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Willkommen im Filmclub

Wenn man einen Hammer hat, sagt das Sprichwort, sieht man überall Nägel. Mein Hammer heißt Leserschaft als Community. Und Nägel sehe ich beim Guardian, bei LeMonde und seit heute auch bei der New York Times. Dort startet man Anfang Januar den New York Times Flilmclub, eine Idee, die ich fast spannender finde als die (Wieder-)Einführung von Paid Content Anfang 2011 bei der NYT.

Reuters erläutert in der Meldung zum Launch:

The NYT, along with other newspapers such as the Wall Street Journal and USA Today, are launching clubs — wine is especially popular — as way to reap some extra revenue and strike a deeper relationship with readers.

via

Verfolgen Sie das!

Anfang Oktober hatte Alan Rusbridger angekündigt, dass er Ende November eine Rede über den Zustand des Journalismus halten wird. Diese Rede ist jetzt unter dem Titel The splintering of the fourth estate veröffentlicht worden – und sie ist lesenswert.

Sie enthält neben vielen klugen Ansätzen auch diesen Satz über Twitter

But saying that Twitter has got nothing to do with the news business is about as misguided as you could be.

Rusbridger begründet dies mit 15 Punkte, die begründen Why Twitter matters for media organisations:

1. It’s an amazing form of distribution
2. It’s where things happen first
3. As a search engine, it rivals Google
4. It’s a formidable aggregation tool
5. It’s a great reporting tool
6. It’s a fantastic form of marketing
7. It’s a series of common conversations. Or it can be
8. It’s more diverse
9. It changes the tone of writing
10. It’s a level playing field
11. It has different news values
12. It has a long attention span
13. It creates communities
14. It changes notions of authority
15. It is an agent of change

Bereits Ende September hatte ich in der SZ über die gestiegene Bedeutung von Twitter für den Journalismus geschrieben und dabei auch Peter Horrocks zitiert, einen anderen britischen Chefredakteur, der den Wert von Twitter lobt. Doch spätestens seit dieser Rusbridger-Rede sollten auch die Twitter-Skeptiker, mal einen Blick in dieses Universum werfen.

Werte des Journalismus

Wir sollten uns aber lieber darauf konzentrieren, wie es mit dem Journalismus weitergeht. Sollten uns mit den Werten des Journalismus auseinandersetzten, als uns immer wieder den Kopf zu zerbrechen, auf welcher Plattform dieser erscheint.

Der Guardian-Chef Alan Rusbridger hat in einem Interview in dieser Woche mal wieder sehr kluge Dinge über die Zukunft des Journalismus gesagt.

Zustand und Zukunft der Zeitung

Wir müssen über Zeitungen reden. Und dieser Film hier ist nur der optisch schönste Anlass dafür:

Gegen Ende des Beitrags erklärt die Lehrerstimme, der Beruf des Zeitungsjournalisten erfordere großen Mut. Dazu werden Bilder von Unwettern und Feuer gezeigt.

Dass Journalismus auch heute noch ein mutiges Metier ist, erkennt man, wenn man die Beiträge durchliest, die in den vergangenen Tagen zum Zustand der Zeitung veröffentlicht wurden (hier eine kleine Auswahl): Im New Yorker New Museum läuft eine Ausstellung namens The Last Newspaper, Paul Starr schreibt in New Republic ein Goodbye To The Age Of Newspapers (via), der Romanschreibende Exjournalist Tom Rachman („Die Unperfekten“) erklärt im Interview mit der Welt:

Jetzt sieht es gerade sehr hässlich für die Zeitung aus. Sie haben Angst, dass die Qualität im Journalismus verschwindet.

und auch der Kollege Christian Jakubetz schreibt in seinen Zehn Thesen zur Zukunft der Zeitung vom Ende der Zeitung.

Doch selbst wenn einige dieser Indizien stimmen mögen: Ich glaube nicht, dass die Zukunft so düster ist wie sie derzeit gemalt wird. Christians Thesen zum Beispiel kranken an einem logischen Widerspruch (entweder Zeitungen sterben oder sie leben in einer Nische, beides wird nicht gleichzeitig gehen), der beispielhaft belegt, warum wir uns mit den Veränderungen so schwer tun, die die Digitalisierung angestoßen haben: Zeitungen werden sich verändern, aber sie werden nicht untergehen. Was sterben wird, ist vielleicht unsere heutige Perspektive auf Nachrichtentransport und -auswahl, aber nicht die Zeitung als glaubwürdige Institution.

Denn einen unschätzbaren Vorteil der Zeitung (neben anderen) verkennen wir vor lauter Schreckensszenarien oft: Eine Zeitung hat einen Anfang und ein Ende. Wer sie liest, nimmt einen aus dem Fluss der Informationen herausgelösten, abgeschlossenen Teil wahr, der seinen Wert allein daraus gewinnt, dass er sich dem ständigen Fließen der Web-Information entzieht. Eine Zeitung schafft eine Pause, eine Unterbrechung. Sie ist herausgehoben aus der Vernetzung des Web. Das kann ein Nachteil sein, vielleicht ist es aber eben auch ein besonderer Luxus, der eine Zukunftsperspektive bietet, sich aber sehr wohl vom heutigen Bild einer Zeitung unterscheidet.

Auch Tom Rachman sieht im oben zitierten Gespräch eine Chance für Zeitungen, deren Ausgestaltung er noch nicht kennt:

Es wird weiter einen Markt für gute Artikel geben, und deswegen wird auch an die Stelle der Zeitung etwas Neues treten, das das Gute am Printjournalismus bewahrt.

Wie spannend wäre das, nicht vom Niedergang der Zeitung zu lesen, sondern Texte, Thesen und Ansätze, die stattdessen den Versuch unternehmen, dieses „Gute am Printjournalismus“ zu benennen und womöglich sogar auf den digitalen Raum zu übertragen Was hätte dann zum Beispiel aus der gerade gestarteten Zeitungsneugründung (ja sowas gibt es) namens „i“ werden können, die man beim britischen Independent heute auf den Markt gebracht hat. (Wer das neue Blatt übrigens virtuell durchblättern mag: Der Guardian hat eine Galerie ins Netz gestellt – besonders gefällt mir dabei das zuschauerorientierte Fernsehprogramm der neuen Publikation).

Dieses Nachdenken über die Zukunft der Nachrichten im digitalen Raum bekommt – ebenfalls heute – ausgerechnet von Google neuen Antrieb. Im offiziellen Google-News-Blog wird angekündigt, Innovationen im digitalen Journalismus mit 5 Millionen Dollar zu fördern. Für Nicht-Amerikaner besonders interessant, im Rahmen der Knight News Challenge 2011 werden Projekte auch außerhalb der USA gesucht und gefördert. Die Ausschreibung gibt es deshalb sogar auf deutsch.

Woche der Listen

In dieser Woche hat nicht nur der Guardian seine Journalist blogging and commenting guidelines veröffentlicht, bei 10000-Words gibt es zudem eine Liste mit 10 basic web skills every journalist must have. Da beide Listen vorbildlich sind, dokumentiere ich sie hier, mit dem Verweis auf die „web skills“, die nicht als Fähigkeiten für Online-Journalisten, sondern für jeden Journalisten verkauft werden. Eine spannende Frage, ob wirklich jeder Journalist das hier kann:

1. How to write an SEO-friendly headline

2. How to include a link in a story

3. How to upload a story into a content management system (CMS)

4. How to shoot a proper photograph

5. How to send an attachment in/download an attachment from an email

6. How to operate a video camera

7. How to hold a microphone properly

8. How to use an audio recorder

9. How to post a tweet

10. How to search the web effectively

Mindestens ebenso spannend, ob jeder Journalist mit der Liste vertraut wäre, die der Guardian veröffentlicht. Mein Lieblingspunkt ist dieser hier:

Declare personal interest when applicable. Be transparent about your affiliations, perspectives or previous coverage of a particular topic or individual.

Öffentlich Nachdenken

Am 19. November wird Alan Rusbridger in Sydney eine Rede über den Zustand der Medien halten. Alan Rusbridger ist der Chefredakteur des Guardian. Ein kluger Mann, der dort bestimmt kluge Sätze sagen wird – zu der Frage What is the future of the fourth estate?. Doch Rusbridger wird sich diese klugen Sätze nicht allein im stillen Kämmerlein ausdenken, er macht sein Nachdenken öffentlich – im Rahmen der Debatten-Community Comment is free lässt er die Leser des Guardian mitdenken.

Das ist nicht nur erwähnenswert, weil des Thema spannend ist. Es zeigt auch, wie sich unser Beruf positiv verändern kann, wenn wir die Chancen nutzen, die das Dialogmedium Internet bietet. Inhalte werden flüssig, nicht allein das Ergebnis als abgeschlossene Rede zählt, sondern auch der Weg dorthin kann öffentlich und spannend werden.

What do we know?

So yeah, if you want to try to control individual copies of your work on the internet, go ahead and try. I think it’s a fool’s errand, and so does almost every technical expert in the world, but what do we know?

Jeder, der sich für Urheberrecht und die Rede von der Kostenlos-Kultur interessiert, sollte diesen Text von Cory Doctorow im Guardian lesen (der Text wurde nicht gedruckt, aber für mich ist das trotzdem der Guardian).

Wikileaks

In dieser Woche haben alle über WikiLeaks gesprochen. Hier steht die Story Behind the Publication of WikiLeaks’s Afghanistan Logs, die sich liest wie eine Agenten-Geschichte und auf eine interessante Art Werbung für den Beruf des Journalisten macht. Es geht um Geheimtreffen, um Informaten, die auf Sofas übernachten und eilige Bahnreisen:

Whatever Assange had, and whomever its source, Davies knew that WikiLeaks would publish again—and hoped to convince him to let The Guardian look at any future release before WikiLeaks splashed it on its own site.

After e-mails to Assange’s listed accounts netted nothing, Davies contacted a half dozen people close to him, hoping to reach and woo Assange. One of them came back with a tip that a skittish Assange planned to honor a commitment to speak before the European parliament on Tuesday, June 21, despite the cries of “manhunt” surrounding him. Davies asked The Guardian’s Brussels reporter to corner Assange and tell him that he was on his way.

“While I was on the train going under the Channel, I had tried to work out what I would say to him,” remembers Davies. “It wasn’t going to work if I said ‘I’m a greedy reporter, I’d like to take all your information and put it in my newspaper.’”

Für sueddeutsche.de hat der Kollege Johannes Kuhn die Frage beantwortet Wer ist Wikileaks?

Der Economist hat Julian Assange auf eine Tasse Tee getroffen.

Der Feuilletonist Andrian Kreye verweist auf diesen Einschätzung von Jon Stewart:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Best Leak Ever
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

Fünf Phasen des Relaunch

When news organisations redesign their websites, the responses sometimes look like the five stages of mourning.

Mit Blick auf den Relaunch der BBC-News verweist Josh Halliday im Guardian auf die Fünf Phasen des Sterbens (nach Elisabeth Kübler-Ross), die er auch bei der Nutzer-Reaktion auf ein sich veränderndes Webangebot ausgemacht hat: Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln, Depression und schließlich Akzeptanz.

Im BBC-Blog The Editors erläutert Steve Hermann in mittlerweile fünf Beiträgen (mit zahllosen Kommentaren) die Veränderungen auf der Website. Dabei schlägt ihm zu großen Teilen Ablehnung entgegen. Obwohl ich aus meiner entfernten Perspektive sagen würde: Die BBC hat viel richtig gemacht in der Kommunikation der Veränderungen. Es gab eine transparente Ankündigung, eine Bildergalerie, eine FAQ-Seite und vieles mehr. Trotzdem kocht die Debatte sehr hoch …

Well its great to know you have ignored our comments and requests,i am off to a better site, the BBC is going backwards, shame as it was a good place to visit, bye bye

Ein lehrreiches Beispiel für alle, die vor der großen Herausforderung stehen, ein existierendes Angebot zu verändern. Denn die, die eine Veränderung befürworten, melden sich nur selten – wie hier unter dem ersten Posting – zu Wort. Und wenn nicht so lautstark wie die Kritiker:

It’s about time the BBC moved forward with it’s website.

In Kategorie: Netz