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Die Kunst des Zitats

Das Zitieren geht so weit, dass man den Song „All I Want“ eigentlich für eine Interpretation von David Bowies Klassiker „Heroes“ halten muss. Dem popmusikalisch extrem informierten Murphy hier, wie geschehen, Einfallslosigkeit oder sogar Diebstahl zu unterstellen, ist natürlich Unsinn. Gekonntes Zitieren und Weiterdenken vorhandener Ideen ist meist innovativer als das orientierungslose musikalische Stochern vieler längst wieder vergessener Pseudoavantgardisten. Man denke nur an Bach, der sich regelmäßig bei Vivaldi und Monteverdi bediente, und Mozart, dessen Ouvertüre der „Zauberflöte“ detailgetreu einer Sonate Muzio Clementis entspricht.

Im morgigen SZ-Feuilleton bespricht Mathias Modica das neue Album vom lcd soundsystem – und lobt deren Referenzkultur.

Goethe und die Kopie

‚ÄûMan spricht immer von Originalität, allein was will das sagen! So wie wir geboren werden, fängt die Welt an, auf uns zu wirken, und das geht so fort bis ans Ende. Und überhaupt, was können wir denn unser Eigenes nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen! ‚Äì Wenn ich sagen könnte, was ich alles großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel übrig.‚Äú

Johannes Kreidler zitiert den großen Goethe als Filesharer

Die Macht der Kindheit

Denn niemand glaube die ersten Eindrücke der Jugend überwinden zu können. Ist er in einer löblichen Freiheit, umgeben von schönen und edlen Gegenständen, in dem Umgange mit guten Menschen aufgewachsen, haben ihn seine Meister das gelehrt, was er zuerst wissen musste, um das übrige leichter zu begreifen, hat er gelernt, was er nie zu verlernen braucht, wurden seine ersten Handlungen so geleitet, dass er das Gute künftig leichter und bequemer vollbringen kann, ohne sich irgend etwas abgewöhnen zu müssen, so wird dieser Mensch ein reineres, vollkommneres und glücklicheres Leben führen als ein anderer, der seine ersten Jugendkräfte im Widerstand und im Irrtum zugesetzt hat. Es wird so viel von Erziehung gesprochen und geschrieben, und ich sehe nur wenig Menschen, die den einfachen, aber großen Begriff, der alles andere in sich schließt, fassen und in die Ausführung übertragen können. Denn jeder Mensch ist beschränkt genug, den anderen zu seinem Ebenbild erziehen zu wollen.

Johann Wolfgang von Goethe in Wilhelm Meisters Lehrjahre