Eli Pariser in der SZ

Wenn man verstehen will, was das Zusammenwachsen der Welt im Internet bedeutet, muss man sich die Geschichte von The Filter Bubble anschauen. Es handelt sich dabei um ein Buch, das Eli Pariser über die sich verändernden Kriterien von Relevanz geschrieben hat. Es ist gerade in den USA erschienen, es wird aber bereits weltweit debattiert (zum Beispiel bei netzwertig.com und Techliberation ). Denn Pariser stellt einige sehr kluge Fragen in dem Buch. Ich habe es mit Genuß gelesen – und für das morgige SZ-Feuilleton aufgeschrieben, warum The Filter Bubble ein bedeutsamer Debattenbeitrag ist

Eli Parisers Buch ist gerade in Amerika erschienen (und für das kommende Jahr in Deutschland angekündigt). Dort sind die beschriebenen Entwicklungen weiter fortgeschritten als in Deutschland, aber sie gelten auch hierzulande. Doch die deutsche Digitalisierungsdebatte ist noch von der Überforderungsthese dominiert, der Frage nämlich, ob die Datenmenge, die das Netz produziert uns nicht den Überblick raubt. Es gibt deshalb ein verbreitetes Kokettieren mit dem Rückzug aus dem Digitalen, mit dem Rückbesinnen auf das Überblickbare. Man könnte auch Parisers Debatten-Beitrag so verstehen, aber Rückzug ist für ihn eine Idee, die nicht in Frage kommt. Im Gegenteil: Der 30-jährige Gründer der Graswurzel-Bewegung MoveOn.org thematisiert die Filter Bubble, weil er das Netz als demokratisches und demokratisierendes Medium schätzt, er will es eher stärken als eine Abkehr davon zu fordern. Sein Buch liest sich denn auch wie der Wunsch nach einer stetigen Überforderung.
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Die Idee, die Pariser dabei verfolgt, ist eine Art journalistische Ethik für die filternden Netzfirmen, die als neue Gatekeeper den Nachrichtenfluss bestimmen. Er will Google und Facebook als Öffentlichkeitsakteure in die Pflicht nehmen und nicht als Dienstleister, die Informationen filtern. Der Page-Rank von Google und der Edge-Rank von Facebook, die wie Betriebsgeheimnisse gehüteten Filter-Algorithmen der Firmen, sollten, so fordert Pariser, öffentlich zugänglich sein. Er will an die demokratische Verantwortung der Anbieter appellieren und diese – so das nicht reicht – auch politisch verpflichten. Dafür greift er die Idee einer digitalen Ökologiebewegung auf, die sich für einen Umweltschutz des Informationszeitalters einsetzt und den Nutzern des Web eine Stimme verleiht. Denn entscheidend sei für das verbindende und demokratische Internet, das Pariser als Ideal beschreibt, die Vorstellung vom Nutzer als Bürger und nicht nur als Kunde und Konsument.

Hier kann man den gesamten Text bei sueddeutsche.de nachlesen.