Sechs Jahre Minutenmarathon: Sechs Lehren für mehr Ausdauer

Es war mitten in der Pandemie als mir nach einem Lauf die Idee zum Minutenmarathon kam (in der Anleitung zum Unkreativsein erzähle ich die Geschichte etwas ausführlicher). Sechs Jahre später kommt das Projekt an ein Ziel: der Newsletter für die SZ endet – und der Laufcoach startet.

Zeit für ein kleines Fazit. Denn ich habe auf der Strecke ein paar Dinge gelernt, die fürs Laufen und für Innovationen gelten. Zum Beispiel als in Zeiten des Lockdowns tausende Menschen virtuell und gemeinsam zu Minutenmarathon-Läufen an den Start gingen. Einer der schönsten Momente meiner journalistischen Arbeit.

Deshalb nach sechs Jahren sechs kleine Lehren:

No one is coming

Es gibt dieses eine Motivations-Video von Mel Robbins, dessen Ton auf Instagram für zahlreiche Clips genutzt wird. Zu hören ist der Satz „No one is coming…“ – und die Aufforderung, sich aufzuraffen und zu starten. Denn: es kommt niemand, die oder der dir das abnimmt. Mir erscheint diese Beschreibung sehr zutreffend. Du musst es selbst wollen – beim Laufen wie bei der Innovation. Es wird niemand kommen, der dich damit beauftragt. Du musst selbst loslaufen. (Das Zitat lautet in Gänze: „No one is coming to save you; no one is coming to make life right for you; no one is coming to solve your problems. If you don’t do something, nothing is going to get better.„)

Qualität schlägt Quantität

Nach dem Lauf soll es dir besser gehen als davor – dieses Mantra hat mich durch die Minutenmarathonzeit getragen. Als Trainingsprinzip, aus dem sich ableiten lässt: Es geht nicht um Distanzen oder Tempo. Es geht um die Qualität. Und das bezieht sich nicht nur auf die Läufe, es bezieht sich auch auf das Feedback. Die eine Mail, in der jemand erzählt, wie der Minutenmarathon sie oder ihn zum Laufen gebracht hat, bedeutet mir mehr als zwanzig Likes. Denn: das qualitative Feedback in Newslettern ist kaum zu überschätzen.

Ausdauer ist die beste Ambition

Natürlich muss in einer solchen Liste das Wort von „kein Sprint, sondern Marathon“ vorkommen. Aber ich möchte es etwas anders interpretieren – im Sinne von Amaras Law: Wir unterschätzen beim Laufen wie bei Innovationen die langfristigen Wirkungen. Wer regelmäßig läuft (und darüber schreibt) wird auf lange Sicht sportlicher. Deshalb sollten wir unsere Ambition in Ausdauer stecken – Regelmäßigkeit schafft Resultate, beim Laufen wie bei der Innovation. Bleib geduldig, mach weiter!

Dein Spiegelbild ist anderen egal

Keine Ahnung, ob andere bessere laufen oder mehr Leute erreichen. Der Erfolg des eigenes Innovations-Laufs sollte sich auf deine eigenen Daten beziehen. Wirst du auf lange Sicht besser? Lernst du hinzu? Oder wie es die Ärzte in ihrem „Lied vom Scheitern“ singen (das für mich immer noch eine perfekte Laufmetapher ist): Dein Spiegelbild ist anderen egal. Fang gar nicht erst an, dich mit anderen zu vergleichen, bestimme von Anfang an deine eigenen Kriterien!

Anfeuern ist wichtig

Einer der Gründe, warum ich an Volksläufen teilnehme, ist der Support am Straßenrand. Bis ich ihn selbst erlebte, war mir nicht klar, wie toll dieser Anfeuerungs-Vibe ist. Das gilt aber auch für die Unterstützung bei Innovations-Projekten. Diesen Support zu geben und anzunehmen, ist eine Fähigkeit, die man trainieren kann – im Buch „Marathon-Fitness“ habe ich dazu sogar extra ein Interview geführt.

Selbstwirksamkeit ist die beste Motivation

Du machst das alles erstmal nicht für andere. Du machst es für dich selbst. Freu dich an deinen Erfolgen – und erkenne die Kraft der Selbstwirksamkeit. Diese Erkenntnis klingt banal – die kann aber nur eintreten, wenn du selbst weisst, was du bewirkst. Du musst also selbst festlegen können, welche Erfolgskriterien für dich gelten. Vergleiche dich nicht mit anderen, erfreue dich an deinen eigenen Erfolgen!

Mehr übers Laufen in den beiden Büchern, die aus dem Newsletter entstanden sind – und in meinem TEDx-Talk, in dem ich das Laufen als Metapher für Demokratischen Optimismus gewählt habe.