Durch die Sonntagslinks bei Buddenbohm & Söhne bin ich heute früh auf die Frage von Thomas gestossen, der über hartes Nachdenken schreibt:
Eine Unsitte geworden ist ja, dass alles, was ein bisschen Hirnschmalz erfordert, mittlerweile von KI wiedergekäut wird. Den Satz "Ich hab' mal ChatGPT gefragt" kann ich nicht mehr hören (...) Nachdenken ist einfach nicht mehr cool. Das zieht sich mittlerweile durch alle Branchen.
Er verweist auf den englischen Begriff (und Blogeintrag) Hard Thinking. Der mich direkt an die Frage des Geisttrainings denken lässt, die ich hier im vergangenen Jahr mal gestellt habe.
Gerade in Abgrenzung zu Werkzeugen der KI finde ich mittlerweile, dass mich die Form des Nachdenkens weiterbringt, die mehr wert auf den Weg als nur auf das Ziel legt. Mit KI können wir sehr schnell Ergebnisse produzieren, aber echte Erkenntnis hat für mich auch immer mit Erlebnis zu tun: Es geht also nicht nur ums Produkt, es geht vor allem um den Prozess.
Diesen Denkweg zu beschreiten ist mir wichtig. Vermutlich sogar wichtiger als die Frage, ob es hart oder weniger hart ist, so zu denken. Stattdessen beschäftigt mich eher die Frage, ob ich laut oder leise denke – denn bisher fanden meine Denkwege für mich alleine in meinem Kopf statt. Erst beim gemeinsamen Denken nutze ich den direkten Austausch und das Sprechen.
Aber sollte ich nicht vielleicht auch mit mir selbst laut denken üben – also indem ich zum Beispiel meine Gedanken diktiere? Vielleicht sogar einer Maschine? In unserem KI-Buch wirft Franz die Idee auf, KI wie eine sokratische Denkmaschine zu nutzen. Und Rönke und Michael haben mit Take-Aw.ai ein Werkzeuge gebaut, das laut denken befördert und gemeinsame Ergebnisse produziert („Das erste KI-Tool, das deinem Publikum beim Denken zuhört“)
Ganz sicher bin ich aber, dass die Analyse von Felix die Haltung zum Thema Denken auf den Punkt bringt. Ganz im Sinne meiner „Weg nicht nur Ziel“-Theorie schreibt er:
der entscheidende punkt ist also nicht härte oder konzentration, sondern die hingabe, die beharrlichkeit, der wille zeit mit einem problem, einer frage, einer lösungsfindung zu verbringen. je weicher, je flexibler ich diesen prozess steuere, desto besser das ergebnis. eine bessere frage könnte also lauten: wann hast du dich zum letzten mal einer sache hingegeben und bist beharrlich dran geblieben?