Nachtrag Zoomer

Zoomer.de – internetunaffine Traditionalisten sollten jetzt ganz schnell wegklicken – hat keine Ressorts! Doch, es geht tatsächlich ohne diese Schubladen. Die sind bei uns nur Hilfsmittel, um die Nachrichtenchronologie zu sortieren.

Zoomer-Chef Frank Syre will die Kritik an seinem Portal entkräften und bringt dabei auf den Punkt, was ich den Konstruktionsfehler von Zoomer nennen würde: Angeblich gibt es keine Ressorts, sie dienen lediglich als Hilfsmittel. Das ist „ein bisschen schwanger“ – das geht nicht (gut). Ich kann verstehen, dass man die Idee, auf Ressorts zu verzichten, toll findet (mit Internetaffinität hat das übrigens gar nichts zu tun, Fernsehnachrichten, schreibt Syre wenig später, verzichten schon immer auf Ressorts). Dann muss man sie aber durchziehen und nicht durch die Hintertür (Hilfsmittel) doch einführen.

In Kategorie: Netz

Über den Autor

Veröffentlicht von

Dirk von Gehlen ist Journalist, Autor, Vortragsredner. Er macht Neues bei der Süddeutschen Zeitung und schreibt einen monatlichen Newsletter zum digitalen Wandel, den man hier bestellen kann

3 Kommentare

  1. Folgende Passage hätte der Vollständigkeit halber auch zitiert gehört:

    „Die Redakteure arbeiten ohne Ressort-Orga! Die selbsterfüllende Prophezeihung, dass Wirtschaft, Sport oder Kultur stattfinden und auch mindestens einmal täglich im sichtbaren Bereich der Seite auftauchen, weil halt zwei, drei Leute im Ressort rumsitzen und vor sich hinarbeiten, gibt es bei uns nicht.“

    lg –> -y-

  2. Ja, nur dass es rein Keyword-basiert zusammengestellt wird und in der Erstellung/Produktion nichts mit Ressorts zu tun hat. Außerdem reden wir bei den zitierten Beispielen vom Bereich „Nachrichten-Zoom“. Der zeigt unsere Sicht auf die Agenturlage, ebenfalls ausgewählt nach Relevanz. Hier bietet sich das Querschnitts-Bild eines Tages, das informelle Fundament.

    Trotzdem macht hier niemand Sport-, Wirtschafts-, Kultur- oder andere Rubrikmeldungen, nur weil er diesen Ressorthut aufhat und sonst nichts zu tun hätte. Dahinter steckt ein Newsdesk, der nicht paritätisch arbeitet („Haben wir heute schon 5 xxx-meldungen gemacht?“), sondern einfach jede einzelne Tickernews anschaut und auf Relevanz prüft.

    Und die Ressortfreiheit gilt insbesondere für die Top-Themen. Frei erfundenes Beispiel: Wenn an einem Tag fünf Sport-Großereignisse stattfinden, wird es möglich sein, dass wir nur oder fast nur Sportthemen im sichtbaren Bereich haben werden. Das ist in einer Ressortorga undenkbar. Wenn der Sport die erste Position bekommt, kann er dort nicht mehr auf Position zwei und / oder drei stattfinden, da kommen dann Politik, Wirtschaft oder Entertainment. Auch wenn von Userinteresse her selbst die Sportthemen fünf und sechs noch die Politik schlagen würden.

    DAS steckt hinter dem ressortfreien Konzept. Was zu einem runden Tagesüberblick gehört oder manchmal einfach auch nur politisch korrekt (xter Anschlag in Absurdistan) ist, gibt es im Nachrichtenzoom. Was wirklich wichtig ist, erscheint oben.

    lg –> -y-

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