Wenn Dummheit erblich ist …

Die Thesen, die Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ und in einer Fülle von Interviews seit vergangener Woche ausbreitet, sind derart haarsträubend dämlich, dass sich eine sachliche Auseinandersetzung schier verbietet. Man könnte sich also ironisch auf die Feststellung zurückziehen, dass Sarrazin, sollte Dummheit tatsächlich vererbbar sein, wenigstens kein Vorwurf zu machen ist.

Robert Misik tut dies im Fall Fall Sarazin nicht, sondern erläutert lesenswert, was das Problem mit dessen Thesen und der Aufmerksamkeit ist, die ihm zuteil wird.

Herrn Sarrazins Thesen sind verwirrt, hochnäsig, verletzend, gespickt mit verächtlichen Formulierungen und Ausdruck bizarrer Respektlosigkeit der Eliten gegenüber den „Losern“. Der Mann ist auf eine Weise eingebildet, die eigentlich schallendes Gelächter provozieren müsste. Alleine der Vorwurf an die Unterprivilegierten, sie würden faul von Staatsknete leben und überhaupt keinen Antrieb haben, sich im Wirbelwind des freien Wirtschaftslebens zu behaupten, ist zum Schreien komisch aus dem Mund eines Mannes, der sein gesamtes Leben lang in der staatlichen und staatsnahen Wirtschaft verbrachte und seine gesamte berufliche Karriere – von Ministerium bis Bahn bis Finanzsenatorenamt bis zur Bundesbank – dem Segeln auf einem Parteiticket verdankt.

In Kategorie: Politik

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Dirk von Gehlen ist Journalist, Autor, Vortragsredner. Er macht Neues bei der Süddeutschen Zeitung und schreibt einen monatlichen Newsletter zum digitalen Wandel, den man hier bestellen kann

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