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„Sei mutig und experimentierfreudig, starte dennoch nicht völlig kopflos“ – Museum im Stream

Was ist online möglich, wenn der direkte Austausch nicht mehr klappt? Mit dieser Frage befasst sich eine kleine Serie, die ich im Rahmen der Corona-Ausnahmesituation gestartet und mit zehn Lehren beschrieben habe. Folge 12: Museumsführung im Stream (Foto: unsplash)

Maximilian Westphal ist für die Digitale Kommunikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen @pinakotheken verantwortlich und sucht regelmäßig das Gespräch mit Kunstvermittler*innen und Kurator*innen – in der Regel aber im Museumsraum vor Originalen. Bei den Live-Dialogführungen ist er alleine vor dem Original im Museum, die Gesprächspartner*in im Homeoffice, „Physical Distancing“ im Video-Call über Kunstwerke.

Du machst jetzt etwas, das du vorher im direkten Austausch mit Menschen gemacht hast, über eine digitale Verbindung. Hast Du Dich schon dran gewöhnt? Bzw. Was irritiert Dich immer noch?
Ich habe gerade das unglaubliche Privileg, mich im Museum aufzuhalten, während es für die Öffentlichkeit geschlossen ist – an diesen Aspekt will ich mich garnicht gewöhnen, denn ich hoffe, dass die Museen bald wieder öffnen können. Da ich nun in der Rolle als neugieriger Besucher zwei mal in der Woche Kurator*in oder Vermittler*in zum Live-Dialog einlade, muss der (technische) Ablauf vorbesprochen werden – das ist mit allen aufregend, da es auch Partner*innen gibt, die noch nicht ganz so sicher im Umgang mit digitalen Medien sind. Die Nervosität, ob alles klappt, bleibt bis zum Ende der Führung. Trotz aller Tests kann „live“ in der Abhängigkeit von Technik und stabilem Internet auch mal etwas schiefgehen.

Was war die größte Hürde, die Du überwinden musstest?
Tatsächlich wollte ich schon länger Live-Angebote mit @pinakotheken ausprobieren und die digitale Kommunikation enger mit der Kunstvermittlung in den Häusern verweben. Es fehlte vor allem an Mut, Zeit und Gelegenheit, diese Schritte zu wagen. Die Schließung der Museen beschleunigte diese Entwicklung nun, auch weil Unterstützung und Bereitschaft im Kollegium schnell gewonnen werden konnte.

Gibt es etwas, das jetzt besser ist als vorher?
Gestiegenes Engagement in unseren Social-Media-Kanälen, stärkere Wahrnehmung der digitalen Museumsangebote in der Öffentlichkeit und im Kollegium. Größere Aufgeschlossenheit von Kolleg*innen gegenüber digitalen Angeboten. Ich hoffe sehr, dass dieser Schwung auch nach Corona dazu führt, dass die Kulturvermittlung im digitalen Raum sich fruchtbar weiterentwickelt.

Im direkten Austausch gibt es stets irgendeine Form von Rückmeldung, eine Stimmung im Raum. Wie löst du das Problem, dass das online nur sehr viel schwieriger wahrzunehmen ist?

Ich finde, dass man im Chat von Livestreams sehr unmittelbare Rückmeldungen bekommen kann, sei es in Form von Herzchen & Emojis, aber auch zahlreichen Kommentaren und Fragen. Wir wünschen diese Teilhabe auch ausdrücklich. Eine Vermittlerin sagte, dass sie das große „Echo“ aus dem Publikum im digitalen Raum positiv überraschte.

Welchen Ratschlag würdest du jemandem geben, die/der jetzt auch ins Online-Streaming einsteigt?
Sei mutig und experimentierfreudig, setze den Anspruch nicht zu hoch und entwickel Dich von Termin zu Termin – starte dennoch nicht völlig kopflos, sondern mach Dir Gedanken über Ziele, Inhalte und wen Du damit erreichen willst. Was soll das Besondere an Deinem Livestream sein?

Zum Abschluss: Kannst du noch kurz erklären, wie (also mit welcher Soft-/Hardware) du jetzt online gehst?
Smartphone auf Gimbal und Einbeinstativ, mit Headset. Der Stream läuft derzeit alleine über Instagram Live, weil uns die Plattform eine funktionierende technische Infrastruktur für Live-Dialogführungen bietet.
Wenn das Angebot weitergeführt werden soll, würde ich es gerne breiter ausspielen und vielleicht auch aufwändigere Bild- und Tonregie liefern. Hierfür bräuchte es kundige Unterstützung – und nicht zuletzt entsprechendes Budget.

Dieser Fragebogen ist Teil einer kleinen Serie hier im Blog, die sich mit Streaming und Video-Konferenzen befasst. Wenn du wegen der Corona-Krise auch auf Streaming umgestellt hast und darüber sprechen möchtest: melde dich bei mir!

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