Alle Artikel mit dem Schlagwort “Nachrichten

Nachrichten übersichtlich gestalten

Mir ist gerade erst aufgefallen, wie gut man beim ORF die Frage von übersichtlichen Nachrichten im Web gelöst hat: Mit einer ziemlich guten Fotocollage im Kopf und schlichten Meldungen darunter. Web-Journalismus geht manchmal ganz einfach

http://orf.at/

Das funktioniert übrigens auch bei FM4.

http://fm4.orf.at/

Religiosität von Nachrichten

Nachrichten und der Glaube an sie sind dem Fiktiven eng verbunden; möglicherweise sind sie einfach das moderne Gegenstück zur Religiosität des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Nachrichten gleichen insofern religiösen Ritualen der Vormoderne, als sie ihren Konsumenten eine temporäre Ablenkung von alltäglichen Routinen verschaffen und die ebenso konstante Illusion einer Begegnung mit Ereignissen, die sehr viel grösser, authentischer und relevanter erscheinen als die eigenen. Wie religiöse Traktate und Predigten früherer Jahrhunderte, so hat der boshafte Peter Carey 1987 geschrieben, versorgten Nachrichten ihr Publikum mit einer konstanten Folge von Ereignissen, die sich jenseits des unmittelbaren Alltags- und Wahrnehmungshorizonts abspielen. Und wie die Schreckbilder der vormodernen Religiosität seien diese Nachrichten gerade dann beruhigend, wenn sie von Schrecklichem berichteten; denn dieses Bedrohliche lasse das Vertraute des eigenen Alltags umso spürbarer werden, und lasse sich obendrein dazu gebrauchen, der eigenen Gruppe den Status eines bedrohten Opfers zuzuschreiben.

Der österreichische Historiker Valentin Groebner schreibt unter dem – sehr bekannten Titel Wozu noch Journalismus – über Nachrichten in Zeiten des Netzes. (via)

Vom Nachrichten- zum Technologie-Anbieter

„The New York Times is now as much a technology company as a journalism company“

In dem lesenswerten Guardian-Bericht How the New York Times and CNN try to keep up with the tech companies kommt der NYT-Chef Bill Keller zu Wort – außerdem erfährt man Details darüber, wie NYT und CNN auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren:

The two biggest US players for quality news, CNN and the New York Times, are dealing with this challenge in quite different ways. While CNN.com closely collaborates with technology companies like Facebook, Apple or Google, the New York Times anticipates technical change in-house with the help of its research and development department.

via

Twitter und relevante Nachrichten

Es gibt auf Twitter jederzeit etwas Interessantes. Da ist nicht nur das Mittagessen, sondern auch Menschen, die sich erzählen, welches Restaurant gut ist. Oder welche Züge Verspätung haben. Darin stecken Informationen, die für Sie sofort relevant sind. Das merken Sie am schnellsten, wenn Sie auf Twitter mal nach einem Produkt suchen, das Sie interessiert. Oder nach einer Firma. In Zukunft müssen wir dann besser herausfiltern, welche Nachrichten relevant ist.

Im Interview mit der FAZ erklärt TwitterGründer Biz Stone, warum die Annahme falsch ist, in seinem Dienst gäbe es nur unwichtiges Zeug. Im Gegenteil: Twitter schafft soziales Wissen.

Nerd-News

Socially Generated, Machine Filtered, Hand Polished, Electronic Newspaper for Geeks, Designers & Venture Capitalists – das ist TPUTH: eine Webseite, die „tech and design news“ sammelt und auswertet. Sie jedenfalls spannend aus:

http://tputh.com/about/

Update: Im Interview mit Bobulate erklärt Craig Mod, einer der Macher das Prinzip von Tputh:

we’re cyborg editors. By leveraging 1) the natural curation that happens when people post a link to Twitter and 2) the machine produced aggregate and filtration of those posts we are able to 3) apply a final, humorous, human touch. Making sure readers only see the best.

via

RSS Flash g – bester Reader fürs iPhone

Die Suche hat ein Ende. Dank des Hinweises auf Twitter habe ich einen RSS-Reader fürs iPhone gefunden, der schnell ist, gut zu bedienen und in der lite-Version sogar kostenlos: RSS Flash g erfüllt alle meine Wünsche an einen RSS-Reader für unterwegs:

Das Besondere: Man kann zunächst die kostenfreie lite-Version testen und bei Gefallen updaten – das geht übrigens auch schrittweise. Man kann sich eine Twitter-Integration dazu kaufen (0,79 Cent), Werbefreiheit (1,59 Euro) oder das ganze direkt in der Vollversion nutzen (kostet gerade 2,99 Euro).

App-Frage: Bester Reader für iPhone?

Welches Programm eignet sich am besten, um RSS-Feeds auf die iPhone zu lesen? Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage. Ich habe den sehr schönen Reeder getestet, empfand ihn aber zu langsam. Mittlerweile bin ich (wieder) bei NetNewsWire gelandet – aber immer noch nicht vollständig zufrieden. Jetzt lese ich von Zynked und frage mich: Ist das besser?

Gibt es jemanden, der mir dazu Hinweise geben möchte? Welchen RSS-Reader nutzt du auf dem iPhone?

Update: Vielen Dank fürs Feedback auf Twitter und in den Kommentaren. Ich habe Zynked mittlerweile gekauft und muss davon abraten: halte es für überladen, langsam und schlecht zu bedienen. Vielleicht bin ich zu dumm, habe aber keinen „alles als gelesen markieren“-Button gefunden und werde es deshalb weiter mit Reeder und vielleicht mal mit Byline probieren.

Facebook, Twitter und die Zukunft der Nachricht im Netz

There was a time we had to make an effort to get informed. We had to switch on the radio or the television or buy a newspaper. Getting information was an active endeavour. Nowadays it is different. The news follow us everywhere. They accompany us to work on the radio, free paper or on our smartphone. (…) To handle information overload there is not a better guideline than where your friends go or what they look at, read or say. They are the perfect filter for things that interest you, because you share common ground. You get everything from them you are interested in and all in one platform, private news and breaking news, entertainment and useful information. Therefore the time of the private public and the private news just has started.

Unter dem Titel The war of private news has just begun: facebook vs. twitter erkundet Mercedes Bunz sehr lesenswert das Feld dessen, was ich unlängst als Neuigkeiten beschrieben habe. Sie kommt zu dem Schluß:

Now we are already moving fast forward to the next challenge: Readers can be distributers to.

Ich würde ja sogar ergänzen: Readers can be gatekeepers too! Das zu organisieren, wird die Herausforderungen für Nachrichten und Neuigkeiten im Netz.

Gefunden habe ich den Text – natürlich – über Twitter.

Neuigkeiten oder Nachrichten: das soziale Wissen

In dieser Woche sendet das ZDF seine Nachrichten erstmals aus einem neuen Studio. Dieses, so erklärt Daniel Bouhs in der taz, hat 30 Millionen Euro gekostet. Wieviel die begleitende Anzeigenkampagne für die so genannte grüne Hölle gekostet hat, steht in dem Text nicht. Sie ist in jedem Fall großflächig plakatiert. Tenor der Kampagne wie des nachfolgenden Werbespots :

„Neuigkeiten gibt es beim Friseur, Nachrichten beim ZDF.“

Diese Gegenüberstellung klingt gut: Das ZDF, sagt der Slogan, liefert kein unseriöses Geschwätz, das ZDF liefert echte, wichtige Nachrichten. Man kann sich die Argumente denken, mit denen die Macher der Kampagne ihren öffentlich-rechtlichen Kunden überzeugten. Während ich aber an jeder zweiten Straßenecke diese Plakate sehe, kommt mir ein weiterer Gedanke: Was, wenn die Zuschauer und Leser nicht nur an den offiziellen (und fast amtlichen) Nachrichten interessiert sind, sondern auch (oder vor allem) an Neuigkeiten? Dabei will ich den Begriff „Neuigkeiten“ nicht im Sinne von mehr Boulevard oder Klatsch-Themen verstehen, sondern im Sinne von „sozialem Wissen“, also im Sinne von Nachrichten aus dem lokalen Bezugssystem. Zeitungen liefern solche Neuigkeiten beispielsweise durch den Abdruck von Todesanzeigen. Diese vermitteln dem Leser Informationen aus dem Kreis der Leute, die er/sie kennt. Sie liefern ihm/ihr – und ich glaube, dies ist nicht zu unterschätzen – soziales Wissen, das notwendig ist, um sich zum Beispiel in lokalen Gemeinschaften zu bewegen.

Das Netz hat dieses Bezugssystem aus einem ganz anderen Kontext in den Vordergrund gerückt. Twitter-Follower oder Facebook-Freunde gewinnen als soziale Einheit an Bedeutung, ihre Status-Meldungen (oder zum Beispiel Beziehungs-Änderungen) liefern Nachrichten im Sinne des sozialen Wissens – über die lokalen Grenzen hinaus. Es ist der Small Talk, der hier abgebildet wird, der für viele den Reiz dieser Dienste ausmacht.

Wenn man nun die Frage stellt, wie die Nachrichten der Zukunft (im Netz) beschaffen sein müssen, um Aufmerksamkeit (gerade unter jungen Lesern) zu wecken, landet man unweigerlich bei der Unterscheidung von Nachrichten und Neuigkeiten. Das Netz hat – und ich sage das bewusst wertfrei – den Wert von Neuigkeiten gehoben, es hat das soziale Wissen gestärkt. Die etablierten Medien haben darauf (noch) nicht reagiert, bzw. reagieren wie das ZDF mit Abgrenzung.

Dabei könnte doch gerade in der Kombination eine große Chance liegen: Wäre es nicht möglich, ein seriöses Angebot zu schaffen, das glaubwürdig und verlässlich sowohl Nachrichten als auch Neuigkeiten transportiert? Gibt es keine Ideen, wie man die amtlichen Meldungen aus der großen Politik kombiniert mit dem sozialen Wissen über die Neuigkeiten im sozialen Bezugssystem? Dienste wie delicious basieren auf der Empfehlungskultur des sozialen Umfelds, sie liefern Informationen von Freunden bezogen auf Links. Lässt sich das ausdehnen? Dann könnten Nachrichtenangebote im Netz das soziale Wissen (wie bei Twitter oder delicious) ebenso aufbereiten wie die klassischen Nachrichten – nur eben auf den Nutzer zugeschnitten. Der Slogan würde dann lauten:

Neuigkeiten gibt es im Netz. Nachrichten natürlich auch.