir so viel Spaß mit diesem Account haben, ist weil wir anonym und deshalb sehr ehrlich sein können. Ob sich so ein Account wirklich positiv auf die Karriere auswirkt ist zudem die Frage. Aber unsere DMs sind natürlich offen! 💶

Welchen Ratschlag habt Ihr an ältere Branchen-Vertreter:innen, die vielleicht nicht auf Insta aktiv sind – und euch deshalb gar nicht direkt sehen können?
Wir würden uns wünschen, dass sie sich in die lage junger performativer Journas versetzen, die konstant Absagen bei ihrem Traummedium ernten und eine Bildschirmzeit von 8 Stunden + haben. Es ist hart, sich die Journalistenschule von den Eltern finanzieren zu lassen und das zu verheimlichen. Akteptiert unsere Themenideen und gibt uns ein eigenes Tiktok Format!

Und wie gehts jetzt weiter mit Eurem Account?
Letzten Endes sind wir nur ein armer, performativer Journalisten-Meme-Account, der wie alle in dieser Branche hofft, über die Runden zu kommen und im Sommer eine Woche in Griechenland verbringen zu können.

Mehr über Memes hier im Blog und auf @kommemetare auf Instagram: