Pseudonym – Anonym?

Anfang des Jahres hatte ich über eine Auseinandersetzung zwischen Stefan Niggemeier und Konstantin Neven DuMont geschrieben: Damals ging es um den Text Ein Sandkasten für Konstantin Neven DuMont in Stefan Niggemeiers Weblog. Von dort erhalte ich seit ein paar Tagen immer wieder Besucher auf meiner Seite hier, weil ein Rücklink auf meinen Beitrag verweist. Aufgekommen ist das Thema weil Stefan Niggemeier unter dem Titel Eine systematische Störung der Verdacht geäußert hat, dass Neven Dumont in seinem Blog „unter einer Vielzahl wechselnder Pseudonyme eine dreistellige Zahl von teils irren Kommentaren“ verfasst habe.

Der SZ-Kollege Serrao nennt das in der heutigen Printausgabe der
Süddeutschen Zeitung eine Geschichte „die so verrückt klingt, dass man sie kaum glauben mag. Demnach wurden in Niggemeiers Blog von jemandem, der die Mailadresse und offenbar auch den Internetanschluss des Verlegers nutzte, über Monate zum Teil sehr wirre Beiträge unter Namen wie „Himmlischer Friede“ oder „Ordensschwester“ verfasst.“

Die Geschichte schlägt Wellen: Nicht nur die SZ, auch andere Medien berichten. Auch die FAZ schreibt über den Fall. In den Leserkommentaren unter dem Text ist mir dazu eine interessante Frage aufgefallen, die ich mir in der Debatte Anfang des Jahres bereits ähnlich gestellt hatte. Es geht um das Verhältnis des Kommentierenden zu dem Betreiber des Blogs. Ich frage mich: Darf ein Foren- oder Blogbetreiber eigentlich das Pseudonym seiner Nutzer öffentlich machen? Gibt es Ausnahmen, wenn es sich um berühmte Menschen handelt? Wäre anders über den Fall berichtet worden, wenn dieser sich nicht in Stefan Niggemeiers Blog zugetragen hätte, sondern – sagen wir rein spekulativ – auf Facebook und Mark Zuckerberg den Pseudonym-Verdacht veröffentlicht hätte? Ich habe keine klare Meinung zu diesen Fragen. Der FAZ-Leser Anton Zwielicht hat dazu und zum FAZ-Autor Niggemeier jedenfalls eine sehr eindeutige Position. Er schreibt:

Wenn jemand unter Pseudonym in einem Blog kommentiert, hat der Blogbetreiber kein Recht, dessen wahre oder vermutete Identität zu veröffentlichen. Auch nicht, wenn er Niggemeier heißt.

update: Der Rechtsanwalt Thomas Stadler gibt in seinem Internet-Law-Blog einen Einblick in die juristische Ebene des Themas.