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Wilde Untenrumgeschichten

Als ich siebzehn war, hängten sich Mädchen der Kategorie Hegemann noch Pferdeposter ins Jugendzimmer, hörten Céline Dion und schwärmten für Tobi Schlegl. Heute avancieren hochambitionierte Theater-AG-Aussteigerinnen aus dominanten Elternhäusern noch vorm ersten Zungenkuss innerhalb von sechs Tagen mit wilden Untenrumgeschichten aus dem Berghain zum größten deutschen Literaturgenie seit Erfindung von Copy und Paste, während das Feuilleton dazu vor Begeisterung auf dem eigenen Ejakulat ausrutscht. Ein erfreulicher zivilisatorischer und kultureller Fortschritt.

Jan Böhmermann blickt im Tagesspiegel auf seine Medienwoche zurück – und empfiehlt den Titel von Helene Hegemanns Buch und den Namen der Feuchtgebiete-Autorin schnell zehnmal hintereinander zu sagen! (via)

Das Remix-Debakel der deutschen Presse

Ich habe mich heute für jetzt.de bemüht, im merkwürdigen Fall Helene Hegemann, den Remix gegen den Betrug zu verteidigen. Wie notwendig das ist, ist in meinem Text nur angedeutet. In diesem sehr lesenswerten Beitrag von Anatol Stefanowitsch in den Wissenslogs sieht man, wie verwirrend die Begriffsungenauigkeit mittlerweile ist. Er belegt anhand von Zitaten wie fahrlässig hier unter dem merkwürdigen Begriff der Internetkultur (die für den Skandal verantwortlich gemacht wird) über Remix oder Intertextualität hergezogen wird, um die Tatsache zu verschleiern, dass hier offensichtlich ein Plagiat vorliegt:

Die „Internetkultur“, die hier bemüht wird, ist natürlich fiktiv und zeigt nur, dass die Feuilletonist/innen von der Urheberrechtsdebatte im Internet ebenso wenig verstehen, wie von guter Literatur.
Denn die Urheberrechtsdiskussion im Internet dreht sich nicht um das Recht, anderer Leute Ideen, Worte und künstlerische Leistungen zu stehlen und als die eigenen zu verkaufen, sondern ganz explizit um das Recht von Urhebern, die Weiterverwendung ihrer sprachlichen und künstlerischen Leistungen differenziert selbst zu regeln.

via