Alle Artikel mit dem Schlagwort “leserkommentar

Der Soundcloud-Kommentar

Wir müssen nochmal über die Beastie Boys und ihr neues Album namens Hotsauce Committee Part Two sprechen. Das kann man im Stream auf Soundcloud anhören. Das sieht dann so aus …

Hot Sauce Committee Part Two by Beastie Boys

… und das mit dem Aussehen ist nicht so daher gesagt. Denn während man die drei New Yoker rappen hört, sieht man die Soundcloud-Nutzer kommentieren. Ich habe zwar keine Ahnung, was die Nutzer dazu treibt Kommentare wie

Old School Beastie Boys. The long wait is over.

oder

Cowbeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeell!!Awesome boys!

mitten in den Song reinzuschreiben, aber es gefällt mir. Es bringt das hier und da diskutierte Kommentieren im Netz auf eine neue Ebene, es bindet den aktiven Rezipienten mitten im Song ein und ich prophezeie: Es ist nur ein Frage der Zeit bis wir DJ-Lesungen im Twitkrit-Stil live erleben, in deren Rahmen Lieder gespielt und mit parallel gelesenen Kommentaren erweitert werden.

P.S.: Womöglich ist das ein sehr alter, sehr abgetragener Hut. Dann: Umso besser!

P.P.S.: Man kann das Album übrigens auch kaufen – in sehr interessanten Verpackungs-Verbindungen.

Kein Kommentar

Kersten Riechers und Tobias Reitz haben eine Präsentation über Kommentarkultur in deutschen Nachrichtenmedien ins Netz gestellt. (via )


Es kommen Roland Tichy, Markus Hofmann, Frank Thomsen und Wolfgang Blau zu Wort. Es wird kritisiert, dass Medien Kommentatoren noch immer wie Leserbrief-Schreiber behandeln und keinen echten Dialog führen. Leider wird aber nicht erläutert, warum Medien diesen Dialog suchen sollten.

Wenn der Umgang mit Leserkommentaren im Netz so ist wie mit Leserbriefen bisher, dann heißt das ja zunächst: Es ist alles wie immer. Warum sollte sich daran jetzt etwas ändern? Riecherts und Reitz liefern darauf keine befriedigende Antwort – und sie sind damit nicht alleine. Es ist dem Online-Journalismus in Gänze bisher nicht ausreichend geglückt, darzustellen, warum Journalisten sich dem Dialog mit ihren Lesern im Netz öffnen sollen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass die (begründunslose) Behauptung, sie müssten dies tun eher dazu führt, dass die Offline-sozialisierten Kollegen sich dem versperren. Journalisten mögen nicht, wenn man ihnen sagt, sie müssten etwas tun – schon gar nicht, wenn dies nicht gut begründet ist.

Da es aber dringend nötig ist, dass dieser Dialog aufgenommen wird (Negativ-Beweise für missglückten Dialog gibt es in großer Zahl), sollten wir uns vielleicht in Zukunft mehr darauf konzentrieren, die Notwendigkeit der dialogischen Öffnung zu begründen.

Ansätze dafür habe ich im vergangenen Sommer im Rahmen von fünf Thesen zu liefern versucht. Dabei geht es mir darum – wie in einem gestern im Rahmen des IFP München geführten Interviews beschrieben – die Veränderungen der Digitialisierung neu zu denken. Vielleicht sind Medien ja mehr als bloße Inhalte-Kanäle, vielleicht müssen wir sie als Versammlungsorte (vergleichbar einem Restaurant) denken, in denen Menschen sich bewegen können. Das würde nicht nur helfen, der Paid-Content-Debatte Innovationen beizusteuern, es liefert auch einen Begründungsansatz, warum wir uns als Journalisten dem Dialog im Netz nicht entziehen können und sollen: Weil ein Restaurantbesitzer auch seinen Job verliert, wenn er sich weigert, mit den Gästen zu sprechen.

T2E: Debatten im Netz

Im Juni lobte die Jury des Scoop-Ideenwettbewerbs des Axel-Springer-Verlags, das Projekt Talk2enemy habe das Potenzial, „eine neue Streitkultur zu entwickeln und so auch eine junge Zielgruppe anzusprechen“. Heute nun ist das Debatten-Portal offiziell gestartet.

Via Facebook und vor allem auf YouTube konnte man schon vorher auch als unbeteiligter Zuschauer Einblick in die vermeintlich neue Debatten-Kultur nehmen. Zu sehen bekommt man Videoblogger, die in zwei Lager geteilt über eine Frage diskutieren – und zwar in Form von jeweils etwa dreiminütigen Clips. Angeleitet wird das ganze von einem „erfahrenen Konfliktcoach“ als Moderator.

Ich bin durchaus gespannt, wie sich diese Versuchsanordnung entwickeln wird. Denn die „neue Debatten- und Streitkultur im Netz“, die T2E verspricht, würde mich sehr interessieren. Doch gelingt diese tatsächlich, wenn man schon im Titel einen „Enemy“ beschwört und am Ende nicht die besseren Argumente gewinnen lässt, sondern einen Diskutanten als Sieger küren will?

Auch frage ich mich, ob die Konzentration auf das Format Video tatsächlich im Sinne einer Netzdebatte ist oder ob dieses nicht eher der „Dokumentation auf dem ZDF Infokanal“ dient, die „den Verlauf der Debatte“ anschließend abbilden soll? Netzdebatten, die mir bisher bekannt sind, laufen in Kommentaren und selten in Clips. Das macht sie häufig so schwer steuerbar, weil sie spontan und oftmals emotional sind. Die Einstiegshürde ist niedrig.

Bei Talk2Enemy ist die Einstiegshürde hoch. Man muss sich als Videoblogger bewerben oder ausgewählt werden, wird dann mit Laptop und Kamera ausgestattet und geschult. Anschließend diskutieren die zehn Teilnehmer drei Monate lang in „zwei gegensätzlichen Lagern“, die mich auch durch die zumindest verbesserungswürdige Einstiegsdebatte (Lager arm und Lager reich zur These: In Deutschland gibt es keine Armut!) fatal an das RTL2-Bigbrother-Haus erinnern. Das wiederum kann aber auch an der Dauer der Debatte liegen, deren Ziel mir genauso unklar bleibt wie die netzuntypische Debatten-Distanz: Wird man sich wirklich 12 Wochen lang für dieses Thema begeistern, während das Land gerade über einen Bahnhof in Stuttgart, die Integration in Deutschland und die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken diskutiert?

Ich würde mir wünschen, dass von T2E ein Impuls für die Netzdebatte in Deutschland ausginge, habe daran aber erhebliche Zweifel. Denn das Netz wird hier als der Ort gesehen, an dem die Auseinandersetzungen ausgetragen werden, sondern eher wie der Verbreitungskanal verstanden, über den eine (dank vorheriger Schulung) durchaus gelenkte Debatte versendet wird. Welche Rolle dabei die wirklichen Leser spielen, wird sich zeigen. Bisher gibt es ganze fünf Leserkommentare, einer davon stammt von der Agentur Mediaturns, die an der Umsetzung des Projekts beteiligt war.

In Kategorie: Netz

Mega-Trend: der aktive Rezipient

Es gibt einen Megatrend, der hin geht uÃàber alle Altersgruppen hinweg, dass es nicht nur das passive Lean-Back-Verhalten vor dem Fernseher oder vor der Zeitschrift gibt, sondern dass es zunehmend im Onlinebereich die Tendenz gibt, sich autark die Inhalte zusammenzusuchen, zusammenzustellen, also tatsaÃàchlich so etwas wie ein Redakteur seiner eigenen Nachrichten oder seiner eigenen Informationen zu sein. Und auf der anderen Seite das BeduÃàrfnis zu publizieren. Das heißt nicht, dass jeder seinen eigenen Blog haben muss und gleich auf Twitter aktiv sein muss ‚Äì auch, aber nicht nur. Es kann auch durchaus sein, dass der einzelne Opa oder Oma im Internet eben die Familienbilder, die Familienvideos dort auf eine Website einpflegt und einem groÃàßeren Kreis zur VerfuÃàgung stellt, der Familie, den Bekannten.

Für die sehr empfehlenswerte SWR2-Sendung Das Mulitmedium beschreibt Dirk Asendorpf, wie im Internet Fernsehen, Hörfunk und Zeitung zusammenwachsen. Dafür lässt er den Unternehmensberater Klaus Böhm (Deloitte) zu Wort kommen, der in der Sprache eines Unternehmensberaters zusammenfasst, was das Besondere und Revolutionäre am Internet ist: es macht den Rezipienten aktiv!

Woran Communities scheitern

Businesses launching online communities repeat a series of blunders. First, they have a tendency to get seduced by bells and whistles and blow their online-community budget on technology. Moran suggests that businesses spend resources identifying and reaching out to potential community members instead of investing in software that makes predictions, or even social-networking technology.

Moran also recommends that businesses put someone who has experience running an online community in charge of the project. This doesn’t sound particularly earth-shattering, but consider that about 30% of the businesses Deloitte studied have only one part-time worker in charge of their communities. Most other businesses put a single marketing pro in charge of their sites.

Das WallStreetJournal erläutert Why Most Online Communities Fail (via)

Kommentierbare Reklame auf Facebook

In addition, the site is testing an ad placement that allows users to comment on whatever brand is being advertised, and read their friends comments, again, without being asked to click on an ad that takes them elsewhere. Ads for the recent Dreamworks movie Tropic Thunder have been featuring this tactic, which also alerts a users’ friends about their comments.

Mediaweek vermeldet: Facebook Tests New Ad Offerings und berichtet über kommentierbare Banner, die nicht mal mehr geklickt werden müssen. Stattdessen darf der Nutzer seine Meinung sagen.

In Kategorie: Netz

Die Reihenfolge von Leser-Kommentaren

Das Verhältnis von Journalisten und Lesern ist – wie hier beispielhaft erwähnt – nicht immer ganz leicht. Die so genannten Leserkommentare wirken oft wie eine von vielen Nachrichten-Angeboten mitgeschleppte, ungeliebte Pflichtaufgabe. Anders als in Blogs werden die Kommentare eher als Problem denn als Bereicherung wahrgenommen.

Man kann dafür viele Gründe finden. Und man kann dafür zahlreiche Lösungsansätze ersinnen (wie hier, hier und hier angedeutet), man kann aber auch mal bei einer ganz einfachen Sache anfangen: bei der Reihenfolge.

In Blogs werden Leser-Kommentare in chronologischer Reihenfolge dargestellt. Wer zuerst kommentiert, wird oben dargestellt. Nachfolgende Kommentare folgen auch nach, so können Bezüge und Entwicklungen im Wortsinn nachgelesen werden. Wer selber mal einen Kommentar verfasst hat, weiß welche Vorzüge diese Reihenfolge gegenüber der umgekehrt chronologischen Sortierung hat.

Und wie wird auf deutschen Nachrichten-Websites kommentiert? Einige zufällig ausgewählte Beispiele:

STERN

Das hier stern.de von heute abend:

http://www.stern.de/olympia2008/wettkampf/weiteresportarten/:Gewichtheber-Matthias-Steiner-Es-Sieg-Susann/635340.html

Klickt man auf einen der Kommentare, landet man auf dieser ausgeklappten Übersicht. Auch hier sind die Kommentare umgekehrt chronologisch sortiert – und zwar je zehn auf einer Seite. Dann muss man klicken.

FOCUS

Es bedarf eines zusätzlichen Klicks, um bei Focus Online herauszufinden: Auch hier steht das Datum über dem Zusammenhang. Klickt man (im Beispiel) auf „Weitere Kommentare“, sieht man: Es gibt einen weiteren Kommentare, der jedoch schon älter ist:

http://www.focus.de/sport/olympia-2008/hintergrund/olympia-ente/witts-olympia-ente-suess-sauer-von-wegen-kein-kommentar_aid_325609.html

MEEDIA

Auch bei Meedia (immerhin frisch gestartet) wird – wie dieses Beispiel zeigt – in umgekehrter Reihenfolge kommentiert:

http://meedia.de/menu/home/details/article/Focus%20Online%20setzt%20auf%20Videos_9144/23/

WELT

Auch Welt Online sortiert nach dem Motto: Datum vor Bezug. Dieses Beispiel liefert aber eine mögliche Begründung:

http://www.welt.de/politik/arti2349102/Die_Nato_zeigt_sich_ratlos_im_Umgang_mit_Russland.html

Man sieht auf den ersten Blick, wenn etwas aus dem Ruder läuft, respektive wenn die Kommentare geschlossen sind. Aber will man das?

FAZ

Auch bei faz.net vertraut man auf dieses System. Sogar so sehr, dass die Lesermeinungen, wie das folgende Bild zeigt, es bis auf die Startseite schaffen. Dort wirken sie umgekehrt chronologisch und ohne bezugnehmenden Artikel jedoch etwas verloren:

http://www.faz.net/s/homepage.html

TAZ

Auch bei der taz.de stellt man die Chronologie über den Zusammenhang. So muss man auch dort Kommentare wie im Beispiel lesen, die mit „zu Markus“ beginnen.

http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/georgien-muss-in-die-nato/

Interessanterweise sind die Kommentare im Bereich der Blogs auf taz.de übrigens anders sortiert – wie man am Beispiel dieses Beitrags aus Daniel Erks sehr empfehlenswerten Hitler-Blogs ersehen kann.

Und sonst?
heise.de und Spiegel Online haben ihre Leserdebatte in so genannte Foren ausgelagert. Zeit Online nennt sein Forum Community, in die unter den Texten verlinkt wird. Die dort aufgelisteten Kommentare sind ebenfalls umgekehrt chronologisch sortiert.

Fazit
Vielleicht liege ich falsch und die Mehrzahl der (hier ausgewählten) Nachrichten-Sites liegt richtig. Vielleicht aber wäre in der schwierigen Beziehung von Journalisten und kommentierenden Lesern schon viel gewonnen, würde man deren Beiträge nicht in unverständlicher Reihenfolge, sondern nachvollziehbar sortiert veröffentlichen.

Disclosure: Ich arbeite in der Redaktion von jetzt.de und als Kolumnen-Autor (Die Regeln des Web) für sueddeutsche.de. Die dortigen Leser-Kommentare sind ebenfalls umgekehrt chronologisch sortiert. Bei jetzt.de erfolgt die Sortierung in chronologischer Reihenfolge.