Kein Inhalt – als Geschäftsmodell

Im Interview mit turi2 sprechen Lina Timm und Denni Klein über die strategische Entwicklung bei der Madsack-Mediengruppe: Lina und Denni sind Geschäftsführer des RND (und ich bin mit beiden gut bekannt). Das Gespräch gibt interessante Einblicke in die Zukunft des Journalismus. An einer Stelle sagt Lina aber etwas, was ich besonders herausgreifen und markieren will.

Sie spricht über die Nutzungs-Szenarien von Newslettern und erklärt, warum Klickraten manchmal eine falsche Maßeinheit sind:

Es gibt sogar das “Nichts Wildes passiert”-Phänomen. Wenn ich durchscrolle und auf dieser Ebene mitbekomme, dass in meiner Region alles in Ordnung ist, reicht mir das oft völlig. Und in jedem dritten Newsletter ist dann eine Geschichte, wo ich sage: Ah, das ist spannend, da klicke ich. Das ist ein extrem gutes Nutzererlebnis, und dafür bin ich dann mit meinem Plus-Abo völlig fein.

Ich teile diese Perspektive – und erkenne darin ein völlig unterschätztes Geschäftsmodell der Zukunft: Kein Inhalt!

Denn wenn sich ein Medienhaus nicht über den Inhalt definiert, sondern über den Erkenntnisgewinn, den es bei Leser:innen schaffen kann, entsteht Wert eben nicht nur über Inhalt – sondern auch über dessen Ausbleiben: „Wir haben die Lage für die überprüft, bei deinen Themen ist nichts Relevantes passiert“ kann eine äußerst wertvolle Information sein. So wertvoll, dass Menschen womöglich dafür zahlen!

Mehr zum Thema im Vortrag Mehr Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit und im Minifesto „Wesentlich weniger