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Offline- und Ausgeh-Tipps

Hier war es in den vergangenen Tagen etwas stiller. Wie der DJS-Kollege Richard Gutjahr habe ich (aber auf andere Weise) Urlaub gemacht. Da ich selber keine so tollen Filme machen kann wie er und da er selber unlängst in der DJS war (und darüber berichtet) hier der Hinweis auf seinen aktuellen Film (inklusive DJS-Besuch):

Außerdem noch zwei Terminhinweise: Am 17. September stellt der Kollege Nahne Steinauer (auf dessen privates Projekt Kursbüro nachdrücklich verwiesen sei) im Münchner Combinat56 „Tipps, Erfahrungen, Handwerkliches für die Umsetzung von Online-Geschäftsmodellen“ vor. Leider beginnt das ganze bereits um 10 Uhr – also zu einer Zeit, an der wohl nur Co-Worker zu einem Vortrag gehen können.

Abends und mit Getränken gibt es am Wochenende zuvor im Rahmen der Nacht der Autoren der Süddeutschen Zeitung eine kleine Diskussion, die ich mit dem Kollegen Alex Rühle im Münchner Ampere führen werde. Ab 19 Uhr geht es am 11. September ums Offline-Gehen.

ABC für digitalen Journalismus

In Phasen der Unsicherheit zeichnen sich ja manche Kollegen dadurch aus, dass sie anderen ungefragt Ratschläge erteilen, wie sie sich im Internet (und überhaupt) zu verhalten haben („A trick that people use to make you think they are smart: Is confidence when actually they’re lost in the dark“). Sinnvoller erscheint mir da der Blick in dieses Roadmap for Journalism x Technology genannte Alphabet für den digitalen Journalismus. Von API (Application Programming Interface) bis Yahoo Pipes werden hier Begriffe erläutert, die für den Journalismus im Netz von Bedeutung sind.

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Viele Sätze für den Journalismus

Sollte in naher Zukunft mal wieder jemand von mir wissen wollen, was denn so toll sei am Internet und warum ich ständig vom Dialog schwärme: Das hier ist eine Antwort. Gestern hatte ich eine kleine Idee, stellte vier Fragen und heute schon gibt es zahlreiche sehr spannende Antworten. Das besondere dabei ist nicht allein die hohe Qualität und Geschwindigkeit (siehe dazu Rivva). Nebenbei ist so nämliche eine interessante Sammlung an bloggenden und twitternden Kollegen entstanden. Deshalb hier eine erste Übersicht (wird ständig weiter aktualisiert, wenn neue Antworten gebloggt werden):

In seinem dringend empfehlenswerten Blog print-wuergt.de schlägt Michalis Pantelouris ein neues Geschäftsmodell vor: „Nachrichten werden mit einem Laser auf Bratwürste tätowiert, so dass man sie vor dem Essen lesen kann. Das ist aber, wie gesagt, nur ein Modell. Es wird noch eine Million andere geben.“

Jens Weinreich sagt zwar, er brauche eigentlich 10.000 Zeichen, schreibt dann aber sehr pointiert, dass jeder Journalist lernen sollte zu bloggen, „also im Dialog zu kommunizieren, nicht nur Genres, sondern auch verschiedene mediale Darstellungsformen professionell anzuwenden und seinen Schaffensprozess so transparent wie möglich zu gestalten, um Vertrauen aufzubauen und die Umstände seiner Arbeit in die Debatte einzubringen, und natürlich seine Fehler einzugestehen und öffentlich zu korrigieren – übrigens wären Ausdauer und Fachwissen auch nicht schlecht.

Bei kopfzeiler.org wünscht sich Johannes Kuhn, jeder Journalist würde lernen: „Dass der Medienwandel eine riesige Chance für uns bietet, wir aber dafür neben dem Handwerk auch die technische und kulturelle Basis des Internets verstehen lernen müssen.“

Auf onlinejournalismus.de prognostiziert Thomas Mrazek, dass wir uns in zehn Jahren darüber wundern werden, dass heute „noch so intensiv über die Vor- und Nachteile des Online-Journalismus diskutiert wurde, statt einfach mal zu machen!“

Beim Presseclub Dresden schreibt Peter Stawowy: „Es ist absurd, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Zugang zum Internet einzuschränken. Es wird langfristig keine Zeitungsverlage, Radiostationen oder Fernsehanstalten mehr geben – es wird nur noch Medienhäuser bzw. -anbieter geben.“

vera von Kaffee bei mir? antwortet auf die Frage nach den Geschäftsmodellen: „Journalisten werden unabhängiger, als Ein Mann/Frau-Unternehmen für verschiedene Auftraggeber arbeiten, und versuchen, sich als ‘Markenzeichen’ zu etablieren.“

In seinem Blog formuliert Michi Schmidt als Lernziel für jeden Journalisten: „Themen, Geschichten und Zugänge zu finden, die abseits von Imperativen wie Formatierung, Nutzungsoptimierung, Lakonie, Originalität oder Konsumierbarkeit an möglichst präziser ästhetischer und politischer Reflexion interessiert sind.“

Bernd Oswald sieht im PIN-Blog ein Geschäftsmodell in einer „Mischung aus Anzei­gen, Spen­den für (inves­ti­ga­tive) Geschich­ten und vom Nut­zer selbst bestimmte Micro­pay­ments. (Kachingle und Flattr wer­den nicht unter sich bleiben).“

In Interviews führen – der Blog schreibt Christian Thiele, dass jeder Journalist wissen sollte, „dass Pferdekutscher mal ein echt wichtiger Beruf war, der eine goldene Zukunft hatte.“

In Lost and Found schreibt Heinz Wittenbrink: „Es wird für Journalismus so wenig ein Geschäftsmodell geben, wie es heute eins für Kunst gibt.“

Im Journalistenschredder fordert Ugugu, jeder Journalisten soll: „Relevante Fragen stellen und Leserfragen ernsthaft beantworten.“

Jan Eggers schreibt bei Eggers Elektronik dass Nutzerbeteiligung den Journalismus besser macht: „Wenn sie uns zwingt, zu erklären, wie wie wir arbeiten und warum. Wenn sie uns hilft, nie mehr: “Das versendet sich” zu sagen. Wenn unsere Nutzer von Empfängern zu Teilhabern werden, die uns unterstützen und antreiben.“

Als Medienlotse hofft Jan C. Rode auf mehr Qualität bei der Nutzerbeteiligung. „Wie das geht? Die Leser-Community kann online den besten oder hilfreichsten Kommentar küren (siehe Guardian) und so helfen, die Qualität der Beiträge zu heben. Die Journalisten müssen für die Beteiligung von außen jedoch auch offen sein.“

Bei Seitenhiebe schreibt Dennis Schmolk: Wir sind in einem Medienumbruch begriffen, der dem vom Wandel der Sprache zur Schrift, von der Schrift zum Druck in Nichts nachsteht. Also wird die Anpassung auch in zehn Jahren nicht vorbei sein.

Der Lead-Award-ausgezeichnete Hitler-Blogger Daniel Erk sagt, jeder Journalist sollte lernen: „Es gibt immer, immer, immer einen Leser der sich besser auskennt.“

Beiträge und Meinungen – unter anderem von Eva Schulz , Chat Atkins, Christian Thiele, Christian Jakubetz und Matthias Eberl – gibt es außerdem in den Kommentaren hier und hier.

Meine vier Sätze für den Journalismus

Bei der Lektüre der Society of Professional Journalists hatte ich eine Idee, die ich hier selber in die Tat umsetzen möchte. Es geht um vier Sätze für den Journalismus, die bloggende Kolleginnen und Kollegen kopieren und selber vervollständigen mögen:

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen: Warum das Internet ein Raum und kein Weg ist. Das gelingt am besten, wenn man diesen Raum betritt, teilnimmt und ausprobiert.

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn … beide Seiten offen sind für einen konstruktiven Dialog.

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte … soviel über Apple geredet wird.

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen: Wie Live-Konzerte in der Musik-Industrie – mit unkopierbaren Angeboten.

Vier Sätze für den Journalismus

Die Society of Professional Journalists hat eine Übersichts-Liste mit angelsächsischen Kollegen veröffentlicht, denen man auf Twitter folgen soll/kann. Die Liste an sich ist interessant, lesenswert wird sie, weil die twitternden Journalisten einen kurzen Fragenbogen beantworten und dabei zum Beispiel erklären, was sie für „the most important issue facing contemporary journalism“ halten. Hier ein paar Auszüge:

Journalists need to become leaders in understanding how people consume and use news, not followers.

Transparency around the process of journalism.

We need to develop the business model(s) for a prosperous future for independent journalism and have the courage to pursue them.

Learning how to collaborate — not just with colleagues and readers, but with other media outlets.

Overcoming a dysfunctional professional culture in order to open itself to the changes sweeping the media world and figure out how to sustain the serious business of the press.

Adapt or die.

Weil nicht nur die Antworten auf die genannte Frage sehr aufschlußreich sind, möchte ich jetzt auch bloggenden deutsche Journalisten bitten, ihre Einschätzungen in ähnlicher Form zu notieren und ihre Antworten (vielleicht so ähnlich wie bei der damaligen Ein ♥ für Blogs-Aktion) einfach in ihr Blog schreiben. Hier die zu einem Fragebogen angepassten Sätze zum Kopieren und selber Vervollständigen:

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen:

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn …

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte …

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen:

Und hier meine Antworten.

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Die Reportahsche und Preise

Und für jene Texte, die ohne frische Luft und den Versuch, der Wirklichkeit ein paar Aussagen abzuringen, nicht zu haben sind, hat sich der Begriff „Reportage“ etabliert, über den sich, weil er ein bisschen prätentiös klingt, schon Tucholsky lustig machte (er nannte das Genre „Reportahsche“).

In der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt Claudius Seidl fulminant und lesenswert über das Wesen des Reportage-Preises, das sich ständig selbst bedient. Weil der Text leider online nicht verfügbar ist, möchte ich zumindest den wunderbaren Schluss hier zitieren:

Und genau das ist das Problem mit den Preisträgerreportagen: Sie wollen Literatur sein, sie weigern sich aber, das Kleingedruckte zur Kenntnis zu nehmen. Keine Selbstreflexion, kein Bewusstsein davon, dass es jenseits der Sätze das Unsagbare geben könnte, jenseits der Psychologie das Unerklärte. Eine Geschichte hat einen Anfang, und am Schluss laufen alle Stränge des Erzählens wieder zusammen. Ein Abgrund heißt Abgrund, und wer hineinschaut, sieht, wie das Schicksal mit Playmobilfiguren spielt. So ein Preisträgertext geht mit dem Serienkiller zum Kaffeetrinken und mit der Kanzlerin zum Schwimmen im See, und Gedanken, die man lesen kann, tun keinem richtig weh. Aber weh tun soll es auch nicht. Hauptsache, die Leser gucken betroffen. Oder wenigstens die Juroren von Reportagepreisen.

Analphabeten, Zausel und die FAZ

Diesem meinem Verhalten kommt man mit journalistischem Werkzeug nicht bei; nach der Theorie des Journalismus dürfte es das nicht geben, und wenn doch, dürfte es beim Leser nicht gut ankommen. Wenn es trotzdem gern gelesen wird, muss der Leser einen Fehler machen.

In seinem FAZ-Blog schreibt Don Alphonso einen Text, der mir gefällt. Er befasst sich darin auf eine sehr eigene, sehr lesenswerte Art und Weise mit der Debatte (die in den vergangenen Tagen an unterschiedlichen Stellen geführt wurde) über den vermeintlichen Gegensatz von Bloggern und Journalisten. Dazu ist vielleicht alles gesagt, aber nicht so abgehoben schön formuliert und vor allem nicht auf der Website der FAZ.

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Journalismus im Gebüsch

Diese Geschichte ist eine Schande: Für sie, für ihren Verlag (dessen Untätigkeit noch dazu beiträgt) und für unsere gesamte Branche. Wir sind Journalisten, keine Spanner, die im Gebüsch liegen um herauszufinden, ob und mit wem Parteivorsitzende ein Sexualleben haben. Ich bin ein freier Journalist und ich fühle mich von Frau Riekel und ihren Methoden beleidigt. Der Ruf unseres Berufsstandes gehört ohnehin zum niedersten. Frau Riekel trifft die Verachtung offensichtlich zu recht, aber ich leide mit darunter, wegen ihr. Eigentlich erwarte ich von ihr auch eine Entschuldigung.

Michalis Pantelouris widmet sich unter dem Titel Das Riekelsche Gesetz dem Fall Bunte/CMK.

Zehn Dinge für 2010

Im Editors Blog von Journalism.co.uk können sich Journalisten auf das neue Jahr vorbereiten – mit der Liste Ten things every journalist should know in 2010. Ich finde sie sehr herausfordernd, sie verlangt von einem Journalisten des Jahres 2010:

1. How to monitor Twitter and other social media networks for breaking news or general conversations …

2. Don`t become a slave to technology, make it your slave instead.

3. You are a curator. Like it or not, part of your role will eventually be to aggregate content (but not indiscriminately).

4. Your beat will be online and you will be the community builder

5. Core journalistic skills are still crucial.

6. Journalism needs a business model. If you don’t understand business, especially the business you work for, then it’s time to wake up.

7. You are your own brand – brand yourself online!

8. You need to collaborate!

9. Stories do not have to end once they are published online. Don‘ be afraid to revise and evolve a story or feature published online, but do it transparently

10. Technology is unavoidable, but it is nothing to fear and anyone of any age can master the basics.

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Autoren und Redakteure: hier der Freitag

Die Wahrheit ist: Jakob Augstein ist angetreten und Michael Angele wurde eingestellt, um das linke Projekt namens Freitag abzuwickeln. Unter dem Vorwand einer technischen Reform ‚Äì des Ausbaus der Online-Ausgabe ‚Äì, die nicht mehr war als ein Ablenkungsmanöver, sollte eins der letzten publizistischen Foren der Linken zunächst aufgeweicht und dann vernichtet werden. Schon von Anfang an mußte einiges stutzig machen. Vollends klar wurde mir, wohin die Reise geht, als Michael Angele, der gern den Ton eines Bosses in einem großen Industrieunternehmen pflegt, voll Dégout von den Gegnern der jüngsten Bekenntnisse Sloterdijks und Bohrers zum Klassenkampf von oben sprach. Was immer man Sloterdijks Haltung attestieren mag ‚Äì sie ist so links, wie Berlin subtropisch ist. Der Freitag wird über kurz oder lang verschwinden, weil er so, wie er nun zugerichtet wurde, keine Funktion mehr erfüllt. Andere werden seinem Beispiel folgen. Die Welt kommt auch ohne Journalisten aus. Und in schwachen Momenten frage ich mich, an Leute wie Michael Angele denkend, ob da nicht was Wahres dran ist.

Thomas Rothschild prognostiziert das Ende der Wochenzeitung Freitag und das Ende des Journalismus. Begründet wird dies mit einem veröffentlichten E-Mail-Wechsel zwischen Autor Rothschild und Redakteur Angele. Wie schon im Fall Glaser vs. Dettweiler frage ich mich auch hier, wann ist es eigentlich normal geworden, persönliche Mail-Dialoge einfach so zu veröffentlichen? Darüberhinaus stellt sich die Frage, wie man von einem missglückten Autor-Redakteur-Verhältnis auf das Ende der Publikation schließen kann?

Update: Auf freitag.de gibt es eine rege Debatte zum Thema, dort schreibt Thomas Rothschild zum angesprochenen Thema

Wenn ich eine private Mail veröffentliche, so tu ich das aus dem gleichen Verständnis heraus, aus dem ziviler Ungehorsam gegen schlechte Gesetze verstößt. Und wenn das tatsächlich justitiabel sein sollte, wünsche ich mir fast, dass Michael Angele einen Rechtsanwalt engagiert. Das sollte man doch einmal grundsätzlich klären.

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