Viele Sätze für den Journalismus

Sollte in naher Zukunft mal wieder jemand von mir wissen wollen, was denn so toll sei am Internet und warum ich ständig vom Dialog schwärme: Das hier ist eine Antwort. Gestern hatte ich eine kleine Idee, stellte vier Fragen und heute schon gibt es zahlreiche sehr spannende Antworten. Das besondere dabei ist nicht allein die hohe Qualität und Geschwindigkeit (siehe dazu Rivva). Nebenbei ist so nämliche eine interessante Sammlung an bloggenden und twitternden Kollegen entstanden. Deshalb hier eine erste Übersicht (wird ständig weiter aktualisiert, wenn neue Antworten gebloggt werden):

In seinem dringend empfehlenswerten Blog print-wuergt.de schlägt Michalis Pantelouris ein neues Geschäftsmodell vor: „Nachrichten werden mit einem Laser auf Bratwürste tätowiert, so dass man sie vor dem Essen lesen kann. Das ist aber, wie gesagt, nur ein Modell. Es wird noch eine Million andere geben.“

Jens Weinreich sagt zwar, er brauche eigentlich 10.000 Zeichen, schreibt dann aber sehr pointiert, dass jeder Journalist lernen sollte zu bloggen, „also im Dialog zu kommunizieren, nicht nur Genres, sondern auch verschiedene mediale Darstellungsformen professionell anzuwenden und seinen Schaffensprozess so transparent wie möglich zu gestalten, um Vertrauen aufzubauen und die Umstände seiner Arbeit in die Debatte einzubringen, und natürlich seine Fehler einzugestehen und öffentlich zu korrigieren – übrigens wären Ausdauer und Fachwissen auch nicht schlecht.

Bei kopfzeiler.org wünscht sich Johannes Kuhn, jeder Journalist würde lernen: „Dass der Medienwandel eine riesige Chance für uns bietet, wir aber dafür neben dem Handwerk auch die technische und kulturelle Basis des Internets verstehen lernen müssen.“

Auf onlinejournalismus.de prognostiziert Thomas Mrazek, dass wir uns in zehn Jahren darüber wundern werden, dass heute „noch so intensiv über die Vor- und Nachteile des Online-Journalismus diskutiert wurde, statt einfach mal zu machen!“

Beim Presseclub Dresden schreibt Peter Stawowy: „Es ist absurd, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Zugang zum Internet einzuschränken. Es wird langfristig keine Zeitungsverlage, Radiostationen oder Fernsehanstalten mehr geben – es wird nur noch Medienhäuser bzw. -anbieter geben.“

vera von Kaffee bei mir? antwortet auf die Frage nach den Geschäftsmodellen: „Journalisten werden unabhängiger, als Ein Mann/Frau-Unternehmen für verschiedene Auftraggeber arbeiten, und versuchen, sich als ‘Markenzeichen’ zu etablieren.“

In seinem Blog formuliert Michi Schmidt als Lernziel für jeden Journalisten: „Themen, Geschichten und Zugänge zu finden, die abseits von Imperativen wie Formatierung, Nutzungsoptimierung, Lakonie, Originalität oder Konsumierbarkeit an möglichst präziser ästhetischer und politischer Reflexion interessiert sind.“

Bernd Oswald sieht im PIN-Blog ein Geschäftsmodell in einer „Mischung aus Anzei­gen, Spen­den für (inves­ti­ga­tive) Geschich­ten und vom Nut­zer selbst bestimmte Micro­pay­ments. (Kachingle und Flattr wer­den nicht unter sich bleiben).“

In Interviews führen – der Blog schreibt Christian Thiele, dass jeder Journalist wissen sollte, „dass Pferdekutscher mal ein echt wichtiger Beruf war, der eine goldene Zukunft hatte.“

In Lost and Found schreibt Heinz Wittenbrink: „Es wird für Journalismus so wenig ein Geschäftsmodell geben, wie es heute eins für Kunst gibt.“

Im Journalistenschredder fordert Ugugu, jeder Journalisten soll: „Relevante Fragen stellen und Leserfragen ernsthaft beantworten.“

Jan Eggers schreibt bei Eggers Elektronik dass Nutzerbeteiligung den Journalismus besser macht: „Wenn sie uns zwingt, zu erklären, wie wie wir arbeiten und warum. Wenn sie uns hilft, nie mehr: “Das versendet sich” zu sagen. Wenn unsere Nutzer von Empfängern zu Teilhabern werden, die uns unterstützen und antreiben.“

Als Medienlotse hofft Jan C. Rode auf mehr Qualität bei der Nutzerbeteiligung. „Wie das geht? Die Leser-Community kann online den besten oder hilfreichsten Kommentar küren (siehe Guardian) und so helfen, die Qualität der Beiträge zu heben. Die Journalisten müssen für die Beteiligung von außen jedoch auch offen sein.“

Bei Seitenhiebe schreibt Dennis Schmolk: Wir sind in einem Medienumbruch begriffen, der dem vom Wandel der Sprache zur Schrift, von der Schrift zum Druck in Nichts nachsteht. Also wird die Anpassung auch in zehn Jahren nicht vorbei sein.

Der Lead-Award-ausgezeichnete Hitler-Blogger Daniel Erk sagt, jeder Journalist sollte lernen: „Es gibt immer, immer, immer einen Leser der sich besser auskennt.“

Beiträge und Meinungen – unter anderem von Eva Schulz , Chat Atkins, Christian Thiele, Christian Jakubetz und Matthias Eberl – gibt es außerdem in den Kommentaren hier und hier.