26 Dinge, die mich an Ted Lasso faszinieren – mein optimistisches Ted-Lasso-ABC

In dieser Woche startet nach längerer Pause die vierte Staffel der TV-Serie „Ted Lasso“. Hauptdarsteller Jason Sudekis wird vorab mit den Worten zitiert: „Es ist ansteckend, eine Figur zu spielen, die das Beste in den Menschen sieht und der Welt trotz all ihrer Schwächen, Tyrannen und Schatten nichts übel nimmt. Ich bin zwar nicht Daniel Day-Lewis, aber es war schön, in dieser Rolle zu leben – zu spüren, wie das den ganzen Tag durch meinen Kopf und meinen Körper strömt. Das ist immer noch so.“

Ich glaube, dass dieses Gefühl nicht nur für den Hauptcharakter der Serie ansteckend ist. Auch beim Zuschauen entwickelt sich der Glaube ans Gute im Menschen. Deshalb mag ich die Serie. So sehr, dass ich mich in Vorbereitung der vierten Staffel mit meinen Lieblingsmomenten beschäftigt habe (ich habe dafür eine Art algorithmische Recherche auf Instagram genutzt: ich habe so viele Ted-Lasso-bezogene Inhalte konsumiert, dass mir innerhalb von wenigen Minuten eine schöne Revue von guten Szenen vorgeführt wurde).

Herausgekommen ist ein ABC mit tollen Szenen, inspirierenden Lebensweisheiten und der Bereitschaft zum Guten. Ich halte dieses ABC hier fest, weil ich glaube, dass in der Serie mehr steckt als Fußball und Popkultur.


Dieser Text ist Teil meines Newsletters, der immer am Ende des Monats erscheint. Du kannst ihn hier kostenfrei bestellen. Ich würde übrigens nicht widersprechen, wenn jemand behaupten würde, dass Spuren von Ted Lasso auch in meinem TEDx-Talk „Demokratischer Optimismus“ zu finden sein könnten.


Abseits

Direkt in der ersten Folge der ersten Staffel fragt der Journalist Trent Crimm (anfangs immer mit dem Zusatz „The Independent“, nach Kündigung nur noch „Independent“), ob der US-Football-Coach Lasso überhaupt wisse, was abseits im Soccer-Fußball sei. Ted antwortet wie er immer bei den Pressekonferenzen antwortet: mit einem schönen Vergleich.Mit dem Abseits verhalte es sich wie mit der Pornografie, wie der US-Supreme Court schon 1964 erklärt habe: „Es ist nicht leicht zu erklären, aber man weiß es, wenn man es sieht.“

An dem Thema lässt sich übrigens sehr schön illustrieren, wie die Serie nicht nur externe Referenzen zieht, sondern auch interne Bezüge herstellt: in der Abschlussfolge von Season 3 ist Ted der einzige aus dem Trainerteam, der bei einem Gegentor ruhig bleibt – er hat erkannt, was der Videoschiedsrichter dann auch erklärt: das Tor war abseits.

Believe

Das gelbe „Believe“-Schild ist ähnlich wie der >Goldfisch eines der bekanntesten Symbol der Serie. Ted klebt es zu Beginn seiner Tätigkeit in der Kabine über die Tür. Seinen eigentlichen Wert entfaltet das Schild aber erst, als es kaputt geht. Ted hält darauf hin eine seiner erstaunlichen Kabinen-Ansprachen, in deren Verlauf er das Schild zerreißt (dass es am Ende von allen wieder zusammengefügt wird, liegt an der Wholesomeness der Serie). Der wichtigste Gedanke seiner Rede:

Believe entsteht nicht einfach so, nur weil man etwas an die Wand hängt. Okay? Er kommt von hier drinnen (deutet auf seine Brust). Versteht ihr? Und von hier oben (deutet auf seine Kopf). Und von hier unten (streicht über seinen Bauch).

Das einzige Problem ist, dass in uns allen so viel Ballast herumschwirrt, dass wir uns oft selbst im Weg stehen. Du weißt schon, so ein Mist wie Neid, Angst oder Scham. Mit diesem Scheiß will ich mich nicht mehr herumschlagen. Du weißt, was ich meine. Oder?…

Weißt du, womit ich mich beschäftigen will? Mit dem Glauben, dass ich wichtig bin … ganz gleich, was ich erreiche oder nicht. Oder mit dem Glauben, dass wir alle es verdienen, geliebt zu werden, egal ob wir verletzt wurden oder vielleicht selbst jemanden verletzt haben. Oder wie wäre es mit dem Glauben an die Hoffnung? Ja? Damit will ich mich beschäftigen.

Daran zu glauben, dass es besser werden kann. Dass ich besser werden kann. Dass wir besser werden. Oh Mann. An sich selbst zu glauben. Aneinander zu glauben. Mann, das die Grundlage des Lebens. Und schau mal, wenn du das schaffst, wenn jeder von euch das wirklich schafft, kann das niemand zerstören.

Chance, zweite

Fehler zu machen, zu verzeihen und eine zweite Chance zu gewähren und zubekommen, ist eine der grundlegenden Geschichten der Serie. Dass es beim >Vergeben vielleicht weniger um die anderen Person geht, sondern um jene, die das Vergeben übt, steht weiter unten. Hier sei auf die zweite Chance hingewiesen, die die >Diamond Dogs ihrem Co-Trainer Nate gewähren. In der Herleitung spricht Ted die berühmten Worte:

Ich hoffe, dass wir alle – oder keiner von uns – nach den Taten unserer schwächsten Momente beurteilt werden, sondern vielmehr nach der Stärke, die wir zeigen, wenn uns eine zweite Chance gegeben wird.

Diamond Dogs

Eine Gruppe von Männern, die sich ehrlich austauschen. Das sind die Diamond Dogs, über die das Ted-Lasso-Fandom-Wiki schreibt: “Zu der Gruppe gehören Ted, Coach Beard, Nathan Shelley und Leslie Higgins, die versuchen, Beziehungsprobleme sowohl innerhalb der Gruppe als auch bei den einzelnen Mitgliedern zu lösen. Andere Namen für die Gruppe waren „Ted Lassos Personal Dilemma Squad“, „The E.Q. Warriors“, „The Knights of Support“ und „The Proud Boys“, was Nate zum Erbrechen bringt und allen anderen Unbehagen bereitet. Nate schlägt daraufhin den Namen „The Diamond Dogs“ vor, da sie vom AFC Richmond kommen und deren Maskottchen ein Windhund ist. Alle stimmen dem Namen zu, und Higgins heult zustimmend.” 

Erfolg

Es gehe nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sagt Ted Lasso im Gespräch mit Trent Crimm. Es gehe um die Verbesserung seiner Spieler (siehe >Perfektion):

“Ich sage das noch einmal, nur damit du nicht dachtest, dass es ein Fehler war, als ich es das erste Mal gesagt habe. Für mich geht es beim Erfolg nicht um Siege und Niederlagen. Es geht darum, diesen jungen Leuten zu helfen, auf und neben dem Spielfeld die beste Version ihrer selbst zu sein. Und es ist nicht immer einfach, Trent, aber es ist auch nicht einfach, erwachsen zu werden, ohne dass jemand an dich glaubt.”

Fussball

Die große Metapher der Serie. Fußball ist Dauerthema und Referenz, aber dennoch ist Ted Lasso eigentlich keine Fußball-Serie. Auch wenn Rebecca in Folge zehn der dritten Staffeln eine große Fußball-Ansprache hält, die ohne Probleme als Referenz auf Fifa- oder Super-League-Pläne gelesen werden kann:

Ich meine, wie viel Geld brauchen Sie wirklich? Warum sollten Sie jemals daran denken, etwas von Menschen zu nehmen, die so viel für sie bedeuten? Das ist kein Spiel. Fußball ist nicht nur ein Spiel. Es ist eines dieser unglaublichen Dinge im Leben, die dich einen Moment lang wie Scheiße fühlen lassen und dann gleichzeitig wie ein Weihnachtsmorgen. Es hat die Fähigkeit, aus gewöhnlichen Männern Helden und Bösewichte zu machen. Die Leute lieben dieses Spiel. Mein Vater liebte dieses Spiel. Ihr alle habt dieses Spiel geliebt, da bin ich mir sicher. 

Goldfisch

Das Konfuzius-Zitat “Es schadet nichts, wenn einem Unrecht geschieht. Man muß es nur vergessen können.” wird in der Serie durch das Erinnerungsvermögen des Goldfischs illustriert. Im Gespräch mit Sam fragt Ted: “Weißt du, welches Tier das glücklichste auf der Welt ist? Der Goldfisch. Weißt du warum? Er hat ein Gedächtnis von zehn Sekunden. Sei doch einfach ein Goldfisch, Sam.”

Hoffnung

Mae Green betreibt den Pub “The Crown and the Anchor” in Richmond. Von ihr stammt der Satz: “Aw, Ted. Haven’t you lived here long enough to realize? It’s the hope that kills you.” So heißt dann auch die Episode, in der Ted auf die vermeintliche negative Wirkung von Hoffnung Bezug nimmt. Es ist das Finale der ersten Staffel und Ted beendet seine Ansprache so:

“Also, ich hab hier bei euch diesen Spruch gehört, von dem ich nicht so begeistert bin: „Es ist die Hoffnung, die dich umbringt.“ Kennt ihr den? Da bin ich anderer Meinung, wisst ihr? Ich glaube, es ist der Mangel an Hoffnung, der einen erwischt. Seht ihr, ich glaube an die Hoffnung. Ich glaube an den Glauben. Nun, da, wo ich herkomme, haben wir auch ein Sprichwort. Eigentlich eher eine Frage. „Glaubt ihr an Wunder?“ Nun, ich will nicht, dass ihr diese Frage für mich beantwortet … aber ich möchte, dass ihr sie euch selbst beantwortet. Genau jetzt. Glaubt ihr an Wunder? Und wenn ja … dann möchte ich, dass ihr euch jetzt alle mit mir im Kreis aufstellt. Kommt schon. Los geht’s.

Iteratives Denken

Weniger beachtet, aber nicht minder wichtig: In der Richmond Kabine hängt neben dem >Believe-Schild das Motto des Clubs auf Latein. Es lautet: Gradarius Firmus Victoria was man vereinfacht übersetzen kann als “in kleinen Schritten dem Sieg entgegen gehen”.

Jamie Tartt

Ich wollte das J eigentlich dem Begriff Jungs widmen, weil die Serie auch eine sehr gegenwärtige Auseinandersetzung mit überkommenden Männerbildern ist. Aber einer der zentralen Jungs im Team ist eben Jamie Tartt, der von Phil Dunster gespielt wird. Vermutlich ist er in der neuen Staffel nicht mehr mit dabei, deshalb widme ich ihm diesen Buchstaben. Auch weil er in einer der wunderbarsten Szene der Serie aktiv teilnimmt: Er bringt seinem Widersacher/Freund/Vorbild Roy Kent in Amsterdam nachts Radfahren bei.

Kansas

Heimatort von Ted Lasso, an den er am Ende des Bogens, der über die ersten drei Staffeln gespannt wird, auch zurückkehrt. Neben zahlreichen Anspielungen und Referenzen, die sich durch den Unterschied Richmond vs. Kansas ergeben, ist vor allem Teds Mantra “Barbeque Sauce” wichtig. Er spricht sich damit selbst Mut zu – zum Beispiel als er in der Neugier-Szene im Dartspiel gegen Rupert und für den Club gewinnt.

Lasso, Ted

Name des Titelhelden. Der Punkt steht hier nicht wegen des Erkenntnisgewinns, sondern um einige zentrale Eigenschaften zu sammeln, die mit Ted Lasso verbunden sind (abseits von seinem Schnauzbart): Er macht Biscuits für seine Chefin Rebecca (offizielles Rezept übrigens hier im Emmy-Magazin zur Serie), nutzt sie als Metapher (“Du weißt was man mit harten Keksen tut? Sie in Milch tunken.”) und verbreitet eine positive Atmosphäre. Hier zum Beispiel mit einer Märchen-Metapher:

Märchen fangen weder im dunklen Wald an, noch enden sie dort. Das ist nur etwas, das genau in der Mitte der Geschichte auftaucht, aber am Ende wird alles gut. Vielleicht läuft es nicht so, wie du es dir vorstellst oder wie du es dir erhoffst. Aber glaub mir, am Ende wird alles gut, genau so, wie es sein soll.

Mannschaft

Fußball ist ein Mannschaftsport. Deshalb funktionert er als Metapher für das persönliche Wachstum, um das es in der Serie immer wieder geht. Weil die Gemeinschaft der Mannschaft dabei eine wichtige Rolle spielt. Zum Ende der ersten Staffel verliert die Mannschaft das letzte Spiel unglücklich gegen Manchester City – nach großem Kampf. Ted tritt vor die Mannschaft und sagt diese Worte:

„Das ist ein trauriger Moment. Für uns alle. Und es gibt nichts, was ich sagen könnte, während ich gerade so vor euch stehe, das diesen Schmerz lindern könnte. Aber tut mir bitte diesen Gefallen, ja? Hebt eure Köpfe und schaut euch hier im Umkleideraum um. Ja? Schaut euch alle anderen hier an. Und ich möchte, dass ihr dankbar seid, dass ihr diesen traurigen Moment gemeinsam mit all diesen anderen Leuten durchlebt. Denn ich verspreche euch: Es gibt etwas Schlimmeres als traurig zu sein, und das ist, allein und traurig zu sein. Niemand in diesem Raum ist allein. Lasst uns jetzt traurig sein. Lasst uns gemeinsam traurig sein. Und dann können wir ein verdammter Goldfisch sein. Auf geht’s. Vorwärts.“

Diese Haltung zur Gruppe spiegelt sich auch am Beginn der Serie als Ted mit dem hochtalentierten Jamie Tartt zu kämpfen hat, der sehr viel von sich selbst und wenig von der Mannschaft hält. Ted spricht ihn nach dem Spiel an:

Ich kann ehrlich sagen, dass du der beste Sportler bist, den ich je trainiert habe. Du bist wirklich großartig in allem, was du da draußen machst. Bis auf eine Sache. Jamie, ich glaube, du bist dir so sicher, dass du einer aus einer Million bist, dass du manchmal vergisst, dass du da draußen nur einer von elf bist. Wenn du nur einen Weg findest, dieses „Ich“ in ein „Wir“ zu verwandeln: Dann sind dir keine Grenzen gesetzt.

Neugier

Die vielleicht bekannteste Szene der Serie, aus der achten Folgen der ersten Staffel Ted spielt Dart gegen Rebeccas Ex-Mann Rupert. Der Einsatz ist hoch. Rupert holt seine eigenen Pfeile aus der Tasche – und alle denken, Ted sein Anfänger im britischen Darts-Sport. Aber die Menschen hätten ihn sein ganzes Leben lang unterschätzt, beginnt Ted an zu erzählen, während er die zum Sieg erforderliche Serie aus Tripple20 und Bulls-Eye wirft: 

“Mein ganzes Leben lang haben mich die Leute unterschätzt. Jahrelang habe ich nicht verstanden, warum. Das hat mich früher wirklich gestört. Aber eines Tages, als ich meinen kleinen Sohn zur Schule fuhr, sah ich dieses Zitat von Walt Whitman an einer Wand stehen. Darin hieß es: „Sei neugierig, urteile nicht.“ Das gefällt mir.” 

Oklahoma

Code-Wort im Verhältnis von Rebecca und Ted. Wann immer einer der beiden Oklahoma sagt, ist der andere verpflichtet die Wahrheit zu sagen.

Perfektion

Besser Fehler zu machen, zu wachsen statt sich an zu perfekten Zielen zu messen – das ist ein wichtiger Aspekt der Serie. Er wird sehr gut in einer Szene zusammengefasst, in der die >Diamond Dogs zusammensitzen und über Herausforderungen und Wachstum sprechen:

„Veränderung heißt nicht, perfekt sein zu wollen. Perfektion ist langweilig. (…) Menschen werden nicht perfekt sein. Das Beste, was wir tun können, ist immer wieder um Hilfe zu bitten, und sie anzunehmen. Und wenn du das immer wieder tust, wirst du dich immer weiter verbessern.“

Queer

„Coach, hast du gerade Schwulsein mit Fan der Denver Broncos zu sein verglichen?” fragt Colin nachdem Ted Lasso eine Kabinenansprache zu der Frage gehalten hat, ob es eine Rolle spiele, dass Colin schwul ist. Teds Antwort: “Das stimmt. Und es tut mir leid.” Abseits vom American-Football-Bezug sagte er das:

Moment mal. Moment mal, im Ernst. Colin, es ist uns nicht egal.

Als ich in Kansas City aufgewachsen bin, hatte ich einen Kumpel namens Stevey Jewell. Der war ein riesiger Fan der Denver Broncos. Aber wir sind alle mitten im Land der Chiefs [dem Erzrivalen] aufgewachsen. Deshalb musste er sich deswegen oft Spott anhören, weißt du? Aber ich? Ich, ich habe ihm gesagt, dass das meine Gefühle für ihn überhaupt nicht beeinträchtigt hat, weißt du? Ich habe ihm gesagt, dass es mir „egal“ sei. Und das war es auch, weißt du.

Aber dann, in den 19… wann war das noch, ’97, ’98, musste er zwei Super-Bowls hintereinander, in denen die Denver Broncos spielten, ganz allein anschauen. Beim ersten hat er ganz allein einen ganzen „Seven-Layer-Dip“ von Price Chopper verputzt. So ein riesiges Ding. Und das hat ihm den Magen total durcheinandergebracht. Anscheinend hat er die Toilette im Keller seiner Eltern kaputtgemacht. Ich erinnere mich, dass damals das Gerücht kursierte, er hätte einen Schaden in Höhe von 9.000 Dollar angerichtet. Kannst du dir das vorstellen? An einer Toilette. 9.000 Dollar.

Im nächsten Jahr hat er genau dasselbe gemacht. Ganz allein. Er muss wohl gedacht haben, das bringe Glück oder so. Ich weiß es nicht. Weil ich nicht dabei war. Weil es mir „egal“ war.

Aber es hätte mir nicht egal sein sollen. Verstehst du? Ich hätte ihn unterstützen sollen. Ich hätte in beiden Jahren bei ihm zu Hause sein sollen. Um diesen Sieben-Schichten-Dip mit meinem Freund zu teilen, während sein beschissenes Team zwei Super Bowls hintereinander gewinnt.

Richmond

Stadteil im Südwesten von London – und Heimat das fiktiven Premiereleague-Clubs AFC Richmond, der zwar erfunden sein mag, aber dennoch Trikots und Merchandise anbietet. Gedreht wurden die Stadion-Szenen übrigens im Stadtteil Croydon im Selhurst Park, dem Stadion von Crystal Palace.

Spielfreude

Wenn sich die Coaching-Philosophie von Ted Lasso auf ein Wort runterbrechen lässt, dann ist es Spielfreude. Roy Kent illustriert dies in der fünften Folge der zweiten Staffel. Er nimmt seinen Mitspieler Issac mit auf einen Bolzplatz und lässt ihn dort spielen – dann sagt er: 

„Ich habe dich hierher gebracht, um dich daran zu erinnern, dass Fußball ein verdammtes Spiel ist, das du früher als verdammtes Kind gespielt hast, weil es Spaß gemacht hat. Selbst wenn dir dabei die verdammten Beine gebrochen wurden oder deine verdammten Gefühle verletzt wurden. Also scheiß auf deine Gefühle, scheiß auf dein Grübeln, scheiß auf den ganzen Scheiß. Geh wieder raus und hab verdammt noch mal Spaß.”

Therapie

“Ted, die Wahrheit wird dich befreien. Aber zuerst wird sie dich wütend machen.” Diese Sätze sagt Sharon Fieldstone, die als Psychologin für die Mannschaft eingestellt wird – und dann zu Ted Lassos Therapeutin wird.

Unterstützen 

Roy Kent flucht gerne und viel. Eines Tages wird er an die Schule seiner Nichte gerufen, weil auch die zu gerne Schimpfwörter benutzt. Die Lehrerin sagt zu Roy: “Sie wissen doch, welchen Einfluss sie auf sie haben. Nutze sie ihn.” Einfluss auf positive Weise zu nutzen, das ist der rote Faden der Serie – und das besondere am Lasso-Way.

Er will seine Spieler und sein Umfeld in die Lage versetzen, zu wachsen, bessere Fehler zu machen und bessere Entscheidungen zu treffen:

Wisst ihr, Leute, wir treffen jeden Tag eine Menge Entscheidungen in unserem Leben – von „Will ich wirklich etwas essen, das sich ‚griechischer Joghurt‘ nennt?“ bis hin zu „Soll ich meine Familie verlassen und einen Job am anderen Ende der Welt annehmen?“ Dass ich mich entschieden habe, nicht ganz offen zu euch zu sein, war eine schlechte Entscheidung. Aber ich kann keine Zeit damit verschwenden, mir zu wünschen, ich könnte das alles noch einmal machen. Denn so funktionieren Entscheidungen nun mal nicht. Nein, Sir. Nein. Diese Entscheidung und meine Chicago-Bulls-Starter-Jacke, die ich Janelle Rhodes in meinem zweiten Studienjahr ausgeliehen habe, weil sie sich mit Ketchup vollgeschmiert hatte und aussah, als wäre sie angeschossen worden – das sind zwei Dinge, die ich nicht zurückbekomme. Denn jede Entscheidung ist eine Chance, Leute. Und ich habe mir selbst nicht die Chance gegeben, weiteres Vertrauen zu euch aufzubauen. Um den großartigen UCLA-College-Basketballtrainer John Obi-Wan Gandalf zu zitieren: „Es sind unsere Entscheidungen, meine Herren, die zeigen, wer wir wirklich sind, weit mehr als unsere Fähigkeiten.“ Nun hoffe ich, dass ihr mir alle verzeihen könnt, was ich getan habe. Denn ich möchte auf keinen Fall, dass ihr irgendetwas vor mir zurückhaltet.

Vergeben

Um Entschuldigung zu bitten und zu verzeihen sind zwei wichtige Grundmotive der Serie. Ted vergibt Rebecca, die ihn ja eigentlich nur eingestellt hatte, um ihren Ex-Mann zu ärgern. Und Ted teilt mit Jamie Tartt während eines laufenden Spiels eine Erkenntnis über Vergebung. Es geht darum, ob er seinem Vater verzeiht. Jamie sagt, das werde er nicht für ihn tun. Ted daraufhin:

Nein, du gibst ihm gar nichts. Wenn du dich dafür entscheidest, tust du dir selbst damit einen Gefallen.

Wachstum

Er hatte ich für W den Begriff Wholesome notiert. Weil viele Leute die Serie für eine Feelgood-Serie halten, in der es wholesome zugeht. Aber dann dachte ich mir, dass ein andere Thema viel bedeutsamer ist: persönliches Wachstum, die Bereitschaft zur Veränderung:

„Meistens ist Veränderung etwas Gutes, und ich glaube, genau darum geht es – Veränderungen anzunehmen, mutig zu sein, alles zu tun, was nötig ist, damit jeder in deinem Leben sein eigenes Leben weiterleben kann, und vielleicht ist das der einzige Weg, wie du sie wirklich glücklich machen kannst.“

Xtra

Der Cast von Ted Lasso besuchte den US-Präsidenten Biden im Weißen Haus, um auf das Thema Mental Health hinzuweisen. Und Ted und Beard treten in der Halbzeit-Show des WM-Finals auf. Das sind erstauliche Extras – aber der Kern der Serie liegt eher in den kleinen Schritten.

Y

Es ist nicht einfach das Y in einem Alphabet zu benennen. Da ich aber am Ende unbedingt noch Rebeccas Auftritt bei der Beerdingung ihres Vaters unterbringen wollte, mache ich das jetzt bei Y wie YouTube. Dort kann man sehen, wie sie aus ihrer Ansprache ein “Rickrolling” macht – zum Erlebnis wird die Szene, weil Ted aus der letzten Reihe einsteigt in den Song, der eine Rede ist. 

Zava

Der große Starspieler, der auf erstaunlichen Wegen zum kleinen AFC Richmond kommt – klare Referenz an Zlatan. Aber in Summe nicht so wichtig wie er sich findet.


Mehr Zuversicht gibt es auch in meinem Buch „Social Media verbieten? Verboten“, das durchaus von der Idee inspiriert ist, das Gute im Menschen zu sehen. Darüberhinaus freue ich mich, wenn du meinen Newsletter abonnierst.