Digitale Notizen

Archive
Tag "spiegel"

Wer hätte das gedacht: Urheberrecht ist ein Thema für die Hauptsendezeit. Acta machts möglich. Das ist gut, denn die Debatte ist überfällig. Das schreibt auch Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne:

Wenn das Urheberrecht und seine Umsetzung nicht schnell der digitalen Realität angepasst werden, könnte es zu spät sein.

Der Text ist lesenswert – gerade wenn man die Vorgeschichte dazu kennt.

In dieser Woche haben alle über WikiLeaks gesprochen. Hier steht die Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs, die sich liest wie eine Agenten-Geschichte und auf eine interessante Art Werbung für den Beruf des Journalisten macht. Es geht um Geheimtreffen, um Informaten, die auf Sofas übernachten und eilige Bahnreisen:

Whatever Assange had, and whomever its source, Davies knew that WikiLeaks would publish again—and hoped to convince him to let The Guardian look at any future release before WikiLeaks splashed it on its own site.

After e-mails to Assange’s listed accounts netted nothing, Davies contacted a half dozen people close to him, hoping to reach and woo Assange. One of them came back with a tip that a skittish Assange planned to honor a commitment to speak before the European parliament on Tuesday, June 21, despite the cries of “manhunt” surrounding him. Davies asked The Guardian’s Brussels reporter to corner Assange and tell him that he was on his way.

“While I was on the train going under the Channel, I had tried to work out what I would say to him,” remembers Davies. “It wasn’t going to work if I said ‘I’m a greedy reporter, I’d like to take all your information and put it in my newspaper.’”

Für sueddeutsche.de hat der Kollege Johannes Kuhn die Frage beantwortet Wer ist Wikileaks?

Der Economist hat Julian Assange auf eine Tasse Tee getroffen.

Der Feuilletonist Andrian Kreye verweist auf diesen Einschätzung von Jon Stewart:


The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Best Leak Ever
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

Ich halte es immer noch für einen Segen für den Journalismus, dass das Netz sich so entwickelt hat. Es bedient zwei Grundbedürfnisse des Menschen: Information und Kommunikation.

In der FAZ gibt es ein spannendes Gespräch mit Spiegel-Chef Mathias Müller von Blumencron. Er sagt:

Marken werden weiterhin eine große Rolle spielen. Die Amerikaner sagen: „Vertrauen ist der Goldstandard des Internetzeitalters.“ Der Leser hat eine gigantische Auswahl, niemals konnte er sich so umfassend informieren. Woran orientiere ich mich jetzt? Ist das meine Gang auf Facebook, ist das die „New York Times“, oder ist das mein Lieblingsblogger? Es ist derjenige, dem ich am meisten traue.

In meiner Wahrnehmung waren der Staat und Helmut Kohl immer eins gewesen, ich kannte es ja nicht anders. Das Problematische ist, dass es Kohl genauso ging wie mir. Mit den Jahren hatte er sich Deutschland zu eigen gemacht. Er hielt sich bald selbst für den Staat, er glaubte, über dem Gesetz zu schweben.

Im aktuellen Print-Spiegel gratuliert Markus Feldenkirchen lesenswert dem Altkanzler Kohl zum Geburtstag:

Herzlichen Glückwunsch, alter Riese, der die Mauer einriss!

Für Außenstehende ist schwer zu verstehen, warum Koller, der den VfL Bochum in die Bundesliga führte und drei Jahre dort hielt, derartigen Hass des Publikums auf sich gezogen hat. Schon früher wurde in Krisen lautstark seine Ablösung gefordert, weil er vielen Zuschauern nicht emotional und hemdsärmelig genug war. Besonnene Fachleute auf der Trainerbank kommen bei den Fans im Ruhrgebiet nicht an, außer sie sind, wie Ottmar Hitzfeld es in Dortmund war, unablässig erfolgreich. Lieber hat man Grantler wie Huub Stevens, volksnahe Schwadroneure wie Peter Neururer oder knallharte Machtmenschen wie Felix Magath. Dass Koller durch seine Politik der ruhigen Hand etliche Krisen erfolgreich überstand, legte man bizarrer Weise sogar gegen ihn aus.

Christoph Biermann beschreibt bei Spiegel-Online Wie die Bochumer Fans ihren Trainer erledigten und kommt zu dem Schluß:

Jedes Jahr in der Bundesliga zu spielen, wäre für Bochum unter diesen Bedingungen ein Triumph, und dass der VfL mehr Erstliga-Spielzeiten als Hertha BSC, Hannover 96, Wolfsburg oder der 1. FC Nürnberg hat, ist ein Wunder.

Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt. Ich kann aber nachvollziehen, dass man sich als Fan mit diesem sehr besonnenen Urteil nicht zufrieden gibt …

“Und was ist die ganze Wahrheit?” wird Dirk Kurbjuweit in der WDR5-Redezeit gefragt. Das Gespräch ist sehr hörenswert.

Wo lebe ich denn? Was sucht dieser Außerirdische hier? Läuft nur 80 Meter, klopft sich auf die Brust, schaut nach hinten, läuft locker aus, beschleunigt erst wieder hinterm Zielstrich, rennt gleich 200 Meter weiter – und ist mit 9,69 Sekunden ein Zehntel schneller als Ben Johnson vor 20 Jahren. Okay, alles zwei Jahre ein Hundertstel. Usain Bolt oder: das Jogging-Gate.

In seinem Blog fasst Jens Weinreich kompakter und eindrucksvoller zusammen, was da heute im 100-Meter-Finale in Peking (übrigens mit offenen Schnürsenkeln) passiert ist, als in seinem Text für Spiegel-Online.

Das Internet ist Google. Und: Das Internet macht doof.


Man weiß schon, was morgen im Spiegel steht. Und man weiß schon, wie von welcher Seite drauf reagiert wird. Das nennt man Sommerloch!

Update: Ein lustiger Clip zum Thema

Update 2: Die Frage wird jetzt auch im Tagesticker auf jetzt.de diskutiert

Auch durch ihn wirkt der Reformbegriff wie nach einer langen Sitzung in der Badewanne: weich und verschrumpelt. Dabei hätte er es leichter als die anderen, mal einen klaren Satz zu sagen, über den sich nicht jeder Bürger freuen kann. Er braucht das Volk nicht für seine Wiederwahl. Während Merkel und die anderen immer in Machtkategorien denken müssen, muss er das nicht. Er ist frei. Aber er nutzt die Freiheit nicht.

Dirk Kurbjuweit porträtiert im heutigen Spiegel sehr lesenswert Horst Köhler.