Urheberrecht im Spiegel seiner Zeit

Die Auflage der Schülerzeitung „Der Spargel“ am Erich Kästner Gymnasium in Laatzen betrug im Jahr 1995 500 Exemplare. Man kann das im Wikipedia-Eintrag der Schülerzeitung nachlesen. Das Nachrichtmagazin Der Spiegel hat – laut aktuellen Mediadaten (PDF) – eine verkaufte Auflage von 896.298 Exemplaren. Die jüngste Ausgabe des Nachrichtenmagazins befasst sich auf dem Titel mit Computerspielen, dafür wird die Schrift der Grand Theft Auto (GTA)-Reihe verwendet.

1995 gab es wegen eines vergleichbaren Falls (es fehlten nur 895.798 Exemplare)
mal Ärger
: Denn die Schülerzeitung hatte damals die Aufmachung des Nachrichtemagazins imitiert – und sich damit juristischen Ärger mit dem Spiegel eingehandelt. In dessen Hausmittelung im Oktober 1995 hieß es:

Ein Minimum an Verteidigung des Markenlayouts des SPIEGEL ist nämlich juristisch unabdingbar. Ansonsten würden die Gerichte quasi ein Gewohnheitsrecht auf Nachahmung konstatieren. „Der Inhaber eines solchen Kennzeichens“, sagt der Bundesgerichtshof, habe „ein berechtigtes Interesse“ daran, „daß alles vermieden wird, was die Eigenart und den kennzeichnenden Charakter seiner Kennzeichnung verwässern“ könnte.

Heute passiert genau das unter umgekehrten Vorzeichen: Der Spiegel verwässert die „Eigenart und den kennzeichnenden Charakter“ des Computerspiels!

Zu dieser Einschätzung kommen allerdings nur Laien, denn in Wahrheit geht es um etwas anderes – wie der Blick in die Archive verrät. In der Hausmitteilung aus dem Jahr 1995 wird an der juristischen Auseinandersetzung auch was Positives herausgestellt:

Die Spargel-Redakteure dürfen sich freuen: über die gelungene PR-Aktion für ihr Blatt und über die Einladung des inzwischen mit dem Fall befaßten SPIEGEL-Chefredakteurs, Spargel-Freundes und ehemaligen Schülerzeitungsredakteurs Stefan Aust.

Es geht der heutigen Spiegel-Redaktion mit der „gelungenden PR-Aktion für ihre Blatt“ also um etwas ganz anderes: um eine Einladung des ehemaligen Schülerzeitungsredakteur Stefan Aust.

Update: Marcus Schwarze hat ein wenig Hintergrund zum Thema notiert

3 Kommentare

  1. Jens Best

    Oh, das ehemalige Nachrichtenmagazin bietet jetzt schon auf dem Titel Content Marketing Kampagnen an. Mal bei Rockstar Games nachfragen, was sie dafür bezahlt haben.

  2. Pingback: Die wunderbare Welt von Isotopp

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