Lob der Ausdauer: Agavenblüte im Schlosspark

Die junge Frau vom Sicherheitsdienst weiß leider nichts. Es ist ihr erster Tag hier im Schlosspark. „Wegen der Hochzeit“. Sie deutet Richtung Eisernes Haus. Dort wird heute gefeiert.

Ganz ohne Feier kommt die Pflanze aus, die vor dem Eisernen Haus im Ziergarten des Schlossparks steht. Sogar eine Beschilderung fehlt. Wenn nicht zufällig ein paar Leute vor ihr stehend Fotos machen würde, würde vermutlich gar nicht auffallen, dass diese Pflanze so besonders ist, dass sie sogar eine offizielle Pressemitteilung der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung bekommen hat:

Agaven blühen nur einmal im Leben – oft erst nach Jahrzehnten – und sterben danach ab. Die Blüte dieser Agave ist daher ein außergewöhnliches Ereignis. Seit einigen Tagen entfaltet die rund 45 Jahre alte Kübelpflanze im Schlosspark Nymphenburg etagenweise ihre gelb-grünen bis cremefarbenen Einzelblüten und bietet dieses seltene und beeindruckende Naturschauspiel. 

„century plant“, Jahrhundertpflanze, wird die Agave auch genannt – weil sie unter den Bedingungen Mitteleuropas nur äußerst selten blüht. Die Pflanze in Nympenburg lies sich 45 Jahre Zeit. Im Blog des Schlossparks Charlottenburg ist dokumentiert, wie sich der Prozess des Aufblühens vollzieht (2018 blühte dort eine Agave).

Mich hat die Botanische Rarität in München so fasziniert, dass ich extra vorbeigejoggt bin. Denn die Blüte hält nur ein paar wenige Tage. „Danach stirbt die Pflanze“, heisst es in der Pressemitteilung, „da sie all ihre Kraft in den Blütenstand investiert hat. Der Stängel trocknet langsam ein, behält aber seine Form. Die Schlossgärtnerei wird ihn dann vorsichtig abnehmen und einlagern, um ihn bei besonderen Anlässen auszustellen.“

Noch mehr als das Engagement der Pflanze, die ihr Leben lang auf die wenige Tage Blütezeit hinarbeitet, fasziniert mich die Ausdauer der Gärtner:innen im Schlosspark. Seit 45 Jahren haben sie die Agave gepflegt!