Das Thema Social-Media-Verbot beschäftigt mich hier im Blog schon länger. Deshalb habe ich hier eine kleine Liste der zehn Dinge zusammengefasst, die ich tue, um selbstbestimmt mit Social Media umzugehen.
Diese Liste gibt es hier auch als PDF zum Download oder Druck, dann kannst du sie dir aufhängen um dich zu erinnern ;-)
1. Benachrichtigungen ausschalten
Ein guter Umgang mit Social Media zeigt sich daran, dass du bestimmst, wann und wie du mit Apps interagierst. Deshalb ist die wichtigste Regel: schalte die Notifications aus! Wir sind ja hier nicht bei einem Boomer-Telefon, bei dem jederzeit irgendwer Fremdes anrufen und dich stören kann. Wir sind in einem System, in dem du bestimmt. Also: Notifications aus! Du öffnest die Apps nicht, wenn andere das wollen, sondern nur wenn du das willst. (Richtig gut wäre es, wenn du das auch für Snapchat, Whatsapp, Signal und SMS-Botschaften machen könntest)
2. Reflektiere deine Nutzung
Herzlich willkommen auf der Meta-Ebene: du bestimmst über deine Social-Media-Nutzung, also musst du diese auch beobachten. Deshalb musst du – erstmal ohne Wertung – feststellen, wie deine Nutzung aussieht. Beobachte deine Bildschirmzeit, schau dir an, wieviele Stunden du in welche App steckst.
3. Alles, was du zu lang machst, ist schlecht
Wenn wir über Zeitbudgets sprechen, solltest du im Hinterkopf haben, dass es dabei nicht einzig um bestimmte Apps geht. Die Faustregel „Alles, was du zu lang machst, ist schlecht“ gilt nicht nur für Insta und Tiktok, sie gilt natürlich auch für Latein-Vokabeln oder Klavier-Üben. Darüber sprechen sorgende Eltern nur viel seltener ;-)
4. Denke Minuten als Euros
Um deine Bildschirmzeit zu beurteilen, solltest du dich weniger an fremden Maßstäbe orientieren als an deinen eigenen Wünschen und Vorstellungen: Wieviel Zeit möchtest du z.B. auf Tiktok oder Instagram verbringen? Stell dir bei der Antwort einfach vor, jede Minute deines Tages entspreche einem Euro. Wieviel Euro willst du investieren? (Bedenke bei der Antwort den Faktor aus Punkt 3: verteile deine Euros möglichst gut über unterschiedliche Tätigkeiten am Tag)
5. Setze Limits
Wenn du weißt, wieviel Euros Zeit du investieren möchtest, kannst du dir selbst Limits setzen. In den Einstellungen deines Geräts (iPhone z.B. hier, bei Android-Geräten heißt der Punkt Digital Wellbeing) kannst du die Apps auswählen und bestimmte Zeit-Budgets festlegen. Das ist hilfreich, um die Zeit-Ausgaben nichts in Uferlose steigen zu lassen. Wie gesagt: Das Ziel ist, dass du selbst bestimmst, nicht die Algorithmen oder fremde Regeln!
6. Spüre, was dir gut tut
Am Ende kannst du deine Zufriedenheit nicht in Euros oder Minuten messen. Du musst selbst spüren, was dir gut tut. Wenn du zum Beispiel sehr lange am Schreibtisch gesessen hast, weil du Chemie-Formeln gelernt hast, wirst du spüren, dass ein kurzer Spaziergang dafür sorgt, dass es dir besser geht. Deshalb solltest du versuchen, dir selbst möglichst viele unterschiedliche Tätigkeiten zu ermöglichen: zu lange nur aufs Handy schauen, macht selbst dann dösig, wenn du dabei vermeintlich schlaue Angeber-Vokabeln lernst!
7. Breche negative Reflexe…
Irgendwann hatte mich Instagram dazu gebracht, dass ich reflexhaft die App öffnete, wenn ich ein paar Minuten Leerlauf hatte: „Einfach so, ohne wirkliches Ziel auf Instagram klicken, weil ich auf die U-Bahn warten muss oder gerade nichts zu tun habe.“ Ein unguter Reflex. Denn es war keine bewusste Entscheidung, es passierte einfach. Dank Punkt 2 auf der Liste bemerkte ich es – und installierte mir die App „One Sec“ (für Schülerinnen und Schüler in Deutschland offenbar kostenfrei). Das war gut, um den Reflex zu brechen. Aber eine positive Lösung hat die App, die selbst ein Geschäftsmodell verfolgt (werde ständig an eine Bezahl-Ebene geführt), nicht wirklich. Dafür sollte ich anfangen:
8. … und schaffe gute Rituale
Am Ende geht es beim gesunden Umgang mit Social-Media um die Frage, welche Ritualen du folgst. Sind es die Reflexe, die die Apps z.B. mit Benachrichtigungen fördern oder sind es Rituale, die. du dir selbst setzt? Wenn es dir gelingt, eigene Rituale einzuführen, gelangst du selbst hinter den Ball und bestimmst nach deinen Regeln: „Ich schaue jeden Mittag für 20 Minuten Tiktoks an“, kann z.B. ein guter Ansatz sein.
9. Reflektiere deinen Algorithmus
Wer bestimmt, was du in den App zu sehen bekommt? Auch hier geht es darum, dass du dir darüber bewusst bist, welche Faktoren deine For you Page beeinflussen. Wie die Algorithmen versuchen, dir möglichst viele, möglichst emotional triggernde Videos zu zeigen, siehst du, wenn du einfach mal nach „Wellness Hotel Gelsenkirchen“ suchst. Garantiert werden dir danach Angebote aus dem Ruhrgebiet gezeigt – selbst wenn du dort nicht wohnst oder hinwillst. Wie bei deiner Bildschirmzeit geht es auch hier darum, nicht einfach nur zu nutzen, sondern deine Nutzung zu reflektieren.
10. Du bestimmst
Das Ziel dieser Tipps ist einfach, aber manchmal etwas kompliziert zu erreichen: Du sollst jederzeit selbst bestimmen. Lass dir nicht einreden, dass das nicht stimmt oder gar nicht möglich ist. Es ist vielleicht manchmal schwierig, aber du kannst das schaffen – wenn du dir über die Macht der reflexhaften Reaktionen bewusst wirst und versuchst, eigene Rituale zu schaffen und zu reflektieren.
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- Drei Fragen zum australischen Social-Media-Verbot
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