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Relaunch-Vokabeln

Gerade noch drüber gesprochen, schon macht sich das deutsche Web hübsch: Frankfurter Rundschau und Focus haben ihre Webauftritte überarbeitet (siehe dazu auch onlinejournalismus.de) und stellen ihre neuen Seite jetzt den Lesern vor*

1. Die wichtigsten Nachrichten des Tages präsentieren wir in einer bildstarken Themen-Schau gleich oben auf der Startseite.

2. Fotos werden jetzt großformatig in Szene gesetzt.

3. … neugestalteten Site, die vor allem durch ein aufgeräumtes Design frisch und hochwertig wirkt, gibt es viele technische Verbesserungen…

4. … dabei Platz geschaffen für mehr Kommentare, mehr Bilder, mehr Topstorys …

5. Die Navigation haben wir an den Kopf unserer Seiten platziert, schlanker und übersichtlicher gestaltet. Fahren Sie mit der Maus über die Navigation und verschaffen Sie sich einen Überblick über unsere zahlreichen Rubriken und Themenspezials.

6. Wir hoffen sehr, dass wir mit unserem neuen Design Ihre Leidenschaft für exzellenten Journalismus noch besser wecken können.

Aufgrund der Relaunch-Erfahrungen beim Guardian, Zeit Online oder dem Stern wünsche ich den Kollegen gute Nerven und vor allem gutes Gelingen.

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Fünf Phasen des Relaunch

When news organisations redesign their websites, the responses sometimes look like the five stages of mourning.

Mit Blick auf den Relaunch der BBC-News verweist Josh Halliday im Guardian auf die Fünf Phasen des Sterbens (nach Elisabeth Kübler-Ross), die er auch bei der Nutzer-Reaktion auf ein sich veränderndes Webangebot ausgemacht hat: Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln, Depression und schließlich Akzeptanz.

Im BBC-Blog The Editors erläutert Steve Hermann in mittlerweile fünf Beiträgen (mit zahllosen Kommentaren) die Veränderungen auf der Website. Dabei schlägt ihm zu großen Teilen Ablehnung entgegen. Obwohl ich aus meiner entfernten Perspektive sagen würde: Die BBC hat viel richtig gemacht in der Kommunikation der Veränderungen. Es gab eine transparente Ankündigung, eine Bildergalerie, eine FAQ-Seite und vieles mehr. Trotzdem kocht die Debatte sehr hoch …

Well its great to know you have ignored our comments and requests,i am off to a better site, the BBC is going backwards, shame as it was a good place to visit, bye bye

Ein lehrreiches Beispiel für alle, die vor der großen Herausforderung stehen, ein existierendes Angebot zu verändern. Denn die, die eine Veränderung befürworten, melden sich nur selten – wie hier unter dem ersten Posting – zu Wort. Und wenn nicht so lautstark wie die Kritiker:

It’s about time the BBC moved forward with it’s website.

Zehn Fragen zum Relaunch-Sommer

In dieser Woche ist offizieller Herbstanfang. Ein guter Anlass, den zurückliegende Relaunch-Sommer zu befragen, denn einige große Nachrichtenseiten haben in den zurückliegenden Monaten ihr Angebot umgestellt.

1. Warum muss ein Relaunch eigentlich immer auf einen Schlag fertig gestellt sein? Ist der Aufmerksamkeits-Effekt wirklich so groß, dass es sich lohnt, das gesamte Angebot auf einen Schlag zu ändern (und zum Teil sogar für eine kurze Zeit offline zu sein)? Wo sind die Webseiten, die sich schritt- bzw. ressortweise renovieren? Im Internet, so hört man überall, ist alles ständig im Fluß, warum nicht auch das Relaunchen?

2. Sind Nachrichten tatsächlich der beste Weg, um sich von anderen abzuheben? Alle setzen auf Aktualität, laufen mit im Kampf um die schnellste Nachricht – mal mit besseren Hintergründen, mal mit größeren Bildern. Gibt es tatsächlich keine Alternativen?

3. Wo ist die Webseite, die Journalismus im Web nicht (nur) als Content, sondern auch als Zugang versteht? Ich habe es hier schon mal angedeutet: vielleicht steckt eine Chance des Journalismus im Netz darin, nicht ausschließlich über Inhalte nachzudenken. Gibt es Angebote, die das bereits praktizieren?

4. Warum versprechen alle immer mehr? Wo ist das Angebot, das weniger verspricht – und das auf einen Blick? Wie schön wäre das: eine Nachrichtenseite, die die fünf wichtigsten Meldungen des Tages auf einem Screen zeigt, ohne Blättern, ohne Scrollen, ohne Boulevard-Kram. Eine einfache Übersicht – und für alles andere gibt es Spiegel-Online.

5. Warum muss man bei Spiegel-Online jetzt von rechts nach links lesen? Ja, es ist ungewohnt, aber es ist zudem auch gegen die gelernte Blickrichtung: Im frischen Spiegel-Online kommen zuerst in der linke Spalte die Zusatzinformationen (Mehr auf Spiegel Online), der eigentliche Artikel folgt dann in der zweiten, in der rechten Spalte.

6. Wie lange kommt Spiegel-Online mit seinem Forum noch durch? Wenn über den Wert von Leserkommentaren gesprochen wird, spricht meist niemand von Spiegel-Online. Denn hier sind die Leser gut in einem Forum versteckt. Wie lange noch?

7. Überhaupt: Wo sind die Leser? Ja, es gibt Kommentare und die Möglichkeit zum Austausch, aber ist das wirklich schon das Beste, was der Web-Journalismus in Deutschland im Jahr 2009 auf diesem Gebiet liefern kann?

8. Welche Möglichkeiten der Verzahnung zwischen Print- und Online sind noch ungenutzt? Man muss das Wort crossmedial gar nicht verwenden, kann aber fragen: Alle im Sommer renovierten Webseiten haben nebenher gedruckte Angebote, wie sind diese mit dem Netz verbunden?

9. Wo sieht man das Ende der Page-Impressions? Bisheriges Erzählen im Web ist oftmals noch durch die Fixierung auf PIs geprägt,, wo sind die neuen Formen, die dem Wechsel hin zu Visits Rechnung tragen?

10. Ist Bewegtbild tatsächlich das nächste große Ding? In den letzten Jahren wurde Video als der unumgängliche Trend im Web beschrieben. Stimmt das wirklich; auch im Blick auf die renovierten Seiten?

Relaunch von Zeit Online

Wir wollen mit ZEIT ONLINE das anspruchsvollste Portal für aktuelle Nachrichten, Analysen und Leser-Debatten in Deutschland aufbauen. DIE ZEIT als Wochenzeitung und ZEIT ONLINE als tagesaktuelles, interaktives Medium ergänzen sich ideal. Zahlreiche Redakteure und Auslandskorrespondenten der ZEIT schreiben auch regelmäßig exklusiv für ZEIT ONLINE.

Mit diesen Worten In eigener Sache wird der heute vollzogene Relaunch von “Zeit-Online” beschrieben. Die Seite sieht schlicht und schön aus, viele Funktionen klingen vielversprechend. Bin sehr gespannt, wie Zeit-Online sich entwickelt und wünsche dem Team das Beste!

Aber als ich gerade auf der Seite nachschauen wollte, wie es im Spiel Deutschland-Südafrika steht, fand ich dazu … leider keinen Live-Ticker, keine aktuelle Information. Ich schaue in einem anderen Portal für aktuelle Nachrichten und stelle fest: Gomez hat das 1:0 erzielt.

Feedback

Ich denke, wir müssen eine Debatte über Fußgängerzonen starten. Die waren lang genug ein rechtsfreier Raum.

Die Kollegen von Bits und so (etwa ab 1:23:00) haben sich mit der Urheberrechtsverletzung befasst, der ich in dieser Woche zum Opfer fiel. Das freut mich sehr, denn sie bringen das Problem ziemlich gut auf den Punkt.

Auch die Kollegen von stern.de lesen offenbar mein Blog – und sie reagieren auch drauf. Ich hatte mich zum Relaunch der Site mit der Kommentarsortierung befasst und lese jetzt unter dem Titel “Das sagt das Web zum neuen stern.de”, dass die Kommentare dort “vorerst weiterhin umgekehrt chronologisch” dargestellt werden. Vorerst …

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Das Internet ist ein Kommunikationsmedium. Toll!