Alle Artikel mit dem Schlagwort “Print

loading: RLY

Hä!? Eine Klasse der Deutschen Journalistenschule macht Crowdfunding? Genau, die Macher der Facebookseite RLY begleiten ihr Printmagazin mit einer Aktion auf Startnext. Die Hintergründe dazu erläuert Vanessa Vu im loading-Fragebogen.

Was macht ihr?
Wir sind 15 Nachwuchsjournalisten von der Deutschen Journalistenschule in München (DJS). Wir wollen Leute mit Journalismus erreichen, die sich sonst eher durch lustige Sprüche-Seiten klicken. Deshalb haben wir die Facebook-Seite RLY gegründet. Wir kitzeln das aus den News, was einfach nur RLY ist und posten es als Spruchbild. Unsere Quellen verlinken wir direkt. Seit Juli haben wir über 3.600 Fans gesammelt. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und bieten unseren Fans den Longread an: ein Print-Magazin namens „RLY“ mit eigenen Geschichten. Für den Druck und Versand brauchen wir aber Hilfe.

Warum macht ihr es (so)?
Wir glauben nicht, dass Online immer der Feind von Print sein muss. Wir wollen zeigen, dass beides voneinander profitieren kann. Unser Print-Produkt soll durchs Internet überhaupt erst möglich gemacht werden. Ob das Experiment klappt, werden wir in den nächsten Wochen herausfinden.

Wer soll das lesen?
Wir wollen mit dem HÄ-Magazin nicht nur die üblichen Magazin-Leser erreichen, sondern Leute, die sich durch Instagram und 9gag klicken. Es sind Leute, die einfach gern „Hä“ sagen. Die das WTF-Gefühl feiern. Die auch im Zeitalter permanent zugänglicher Unterhaltung Lust auf relevante, aktuelle Infos haben.

Wie geht es weiter?
Bis zum 17. November kann sich jeder auf Startnext sein RLY-Magazin mit einem Dankeschön sichern. Mit dem Geld finanzieren wir Druck und Versand. Im Dezember verschicken wir das Magazin.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Als junge Journalisten hören wir oft, wir hätten kein Interesse an Qualtiätsjournalismus – und ließen uns von Klickzahlen verführen. Das sehen wir anders. Wir lieben gute Geschichten. Nur bei den Darstellungsformen sind wir weniger dogmatisch. Gute Geschichten stecken in jeder RLY-Spruchtafel auf Facebook und hinter jedem krassen Titel im RLY-Magazin. Das Magazin handelt von großen Fragen: Wo ist die Grenze zwischen Mensch und Tier? Warum riegeln wir plötzlich unsere Ländergrenzen ab? Und warum riskieren Leute für ein cooles Selfie ihr Leben?

>>>> Hier das Projekt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Around the world in 100 bookshops

Torsten Woywod mag Buchhandlungen. So sehr, dass er eine „Entdeckungsreise zu den schönsten und außergewöhnlichsten Literaturorten dieser Welt“ plant. So beschreibt er sein Startnext-Projekt Around the world in 100 bookshops, das am Wochenende online ging und seine Fundingsumme bereits mehr als verdoppelt hat. Trotzdem hat er Zeit gefunden, den loading-Fragebogen zu beantworten.

Was machst du?
Drei Tage vor meinem 35. Geburtstag habe ich – per Ende Juni – meinen Job und meine Wohnung gekündigt und werde anschließend „in Buchhandlungen“ um die Welt reisen. Meine Erlebnisse und Eindrücke werde ich fortlaufend via Facebook teilen; außerdem entstehen im Anschluss ein Buch sowie eine Mini-Doku. Da die Reise möglichst umfangreich dokumentiert und nacherlebbar gemacht werden soll, lasse ich einen Teil der notwendigen Technik via Startnext-Crowdfunding finanzieren (z.B. Drohne, 360°-Kamera).

Warum machst du es (so)?
Der Prolog zu dieser Reise fand bereits im vergangenen Sommer statt: Während meines Jahresurlaubs bin ich quer durch Europa gereist und habe 63 Buchhandlungen in zwölf Ländern besucht. Das Ganze ist hat sich damals quasi verselbstständigt und wurde schnell zu einem echten Communityprojekt, so dass das Crowdfunding nun naheliegend war.

Wer soll sich dafür interessieren?
Das Projekt richtet sich an alle, die Bücher sowie Buchhandlungen lieben bzw. zu schätzen wissen. – Und natürlich an alle, die einem chronischen Fernweh erlegen sind. ;-)

Wie geht es weiter?
Nach Abschluss des Crowdfundings werde ich mich ab circa Mitte Juli auf Weltreise begeben und Buchhandlungen in Asien, Nordamerika und Südamerika besuchen.
Anschließend gehe ich mit dem Buch zur ersten Reise, das im Oktober bei Eden Books erscheint, sowie den frischen Eindrücken der zweiten Reise auf eine Veranstaltungsreihe quer durch Deutschland.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass Buchhandlungen viel mehr als nur „Geschäfte“ sind. Buchhandlungen sind Wohlfühlorte und Lieblingsplätze, in denen man stundenlang verweilen kann.
Und: Dass es nicht zwangsläufig Digital ODER Print heißen muss. Beides lässt sich wunderbar miteinander verbinden (wie auch dieses Projekt zeigt).

>>> Hier das Projekt 100 Bookshop auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Rosegarden

„Ich will ein Print von dir“ haben die Macher des Online-Magazins Rosegarden über ihre Papier-Crowdfunding-Kampagne geschrieben. Für 11 Euro kann man die Erstausgabe des Magazins zum Thema „Was ist Zuhause?“ bestellen.

Mario Münster hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
ROSEGARDEN ist ein unabhängiges Lifestyle- und Gesellschafsmagazin. Seit April 2013 erzählen und besprechen wir als Online-Magazin auf Talk-Veranstaltungen und im Radio die Themen, Ideen und Menschen unserer Tage. Ob Sharing Economy, Pop-Up Kultur, Multioptionalität, Musik, Bücher, Design oder Kunst – wir betrachten unabhängig, neugierig, subjektiv, ironisch, klug, streitbar und lebendig die Welt, in der wir uns bewegen.

Warum macht Ihr es (so)?
Am Anfang aus Spaß und weil wir den vielen Bekannten und Freunden, die großartige Dinge tun, die unseren Alltag bereichern, eine Bühne bieten wollten. Irgendwann hatten wir alle Freunde vorgestellt. Dann haben wir einfach weiter nach den Themen, Ideen und Menschen gesucht, die mit ihrem Tun unsere Tage prägen. Dabei haben wir eine endlosen Hunger auf diese Geschichten entwickelt. Addicted to stories, wenn man so will. Und das an gesellschaftlichen Trends zu spiegeln hört auch nie auf spannend zu sein.

Wer soll das lesen?
Alle, die Freude daran haben mit offenen Augen durch unsere Zeit zu laufen. Überall passiert was: Freunde schreiben Bücher oder haben Ausstellungen, Essen ist plötzlich das neuen Rock ‚n Roll, Leute geben ihre Jobs auf und fangen plötzlich an zu backen. Wir konsumieren das alles und haben Spaß daran. Uns und unsere Leser interessiert aber die Frage: Warum passiert das? Und was bewegt die Menschen, die hinter diesen Ideen und Trends stehen?

Wie geht es weiter?
Nun, wir hoffen natürlich, dass unsere Crowdfunding-Kampagne am Sonntag erfolgreich endet. Dann werden wir mal ein Bier darauf trinken. Und dann werden die Drucker aktiviert und wir werden mit Spannung verfolgen, ob ROSEGARDEN auch als Print-Magazin funktioniert. Das ist ja nicht ohne Spannung. Gleichzeitig liegen aber schon Ideen für das nächste Heft bereit und auch online geht es mit vielen Geschichten und Themen weiter.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das der Markt der Independent Magazine eine großartige Bereicherung für unsere Medienlandschaft ist. Klar ist das eine Nische aber in dieser Nische, die nicht nur auf Anzeigenkunden achten muss, die nicht immer nur das machen muss, was der Masse gefällt, passiert mit sehr viel Leidenschaft sehr viel Großartiges.

>>> Hier kann man Rosegarden auf IndieGoGo unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Keine Zeitungen am Kiosk

Ich bin schon länger nicht mehr an diesem Häuschen vorbeigekommen, das sich „Mars Kiosk“ nennt und einen etwas merkwürdigen Witz am Dach trägt. Vielleicht sieht das Häuschen, das in Gehentfernung des Münchner Hauptbahnhofs steht, also schon länger so aus, aber um ein paar Tage oder sogar Monate geht es bei dem Blick nicht, den ich auf das Häuschen werfe. Es geht um Jahre, eher Jahrzehnte.

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Das ist die Zeitspanne, in der aus dem Häuschen Zeitungen und Magazine verkauft wurden. Die Anzeige über dem Verkaufsfenster behauptet das auch noch heute, einzig: Es gibt an und im Häuschen keine Printprodukte mehr. Das Angebot des Marskiosk umfasst: Zigaretten, kühle Getränke, Kaffee, Schnaps und allerlei Unterwegs-Kram, gedruckte Informationen gibt es nicht. Nicht mehr.

Früher – und das ist nicht historisch lang her – wurden hier sehr viele Zeitungen und vor allem Magazine verkauft; bzw. jedenfalls angeboten (wie Google Maps aus dem Jahr 2008 dokumentiert) Heute stehen keine Zeitungsständer mehr vor dem Häuschen, es stecken keine Magazine mehr in der Tür und auf der Theke liegt auch kein bedrucktes Papier mehr.

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Mir ist das aufgefallen als ich unlängst an dem Häuschen vorbei ging. Ich weiß nicht, ob das etwas bedeutet, aber es ist mir aufgefallen – weil mir etwas fehlte. Ich finde, dass zu einem Kiosk Zeitungen und Magazine gehören. Ich kenne es nicht anders und ich finde es (deshalb?) richtig.
Mir ist nicht bekannt, warum es im Marskiosk in München keine Printprodukte mehr gibt. Ich ahne aber, dass ich mich an das Bild, das das Häuschen abgibt, vielleicht gewöhnen muss. Ich ahne, dass Menschen, die früher an dem Häuschen bedrucktes Papier kauften, heute auf anderen Wegen an ihre Informationen kommen. Ich ahne, dass der Kioskbesitzer dabei kein Geld mehr verdient.

Was sagt das Bild eines papierlosen Kiosk den Magazinmachern und Zeitungsjournalisten in diesem Land? Muss es sie beunruhigen? Zu neuem Denken motivieren? Können sie auf den Medienwandel reagieren, als deren Bestandteil ich die zufällige Beobachtung am Straßenrand interpretiere?

Der Innovation-Report der New York Times, den tatsächlich jeder lesen sollte, der sich für digitalen Journalismus und den dadurch begründeten Medienwandel interessiert, gibt darauf eine je nach Perspektive offene wie ratlose Antwort. Die Autoren, zu denen u.a. Arthur Gregg Sulzberger zählt, der gerade zum Strategiemanager der New York Times ernannt wurde, ermutigen einerseits jeden Journalisten dazu, „offen zu sein für neue Ideen und bereit zu sein, mit Traditionen zu brechen“ und mahnen gleichzeitig „geduldig auszuprobieren und von den Dingen zu lernen, die nicht funktionieren.“ In der Zusammenfassung schreiben sie:

Individual reporters and editors can experiment with storytelling forms and learn best practices for promoting their work. We could all spend more time doing what the majority of our readers do: reading on phones, using social networks and paying attention to our newest competitors.

Best in klarem Denken

Wenn im Nachbarhaus jemand umbaut, geht mich das nichts an. Wenn der renovierende Hausbesitzer jedoch all seine Besitztümer vor die Tür setzt stellt und seinen Bauplan öffentlich aushängt, scheint er Interesse daran zu haben, dass sich Menschen eine Meinung über seine Pläne bilden, von denen ich sagen würde, dass sie sich als Unbeteiligte nicht zwingend äußern müssen.

Im Fall des Hamburger Verlagshauses Gruner&Jahr ist jetzt genau eine solche Situation eingetreten. Die Bauherren „Julia Jäkel, Stephan Schäfer und Oliver Radtke“ haben unter der URL transformation-guj.de einen Bauplan ausgehängt, der mich so nachhaltig verwirrt hat, dass ich mir zwei kleine Meinungen erlaube zu dem „Weg voller Abenteuer“, den sie ankündigen. Das Ziel dieses Weges, der mit den Adjektiven „lang“, „einzigartig in der Verlagsbranche“ sowie „schön und attraktiv“ geschmückt wird, lautet: „Wir transformieren G+J vom Zeitschriftenhaus zum Inhaltehaus.“ Denn man vertraut in Hamburg darauf, dass Inhalte auch in Zukunft einen Wert haben. Im Bauplan heißt das: „Wir sind sicher, dass es einen Markt für Quality Content gibt.“

Meinung eins: Wer hat denn diesen Text geschrieben? Man kann doch nicht von „Quality Content“ reden und dann solche Satzbrocken öffentlich aushängen. Absätze wie der folgende sind doch auch irgendwie „Content“, oder?

Unsere Inhalte müssen für unsere Leser und Nutzer hoch relevant sein. Sie müssen so gut sein, das (sic!) niemand mit Interesse für ein spezielles Themengebiet ohne unsere Inhalte auskommen kann. Wir müssen die Qualität unserer Produkte permanent erhöhen, auch und besonders im Zusammenspiel mit Nutzern und Lesern.

Der zitierte „Quality Content“ vermittelt sich doch vermutlich durch Sprache, warum ist dann niemand auf die Idee gekommen, diese zu prüfen? In einem Inhaltehaus sollte es doch jemanden geben, der sich mit Inhalten auskennt und nicht diesen Buchstabenbrei glaubt, der derart deprimierend weit davon entfernt ist, wie ich „Quality Content“ übersetzen würde, dass ich noch immer fassungslos vor dem öffentlichen Aushang vor dem fremden Haus stehe.

Meinung zwei: Warum eigentlich!? Neben dem sprachlichen Schaudern bleibe ich auch inhaltlich ratlos. In den merkwürdigen deutsch-englisch Sätzen stecken zwar zahlreiche Powerpoint-taugliche Schlagwörter, aber keine Antwort auf die Frage, warum man eigentlich davon überzeugt ist, dass Inhalte eine Zukunft haben. Denn wenn das so wäre, hätte man die Interessengemeinschaften, die man zum zentralen Prinzip erhebt und „Community of Interest“ nennt, doch auch „Community of Content“ nennen können. Wenn aber das Interesse das verbindende Element ist und nicht der Inhalt, drängt sich doch die Frage auf: Warum wird das Zeitschriftenhaus dann nicht eigentlich ein Interessenhaus oder zumindest ein Community-Haus? Die Aufmerksamkeit von Menschen zu bündeln, die ein gemeinsames Interesse eint, kann ja durchaus ein ehrenwertes Ziel für einen Verlag der Zukunft sein. In diesem Bündeln spielen Inhalte vermutlich eine Rolle, aber eben nicht (mehr) ausschließlich. Hinzu kämen Aspekte des Community-Buildings, des Gemeinschaft-Stiftens. Das ist jedoch etwas anderes als das Abwerfen von Inhalten über einer Leserschaft, das ist das gemeinsame Interessenteilen von Produzenten und Konsumenten.

Den Eindruck jedoch, dass das Inhaltehaus sich als als Bestandteil der jeweiligen Communitys versteht, vermeidet der öffentliche Aushang. Er behauptet unter dem Punkt „Grundpfeiler“: „Wir denken radikal in Inhalt. Das Medium ist sekundär. Wir agieren in Zukunft plattformneutral.“ Und nur einen Absatz später behauptet der gleiche Aushang: „Best in Print ist unser Anspruch, dem wir gerecht werden wollen.“ Und damit nicht genug: „Genauso wie wir Best in Print als Ziel haben, müssen wir auch Best in Digital sein.“

Dabei wäre, nimmt man die oben genannten Voraussetzungen ernst, der Ansatz doch weder best in print, noch best in digital zu sein das Ziel: Best in Content (oder vielleicht auch best in community) müsste doch die logische Zielsetzung lauten, die man im besten Fall auch auf deutsch sagen könnte.

Wie gesagt, mich geht das nichts an. Ich hatte nur irgendwie gehofft, dass ein Verlagshaus wie Gruner&Jahr, das auf der Website auch ankündigt, „in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen Euro in die Transformation“ zu investieren, ein wenig mehr für Logik und Text übrig gehabt hätte. Denn Auslöser dieses ganzen Prozesses ist die Veränderung der Digitalsisierung. Dass Verlage diese konstuktiv meistern, ist ein sehr tiefer Wunsch von mir. Eine Voraussetzung dafür scheint mir aber, dass man diese überhaupt erstmal versteht und in verständliche Worte fassen kann. Für die Powerpoint-Folie formuliert: Best in klarem Denken.

Print vs. Online – Stupid!

Wenn ich die Idee der Leadawards richtig verstanden habe, geht es dabei ja irgendwie ums Vorne-Dran-Sein und nicht ums Absingen der immer gleichen Leier. Das versuchen die Macher zum Beispiel dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass sie ihr Symposium, das kommende Woche in Hamburg abgehalten wird, mit einer „Walk up registration“ ankündigen. Das ist die Lead-Formulierung für den alten Billig-Friseur-Slogan „Schneiden ohne Termin“. Soll heißen: Man muss sich nicht anmelden.

Der Kongress trägt den Titel „It’s the media, stupid!“ und spielt damit auf den alten Clinton-Slogan „It’s the economy, stupid“ an – jetzt kann man darüber streiten, ob in Zeiten der medialen Konvergenz genau diese Ausrichtung auf „the media“ tatsächlich so vorne dran ist; das sollen aber andere beurteilen. Was ich hingegen beurteilen kann, ist, dass die Konfrontation von Print vs. Online stupid ist, um es in der Lead-Sprache auszudrücken. Das schreiben die Macher über dem Programmpunkt („It’s a battle, stupid“), den sie einen Feldversuch nennen – aber nur weil es so schön in die Clinton-Reihe passt und nicht weil sie beweisen wollen, dass das in der Tat dumm ist.

Zwei Teams treten gegeneinander an und werden „mit demselben Thema gebrieft. Danach haben beide sieben Stunden Zeit, das Thema mit ihren grafischen und journalistischen Mitteln umzusetzen: das Print-Team in einer 20seitigen Magazinstrecke, das Online-Team auf einer Website mit allen digitalen Features und Applikationen.“

Am Ende soll dann das Walk-up-Publikum entscheiden, „welches Medium mehr bietet und besser funktioniert.“ Wofür und für wen steht in der Beschreibung nicht.

Wirklich Lead – im Sinne von vorne dran – wäre es übrigens, wenn die Mitarbeiter des Zeit-Magazins und von Mirko Borsches Gestaltungsfirma, die gemeinsam das Print-Team bilden sowie die Web-Mitarbeiter des Axel-Springer-Verlags (der „wie kein anderes Verlagshaus auf digitale Medien“ – wie Idealo und Stepstone – „setzt“) sich in den sieben Stunden ihres Konkurrenzkampfes darauf einigen, dass sie jetzt gemeinsam ein journalistisches Produkt erstellen, das auf allen Kanälen funktioniert – statt ein Konkurrenzdenken zu bedienen, das schon vor zehn Jahren nicht lead war und es nie mehr wird.

mitmerkel

Update: Offenbar hat das Online-Team gewonnen. Nicht dass ich die Website mit-merkel.de besonders übersichtlich oder zugänglich fände oder dass sie mich journalistisch begeistern würde, sie hat aber einen unschätzbaren Vorteil gegenüber dem Print-Team: ich kann sie sehen!

loading: WASD

Gerade ist die dritte Ausgabe des Computerspielmagazins WASD erschienen – ein alle sechs Monate erscheinendes Bookzine zum Thema Games. Erfunden wurde WASD von Christian Schiffer, Autor, Journalist und Zündfunk-Moderator aus München. Er hat den loading-Fragebogen beantwortet.

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Was machst du?
Ich gebe ein Computerspiel-Magazin heraus. Es heißt „WASD“ und erscheint zwei Mal im Jahr. Eigentlich ist das Magazin aber eher ein „Bookzine“, sprich: eine Mischung aus Magazin und Buch. Wie ein Buch hat es viele Seiten (208) und enthält kaum Werbung. Und so wie Magazin ist es durchgehend aufwändig gelayoutet und erscheint im Vierfarbdruck.

Warum (machst du es so)?
Buch und Magazin auf diese Weise zu kombinieren ist unter ökonomischen Gesichtspunkten ein eher fragwürdiges Unterfangen. Es funktioniert aber, weil ich die WASD durch das Internet direkt an die Kunden verkaufen kann. Und es funktioniert auch deswegen, weil die Käufer freiwillig fünf Euro mehr zahlen „dürfen“, wenn ihnen die Existenz der WASD am Herzen liegt. Das machen zurzeit etwa 30 Prozent der Besteller.

Wer soll das lesen?
Die WASD richtet sich an Gamer, die sich von den „klassischen“ Gamesmagazinen nicht (mehr) angesprochen fühlen. Gamesmagazine sind häufig in erster Linie Testmagazine. In Zeiten, in denen Videospiele als Medium mit gesellschaftlicher Aussagekraft, als Kulturgut und oft sogar als Kunstwerke gelten, wird in klassischen Games-Magazinen immer noch darüber so geschrieben, als handele es sich um Staubsaugerroboter. Die WASD wendet sich an diejenigen, die anders über Computerspiele lesen möchten.

Wie geht es weiter?
Wir hoffen darauf, dass es die WASD noch lange geben wird. Um unseren Optimismus zu unterstreichen, denken wir darüber nach, ab der nächsten Ausgabe den ersten Teil eines WASD-Starschnitt-Posters abzudrucken, so wie damals in der Bravo. Bleiben wir bei zwei Ausgaben pro Jahr, dürften unsere treuesten Leser das erste Poster schon Anfang der 20er Jahre fertig haben!

Was sollten mehr Menschen wissen?
Was für ein tolles Spiel „The Walking Dead“ von Telltale Games doch ist!

>>> Hier kann man WASD kaufen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Liveexperiment: Online-Journalist sein

Man kann das als Bedrohung sehen. Oder doch besser als faszinierendes Liveexperiment bei der vierten Gewalt, an dem man teilnehmen darf. Wenn der Job mal nervt, sollte man sich immer klarmachen: In einigen Jahrzehnten wird man seinen (womöglich genervten) Enkeln erzählen, wie man den Onlinejournalismus mit erfunden hat.

Der Kollege Stefan Plöchinger wird in Kürze seinen Job als Chefredakteur bei sueddeutsche.de antreten. Vorher hat er für Christian Jakubetz‘ Journalistenbuch einen Text übers Blattmachen im Netz verfasst (hier eine Leseprobe), den ich jedem und jeder dringend zur Lektüre empfehle.

Außerdem gibt es hier weitere Informationen zu dem Buch – sowie die Möglichkeit, das Buch direkt zu bestellen.

„Die journalistischen Formen werden vielfältiger“

In diesem Frühjahr bekommt sueddeutsche.de einen neuen Chefredakteur. In der in diesen Tagen erscheinenden Netzwerk-Recherche Veröffentlichung Online-Journalismus hat Stefan Plöchinger Thomas Leif ein paar Fragen beantwortet – zum Beispiel die nach Trends für die nächsten fünf Jahre:

Fünf Jahre sind im Netz kaum zu überblicken. Für die kommenden zwei Jahren wäre meine Prognose: Die journalistischen Formen werden vielfältiger, das Layout hoffentlich kreativer und übersichtlicher, und wir müssen uns mit alternativen Plattformen auseinandersetzen. Redaktionen müssen in Social Networks präsenter werden. Wir brauchen attraktive Sites für Smartphones, Tablets, vielleicht sogar Fernseher, denn die Leute lesen uns längst nicht mehr nur am Rechner. Das ist mehr als eine technische Frage, sondern auch eine blattmacherische: Was ändert es, wenn Menschen unsere Site unterwegs oder im Wohnzimmer abrufen?

Nicht nur das Interview ist sehr interessant, die gesamte Publikation ist empfehlenswert. Sie kann hier als PDF herunter geladen werden. Den „gedruckten Band können Sie gegen Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten und adressierten DIN C5-Umschlags“ bestellen, schreibt mir der Kollege Thomas Mrazek, der für den Band auch mir ein paar Fragen stellte.

Nur online: Über die Beschränkung des Netz

Unter dem Titel Wikileaks und wir schreibt Hans-Martin Tillack in seinem Rechercheblog auf stern.de über das Netz- und Journalistenthema dieser Tage: Julian Assange und Wikileaks. Er lobt die Seite und verweist auf Dokumente, die der Stern via Wikileaks zum Thema Toll Collect bekommen hat. Die Kooperation liegt ein Jahr zurück und Tillack schreibt:

Wir bekamen die Unterlagen vorab, prüften sie, wie es sich gehört, mühsam auf Authentizität und Relevanz und veröffentlichten schließlich einen Artikel, über zwei Seiten. Wikileaks-Chef Julian Assange war allerdings nur teilweise glücklich über die Kooperation mit dem stern. Wikileaks hatte erbeten, dass wir auch ihr Projekt in größerer Form im gedruckten stern vorstellen. Den Wunsch schlugen wir angesichts der vergleichsweise begrenzten Relevanz der Maut-Enthüllung ab. Und beschränkten uns auf ein Wikileaks-Portrait auf stern.de.

Diese Porträt (verfasst von Tillack) ist in dem Blog-Eintrag verlinkt. Es ist also noch präsent, les- und verfügbar. Wäre es im gedruckten Stern erschienen, wäre dies nicht ganz so sicher. Womöglich wäre es in den Papier-Archiven verschwunden, heute nicht mehr verlink- und auch nicht online verfügbar. Dennoch schreibt Tillack von einer Beschränkung.

Ich finde diesen Randaspekt an dem Text deshalb so erstaunlich, weil es sehr viele Journalisten gibt, die so denken: Die Online für eine Beschränkung halten, die denken, ein Text sei nur online und deshalb weniger wert. Diese Hauptsache-Print-Haltung erstaunt mich. Denn oftmals ist es doch gerade umgekehrt: Was online nicht auftaucht, existiert für viele Leser gar nicht, löst keine Anschluss-Debatten aus und sorgt für entschieden weniger Rückmeldungen. Alles Dinge, die ich reizvoll finde am Publizieren.

Besonders erstaunlich ist diese Beschränkungs-Bemerkung, weil sie in einem Weblog steht, das Wikileak lobt. Also in einem Netz-Medium, in dem die Möglichkeiten eines Angebots herausgestellt werden, das ohne das Internet nicht möglich wäre.