„Wir können die wissenschaftliche Arbeit einstellen“

Der Kölner SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach hat heute eine erregte Rede im Bundestag gehalten. Der Gesundheitspolitiker (und habilitierte Mediziner) sagte:

Ich zitiere aus dem Brief an die Universität Bayreuth: Er habe zu keinem Zeitpunkt vorsätzlich oder absichtlich getäuscht. Ja, was ist denn das, wenn nicht eine weitere Lüge, die jetzt noch im Raume steht? Das Problem ist doch nicht, dass der Verteidigungsminister betrogen und gelogen hat. Das ist Problem ist, dass er es weiter tut und trotzdem glaubt, im Amte bleiben zu können.
(…)
Er hat in Reiseführern abgeschrieben, bei Studenten, bei Politikern, bei Professoren, bei Zeitungen, in der Einleitung, in jedem Teil seiner Doktorarbeit. Zwanzig Prozent dieser Doktorarbeit sind nicht echt. Und da will uns der Minister hier erzählen, es habe sich um handwerkliche Fehler gehandelt. Wer glaubt denn das hier im Saal?
(…)
Jeder Richter, jeder Bürgermeister, jeder Lehrer, jeder Siemens-Manager hätte nach einem solchen unglaublichen Betrug sofort seine Kündigung gesehen. Aber für den Minister sollen hier Sonderregelungen gelten.
(…)
Was soll ich denn dann meinen Studenten noch erklären, wenn jedes Plagiat automatisch eine Nutzung ist? Wir können die wissenschaftliche Arbeit einstellen. Ich kann doch niemals mehr einem Studenten irgendetwas vorwerfen, wenn wir das hier durchgehen lassen.
(…)
Der einzige Arbeitsplatz, wo man trotz Abschreiben, trotz Plagiat, seinen Arbeitsplatz nicht verliert, ist im Kabinett Merkel. Überall sonst fliegt man raus.
(…)
Daher bitte ich Sie, Frau Schawan, (…) verschonen Sie uns mit Geschwätz von der Exzellenz, von der Bildungsrepublik. (…) Ich will doch von Ihnen nichts mehr zur Wissenschaft hören, wenn hier alles erlaubt ist. Wenn der Minister betrügen und lügen darf, wie er möchte und kommt ohne Strafe davon. Das wird langfristig den Wissenschaftsstandort in Deutschland massiv beschädigen.
(…)
Es geht nicht wie Sie es darstellen, um eine Kleinigkeit. Sondern es geht um die Grundlage unserer Demokratie. (…) Und es geht um die Grundlage unserer Wissenschaft.

Mehr zum Thema: Der Offene Brief von Prof. Dr. Robert Stockhammer und Kollegen sowie der hier erwähnte Text auf Carta.info.

Ergänzung: Lauterbach hat der taz ein interessantes Interview gegeben. Seine These: die Affäre wird weitergehen.