Kommentar-Qualität

Anfang September habe ich hier mit Katarina Rathert über die vorübergehende Auslagerung der stern.de-Leserkommentare auf Facebook gesprochen.

Das Interview hat einen gewissen Widerhall erzeugt und einige fortführende Berichte zu dem Thema Umgang mit Leserkommentaren angeregt. Unter anderem auf onlinejournalismus.de, wo Fiete Stegers zu dem Thema schrieb. Dort äußerte sich in den Kommentaren auch Fabian Mohr „aus Sicht von Zeit Online“. Gestern hat nun stern.de-Chef Frank Thomsen an gleicher Stelle auf den von Fabian geäußerten Verdacht reagiert, für die Verlagerung der Kommentare auf Facebook gebe es „andere als allein konzeptionelle Gründe“. Thomsen schreibt, durch die vorübergehende Verlagerung werde kein Euro eingespart. Mir erscheint das logisch, denn natürlich müssen auch Kommentare auf Facebook betreut werden.

Ein anderer Aspekt ist allerdings an dieser kleinen Debatte erwähnenswert. Fabian begründete in seinem Kommentar die höhere Qualität der Kommentare auf Facebook so:

Es sind nach unseren Erfahrungen zwei andere Aspekte: Eine präsente, zügige und zupackende Moderation der eingehenden Kommentare und, ebenso wichtig, die aktive Beteiligung von Redakteurinnen und Redakteuren an den Debatten unter ihren eigenen Beiträgen.

Das ist sicherlich richtig: Aktive, mitdiskutierende Redakteure und eine gute Moderation sind zwei bedeutsame Kriterien für hohe Kommentar-Qualität. Dass diese aber (worin sich wohl die meisten einig sind) auf Facebook besser ist, liegt an einem anderen Aspekt: am sozialen Umfeld, das jeder auf Facebook mitführt. Sogar als Klarnamen-Kommentator auf einer Zeitungswebsite agiere ich alleine und nur im Bezugsfeld der Website. Als Kommenator auf Facebook werden alle meine dortigen Freunde nicht nur über die Tatsache, dass ich kommentiert haben, sondern auch über den Inhalt meines Kommentars informiert. Dieser soziale Rahmen ist der entscheidende Grund dafür, dass hier Ausfälle seltener vorkommen.

Deshalb ist es meiner Einschätzung nach auch so wichtig, dass die Kommentarspalten bei Zeitungswebsiten nicht wie anonyme Foren behandelt werden, sondern wie soziale Gruppen, die eine Gemeinsamkeit, eine Verbindung haben. Denn nur dann entsteht auch in diesem Kontext der soziale Rahmen, der bei Facebook existiert – und dort für gesittetes Benehmen (meistens) sorgt.

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