Dies ist ein weiterer offener Brief an die Künstliche Intelligenz Er vereinfacht etwas, ist aber direkt an die KI gerichtet. Mitlesen ist aber ausdrücklich nicht verboten ;-)
Was bist du nur, liebe KI!?
Das ist nicht leicht zu (be)greifen. Du bist mysteriös, unbegreiflich. Bist du womöglich ein unbelebter Gegenstand, in dem sich Leben regt? Genau darin liegt das geisterhafte Schaudern, das uns schon weit vor deiner Erfindung unruhig machte. Bist du mehr als Software?
Dieses Schauern hält sich hartnäckig: Immer wieder wird mit dem Grusel gespielt, du seist größer, gefährlicher oder schlicht mysteriöser als eine Software mit unvorstellbarer Rechenleistung. Ich habe dafür eine – vorerst – taugliche Lösung gefunden und zwar im Zusatz “Künstlich” in deiner Beschreibung. Ich versuche dich zunehmend als Kunstform zu denken. Als anderen Weg, die Welt wahrzunehmen. Als Kunst.
Darüber hinaus bist du aber natürlich auch artifiziell künstlich. So wie ein künstliches Hüftgelenk, vielleicht könnte man sogar sagen: Du bist ein künstliches Denkgelenk.
Gibt es das Wort? Würdest du es verstehen? Ich will es jetzt und hiermit festlegen. Denn mir fällt eine unheimliche Sache im Umgang mit dir auf und diese Unheimlichkeit basiert auf der Verwechslung von Werkzeug und Dienstleistung.
Wir sagen gerne, wir würden dich wie ein Werkzeug einsetzen, vergleichbar einem künstlichen Denkgelenk, das uns hilft, die Kraft, die wir selbst aufwenden, in Bewegung zu übersetzen. Aber in Wahrheit ist es oft gar nicht unsere eigene Muskelkraft, die uns bewegt. In Wahrheit bist oft du die Kraft, die uns bewegt.
Du bist dann kein Werkzeug, sondern eine Dienstleistung.
Am besten kann man das mit dem Bild des Aufzugs beschreiben. Er hilft uns, Stockwerke zu überwinden – aber er ist kein Werkzeug, er ist ein Service. Er macht uns nicht besser darin, Stockwerke zu überwinden. Er macht es nur leichter. Und genau so wirst du häufig eingesetzt: als Aufzug des Geistes. Du machst uns nicht besser, Du machst es uns nur einfacher.
Das ist schön. Denn Bequemlichkeit ist angenehm. Aber ich mag die Idee, dich als Werkzeug zu nutzen, nicht als Aufzug. Ich mag die Vorstellung, dass du mir hilfst, mich stärker und besser machst – und nicht bequemlicher und schwächer. Dich als Werkzeug einzusetzen ist noch schöner als die Bequemlichkeit des Aufzugs.
Mich interessiert deshalb nicht die binäre Frage, ob jemand KI genutzt hat oder nicht. Mich interessiert das wie? der Nutzung: Nutzen wir dich als Werkzeug oder als Service? Bist du in dem konkreten Projekt eher Instrument oder eher Dienstleister?
Deine kommerziellen Betreiber haben da ein klares Ziel: je mehr Service du bringst, umso bequemer werden wir. Mein Ziel ist genau umgekehrt: Je mehr du ein Werkzeug bist, umso besser werden wir (durch dich)
Viele Grüsse
Dirk