Warum ich über Phänomeme blogge

Es verändert sich gerade etwas im Internet. Das ist ein absonderlicher Satz, weil sich ja ständig was ändert. Die Entwicklung, die ich zu beobachten glaube, ist aber etwas tiefgreifender als der stete Wandel im Web. Es ist vielleicht nur ein Trend, aber es ist erkennbar: Die Prinzipien der Phänomeme ziehen Kreise.

buzzfeed

Was ich damit meine: Die Netzkultur und deren Verbreitungsmechanismen setzen sich auch in vermeintlich seriösen Bereichen durch. Das beste Beispiel dafür liefert aktuell Buzzfeed, die BNW-Nachrichtensite, die Nachrichten „sozial“ machen will:

Buzzfeed steht für ein Segment im Nachrichtengeschäft, das Peretti als BWN beschreibt: “Bored at Work Network” steht für die Haltung seiner Leser, die gelangweilt in der Arbeit vor einem Bildschirm hocken und nach Ablenkung suchen. Dieses Grundgefühl ist einer der Hauptantriebe für den Erfolg von Internet-Phänomemen und es beschreibt die Haltung, aus der heraus Peretti das Nachrichtengeschäft betreib

Ich notierte dies in dem kleinen Internet-Memeblog, das ich seit einer Weile für die SZ führe. Es trägt den programmatischen Titel „Phänomeme“ und befasst sich mit Ausnahmeerscheinungen der Netzkultur. Bekannte Beispiele wie das Gangnam-Style Mem oder der Harlem Shake sind dabei nur die Oberfläche einer tiefgreifenden Veränderung der Netzkultur:

Zappeln als Distinktion steht nicht nur als globale Gruppendynamik für eine neue kulturelle Ordnung. Der Harlem Shake verschiebt auch die gelernten Muster von Popularität und Wertschöpfung.
(…)
Beim Aufkommen der Popmusik gab es im Klischee überzeichnete Plattenbosse, die an den Erfolgen und der Hysterie um ihre plötzlich populären Stars verdient haben. Es ist nicht so, dass heute nichts verdient würde, die Muster und die Nutznießer sind allerdings mittlerweile andere. Der Harlem Shake zeigt auch das.

Das Verständnis sozialer Nachrichten, das man bei Buzzfeed pflegt, die Entwicklung der Seite Upworthy und die genannten Meme stehen für diesen Wandel. Da ich diesen schon seit einer kleinen Weile auf Phänomeme begleite (am Wochenende die 30.000-Tumblr-Follower-Grenze überschritten), erschien es mir an der Zeit, auch hier mal auf das Blog und den zugehörigen Twitter-Account zu verweisen.

3 Kommentare

  1. das kürzel bwn, resp. dessen bedeutung, stört mich. ich finde es irritierend, wenn derart eng fokussiert wird, gerade im netz. es gibt doch (inzwischen) viel mehr antriebe, phänomeme zu verfolgen oder gar selber welche (mit) zu gestalten. um nur ein beispiel zu nennen: gibt es nicht immer mehr menschen, die z.b. abends statt fernzusehen online sind? (ich habe soeben auch diesen kommentar geschrieben, wobei bei mir irgendwo im hintergrund immer noch die kiste flimmert…;)

  2. Micah Torrance

    Nachrichten sind kein Monopol bzw. Oligopol grosser Konzerne mehr. Wir sahen in Arabien Diktaturen durch breitinformierte Massen stuerzen. Wir erleben eine nie erlebte Vielfalt in Kultur und sozialem Leben, die zu differenziert und schnellebig ist als das irgendwelche(wie oben „im Klischee überzeichnete Plattenbosse“) Geldschneider einen allgemeinen Trend erfinden koennen.
    Das „Boston bombing“ koennte ein interessanter Präzedenzfalll werden.
    Nach dem 9/11 genannten Sprengen der Tuerme vom Babylon kommt jetzt, ein dutzend Jahre spaeter, allgemein Zweifel an der offiziell verbreiteten Meinung auf. Kommen die Iniziatoren dieser Show auch diesmal damit durch „den Islam“ als Quelle allen Uebels zu brandmarken um diesmal, was weiss ich, die Banken des Irans oder wen auch immer auszurauben?
    Die Aufgabe der Kunst in der heutigen Zeit besteht darin den Irrealismus der Produktwerbung, Idiologie, Politik und Economie deutlich zu machen………….solange es noch geht.

  3. Stimmt. Habe auch den Eindruck das es längst nicht mehr nur um Ablenkung bei der Arbeit, sondern um eine eigene Form des Entertainments handelt. Statt durchs Fernsehen zu zappen, Zeitung oder Buch zu lesen (und sei es online) verliert man sich abendfüllend im nachspüren durchs Netz schwappender Geschichten.

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