Mit Crowdfunding zu 660 Millionen Dollar?

Die Tribune Company, die neben einigen Fernsehstationen in Amerika auch die großen Zeitungen LA Times, Chicago Tribune und Baltimore Sun betreibt, steht zum Verkauf: Rupert Murdoch und die Koch-Brüder zeigen Interesse – und das Aktivisten-Netzwerk The Other 98%.

Gemeinsam mit den Bürgern Amerikas nehmen sie den Kampf mit den Milliardären auf: 600 Millionen Dollar wollen sie einsammeln und damit die Tribune Company erwerben. Das klingt unmöglich – aktuell sind 100.000 Dollar zusammengekommen – zeigt aber, den tieferen Sinn des Alles-oder-nichts-Prinzips beim Crowdfunding: eine Teilnahme ist risikolos. Sollte die Summe verfehlt werden, bekommen die Supporter ihr Geld zurück.

Sollte die Summe aber tatsächlich weiter anwachsen, könnten sie eine Eigendynamik entwickeln und vielleicht wirklich – wie im Clip angedeutet – Menschen aktivieren, für die auch größere Beträge kein Problem sind. (via)

Auf der indiegogo-Seite des Projekt kann man den aktuellen Stand verfolgen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Eternal Light

Digitale Fotografie kann jeder. Das vernünftige Archivieren all dieser Aufnahmen ist hingegen eine viel größere Herausforderung: Wie und wo speichert man all das ab, was man so fotografiert? Wie greift man wieder drauf zu? Wann? Und: Warum? Stefan Landrock und das Team von Eternal Light versuchen sich an einer Antwort auf all diese Fragen – mit dem Kickstarter-Projekt “Eternal Light”, das hier bereits auf jetzt.de vorgestellt wurde.

Stefan Landrock hat den loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir bringen verborgene, fotografische Erinnerungen ans Licht. Wir entwickeln eine Software, die unsere digitalen Erinnerungen wieder sichtbar macht, indem sie das Präsentieren, Arrangieren und Filtern von großen Bilder- und Videomengen ermöglicht.

Warum (macht Ihr es so)?
Je mehr Bilder wir ansammeln umso unsichtbarer wird jedes einzelne. Durch den Überfluss verschwindet das eingefangene Licht in der digitalen Dunkelheit unserer riesigen Festplatten. Wir brauchen bessere Tools um die ständig anwachsende Bilderflut bewältigen zu können.

Wer soll da mitmachen?
Jeder, der seine Fotos nicht mehr betrachten kann, weil es einfach zu viele sind. Alle, die sich darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit unseren digitalen Erinnerungen umgehen.

Wie geht es weiter?
Wenn wir genug Unterstützer finden, werden wir aus unserem Prototyp eine App machen, die jeder sehr einfach benutzen kann, um sein digitales Bildarchiv zum Leben zu erwecken.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In unseren persönlichen Bildarchiven liegen ungeahnte Schätze. Wenn man Fotos sehr schnell und chronologisch abspielt entstehen unvorhersehbare Momente und Eindrücke. Und wenn man die Bildwechsel auf Musik synchronisiert passieren unglaubliche Dinge.

>>>> hier Eternal Light auf Kickstarter unterstützen

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Was Twitter weiß

In dieser Woche stellte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück einen Teil seines Kompetenzteams vor. Mit dabei: Gesche Joost, seine Lotsin in der digitalen Welt. Sie war vorab nicht jedem Netzpolitiker bekannt, aber man kann Gesche Joost auf Twitter folgen – wenn man das macht, stellt der Dienst sie wenig später auf seine Art vor, sozusagen sozial. So ähnlich wie sie sind:

wastwitterweiss

Online-Kommunikation

Publikation – das habe ich hier im Blog schon häufiger geschrieben – wird im Netz zu Kommunikation. Das verändert den Beruf des Journalisten, das fordert die Rolle von Verlagen und Redaktionen heraus: Wie geht man mit dieser Veränderung um? (dazu hier eine Geschichte aus der letzten Ausgabe des Magazins journalist)

In Berlin wird in dieser Woche der Online-Kommunikationspreis verliehen. Die Süddeutsche Zeitung (für die ich im Bereich Social Media arbeite) ist dafür in zwei Kategorien für ihre digitalen Dialog-Aktivitäten nominiert. Das SZ-Magazin wurde (für seine Facebook-Seite) in der Kategorie “Social Media-Team des Jahres in Unternehmen” ausgewählt und Süddeutsche.de in der Kategorie “Online-Krisenkommunikation” (für ihre Kommunikation auf Twitter&Facebook während der Ddos-Attacke auf die Website). Verliehen wird der Preis auf Basis einer Präsentation vor einer Jury in Berlin. In dieser Präsentation werden Wolfgang Luef und Marc Baumann, die die Facebook-Seite des SZ-Magazins betreuen, einen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Diese Form der Social-Media-Arbeit ist so spannend und lehrreich, dass ich Teile davon hier dokumentieren will.

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Die Beiträge auf der SZ-Magazin Facebookseite zeichnen sich durch ihren besonderen, dem Heft eigenen Humor aus. Nach dem Hinspielsieg des FC Bayern gegen Barcelona und den zuvor bekannt gewordenene Steuerproblemen von Bayern-Präsident Hoeneß schrieben die Kollegen auf Facebook: “Da haben sich die fünf Millionen Euro Eintritt für Uli Hoeneß gelohnt.” Dieser kurze Eintrag wurde sofort in großem Maß geliked und geteilt. Er verbreitet sich viral.

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Genau wie das Posting vom 13. März als weißer Rauch über dem Vatikan zu sehen war. Damals posteten Baumann und Luef ein Bild vom Schornstein mit den Worten “Es ist ein Junge”.

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Wie entstehen solche Posting, die das soziale Gesprächsprinzip auf Facebook (einfach, konkret, emotional) treffen? Wolfgang Luef zeigt es – auf dem Handy. Die Screenshots dokumentieren wie die beiden im Dialog herausfinden, welcher Beitrag zu welchem Zeitpunkt am besten zu sein scheint. Sie zeigen aber auch: Mit dem Posting ist die Arbeit nicht erledigt, sie beginnt im Gegenteil erst dann. Die Postings ziehen nicht nur Shares und Likes (die Währung auf Facebook) nach sich, sondern auch zahlreiche nicht nur angnehme Kommentare.

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Die SMS-Kommunikation zwischen den beiden zeigt aber vor allem: es geht um Wortwitz, ein Gespür für Situationen und das richtige Timing. Das kann man üben, aber nicht im klassischen Sinne vorbereiten. Es setzt ein Gefühl dafür vorraus, welche Erwartungen und Interessen sich vor der Facebook-Bühne versammeln – und natürlich den Mut, damit zu spielen, sie herauszufordern und zu überraschen. Das gilt fürs SZ-Magazin, aber auch für anderen Dialog-Aktivitäten im Netz (und nicht nur auf Facebook). Und zeigt, was der Wandeln von der Publikation hin zur Kommunikation bedeutet: Zu verstehen, dass unser Beruf nicht mit dem Senden aufhört.

loading: Wish I Was Here

Zach Braff sollte kein Problem haben, einen Film nach seinen Vorstellungen zu drehen. Zach Braff ist bekannt aus Scrubs, sein Film “Garden State” aus dem Jahr 2004 spielte das 14-Fache seiner Kosten ein. Wenn der klassische Kulturbetrieb Hollywoods für die Produktion von Filmen funktioniert, dann doch für jemanden wie Zach Braff. Trotzdem ist der Mann seit ein paar Tagen auf Kickstarter. Der Grund: Bei einer klassischen Filmproduktion befürchtet er, die Hohheit über den Charakter seines Films zu verlieren.

Deshalb hat er dieses Pitch-Video gedreht, das nicht nur formal ein Beispiel für ein gutes Crowdfunding-Video ist, sondern auch inhaltlich zeigt, was sich gerade ändert:

Am Ende des Clips bringt Zach Braff – siehe The Art of Asking – sein Anliegen so auf den Punkt:

I want to bring you – my fans – the truest representation of what I have in my brain. That means: I’ll have the final cut of what ends up in the movie (…) Please help me to make another movie for you like Garden State with no compromises. I’ll promise I’ll put everything I have into it and I won’t let you down.

Heute, 18 Tage vor Ablauf der Frist, hat Braff fast 35.000 Menschen auf diese Weise erreicht und so fast 2,5 Millionen Dollar eingenommen. Sein Ziel von zwei Millionen Dollar hat er damit bereits heute übertroffen, er nutzt nun stretch goals und lädt z.B. auch Europäer zu exklusiven Vorstellungen in Berlin, Paris und Rom.

Ich finde das beeindruckend und sehe den Erfolg durchaus als Bestätigung für eine neue Bezahlkultur. Deshalb habe ich mich entschieden, Wish I Was Here im Rahmen der loading-Reihe hier vorzustellen – auch weil ich das Projekt gerade selber unterstützt habe!

zachbraff

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Tatsächlich mehr 8 geben

Vielleicht darf man Denis Scheck gar nicht böse sein. Da kommt jemand mit Kamera und Mikro auf ihn zu und will von ihm wissen, wie er zum Urheberrecht steht. Also läuft der Fernsehmoderator los und redet in Kamera und Mikro. Weil er gebildet und gewitzt rüberkommen will, sagt er nicht einfach nur “Urheberrecht find ich gut”, sondern bemüht das Lateinische und erklärt, schon Cicero habe mit der Piratenpartei Piraten zu tun gehabt und – ist ja klar – diese zum Feind aller Menschen erklärt: “communis hostis omnium” sagt Scheck und im Überschwang der Überlegenheit ergänzt er mit Blick auf “neue Piraten”: “Gegen alte Feinde helfen altbewährte Mittel.”

Schecks Auftritt wurde im Rahmen des Welttags des Geistigen Eigentums in dieser Woche auf der Website wir-geben-8.net veröffentlicht, die im Auftrag der VG Wort erstellt wurde. Auf YouTube, das zum Konzern Google gehört, wird das Video kostenfrei zugänglich gemacht. Ein Angebot, von dem bisher noch keine 500 Zuseher Gebrauch gemacht haben.

Google ist übrigens auch hilfreich, wenn man rausfinden möchte, welche “altbewährten Mittel” Denis Scheck meinen könnte. Wer nach Schecks Zitat sucht, landet z.B. auf dieser Fundstelle in Google-Books, die von einer Gefangnahme Julius Caesars berichtet, die nur durch eine Lösegeldzahlung an die Piraten beendet wurde:

Kaum in Freiheit, schaffte Caesar es, mittels gemieteter Schiffe, die Piraten zu fangen. Er ließ sie, wie in Gefangenschaft angekündigt, kreuzigen.

Vielleicht muss man Denis Scheck also sehr wohl böse sein. Von Beiträgen zur Urheberrechtsdebatte sollten wir – nach Regeners Wutanfall und Acta-Protesten – etwas mehr Tiefgang erwarten dürfen als unfallfreies Laufen vor der Kamera. Seit zu Beginn des Jahres 2012 die Auseinandersetzung um die digitale Kopie und ihre Folgen hochkochte, haben sich nicht wenige Menschen bemüht, in anstrengenden Gesprächen, Diskussionen und Debatten den Boden für einen angemessenen Umgang – miteinander und mit den Herausforderungen der Digitalisierung – zu bereiten. Die Bemühungen sind auf beiden Seiten zu beobachten. Downloader wie Verwerter mühen sich und Downloader wie Verwerter müssen sich ins Gesicht geschlagen fühlen von eloquent vorgetragener Ahungslosigkeit wie Denis Scheck sie in der genannten Kampagne zur Aufführung bringt.

Wie genau lautet der Vorschlag, den Scheck unterbreiten möchte? Welche altbewährten Mittel will er nutzen um mit der digitalen Kopie umzugehen? Selbst wenn man zu seinem Besten unterstellt, dass die Kreuzigungsfundstelle nur einen unglücklichen Kontext herstellt, bleiben dennoch zwei gravierende Probleme mit Schecks Statement und der Kampagne, in die es eingebettet ist:

Zunächst ignoriert der Beitrag die vergangenen Monate. Er hat die Anschlussfähigkeit eines Brunftschreis in einem artfremden Gehege. Hier will jemand ein Revier markieren, ohne zu bemerken, dass diese Markierung alle Grenzen überschreitet. Selbst wenn die Aussage – weniger gewitzt – einfach nur gelautet hätte “Urheberrecht find ich gut” (von dem Format sind andere Beiträge auf der Seite), krankt sie aber noch an einem zweiten Problem: Sie ist keine Antwort auf die Herausforderung. Denn natürlich ist das Urheberrecht wichtig, darüber streitet in Wahrheit niemand. Die Auseinandersetzung muss im Sinne einer offenen Gesellschaft über die Frage geführt werden, welche Durchsetzungsmaßnahmen die Gesellschaft für angemessen hält – und wie man die Akzeptanz des Urheberrechts steigert. Und hier wird das ganze Dilemma der 8-geben-Kamapagne (übrigens auch eine Website für Kleintierpflege) offensichtlich: Die Wortmeldungen auf der Seite legen nahe, der Herausforderung der digitalen Kopie sei allein und zuvorderst durch moralische Kampagnen zu begegnen.

Schriftstellerinnen und Schriftsteller betonen, dass ihre Arbeit etwas wert sei, dass sie bezahlt werden müsse. Sie sagen aber nicht, warum das jetzt zur Debatte stehen könnte. Sie weisen nicht darauf hin, dass die digitale Kopie den Vertrieb von Inhalten revolutioniert. Sie blenden aus, dass wir erstmals in der Geschichte der Menschheit identische Duplikate herstellen können. Sie sagen einfach nur, dass man das Wert schätzen solle, weil sie sonst kein Geld verdienen. Im Statement des Übersetzers Hinrich Schmidt-Henkel kann man raushören, dass diese angemessene Bezahlung nicht unbedingt mit dem Publikum, sondern vielleicht auch mit dem Verhalten der Rechteverwerter zu tun hat. Trotzdem suggeriert die Kampagne genau das: Wenn sich nur einfach alle moralisch gut verhalten, gibt es gar keine Probleme. Dass man über die Frage von Moral in dem Zusammenhang durchaus streiten kann, taucht dabei gar nicht auf (siehe dazu das Dilemma des Teilens), weil ja eben auch die Realität der digitalen Kopie nicht wirklich thematisiert wird.

Das ist deshalb schade, weil genau hier sich ja das Prinzip einer Verwertungsgesellschaft begründet: Wo individuelle Moralappelle nicht greifen, gibt es das Modell der Pauschalabgaben. Eine Verwertungsgesellschaft hat ihre Begründung genau darin, Vergütung für Werknutzung sicherzustellen, die nicht durch direkte Bezahlung erfolgt. Genau darauf sollte eine Kampagne einer Verwertungsgesellschaft ausgerichtet sein. Sie sollte das in den Vordergrund stellen, was Thomas Brusig auf der Kampagnenseite schreibt:

Die VG Wort bringt das Kunststück fertig, das Urheberrecht zu stärken, indem es die ungehinderte Verbreitung geistigen Eigentums ermöglicht und die Honorierung der Urheber im Blick hat. Wenn es die VG Wort nicht gäbe – man müsste sie erfinden.

Vielleicht muss genau das passieren: die Verwertungsgesellschaft muss sich (neu) erfinden. Dabei können übrigens sogar die Thesen dienlich sein, die dem 8-geben zum Titel verhalfen. Es gibt derer eben genau acht und die zweite so genannte Position wirbt für pauschale Abgabesysteme und nimmt dabei sogar das böse Wort Kulturflatrate in den Mund:

Die gesetzlich erlaubte Privatkopie ist eine Art „Kulturflatrate“ im geltenden Urheberrecht. Sie ermöglicht Vervielfältigungen für private Zwecke, sieht aber gleichzeitig eine angemessene Vergütung der Urheber durch die pauschale Gerätevergütung vor. Erlaubt sind analoge und digitale (!) Privatkopien. Allerdings muss für die Privatkopie eine angemessene Vergütung gezahlt werden. Diese wird durch die pauschale Geräte- und Speichermedienvergütung sichergestellt.

Darauf könnte Denis Scheck ja mal 8 geben, das ist im weitesten Sinn sogar ein altbewährtes Mittel.

Warum ich über Phänomeme blogge

Es verändert sich gerade etwas im Internet. Das ist ein absonderlicher Satz, weil sich ja ständig was ändert. Die Entwicklung, die ich zu beobachten glaube, ist aber etwas tiefgreifender als der stete Wandel im Web. Es ist vielleicht nur ein Trend, aber es ist erkennbar: Die Prinzipien der Phänomeme ziehen Kreise.

buzzfeed

Was ich damit meine: Die Netzkultur und deren Verbreitungsmechanismen setzen sich auch in vermeintlich seriösen Bereichen durch. Das beste Beispiel dafür liefert aktuell Buzzfeed, die BNW-Nachrichtensite, die Nachrichten “sozial” machen will:

Buzzfeed steht für ein Segment im Nachrichtengeschäft, das Peretti als BWN beschreibt: “Bored at Work Network” steht für die Haltung seiner Leser, die gelangweilt in der Arbeit vor einem Bildschirm hocken und nach Ablenkung suchen. Dieses Grundgefühl ist einer der Hauptantriebe für den Erfolg von Internet-Phänomemen und es beschreibt die Haltung, aus der heraus Peretti das Nachrichtengeschäft betreib

Ich notierte dies in dem kleinen Internet-Memeblog, das ich seit einer Weile für die SZ führe. Es trägt den programmatischen Titel “Phänomeme” und befasst sich mit Ausnahmeerscheinungen der Netzkultur. Bekannte Beispiele wie das Gangnam-Style Mem oder der Harlem Shake sind dabei nur die Oberfläche einer tiefgreifenden Veränderung der Netzkultur:

Zappeln als Distinktion steht nicht nur als globale Gruppendynamik für eine neue kulturelle Ordnung. Der Harlem Shake verschiebt auch die gelernten Muster von Popularität und Wertschöpfung.
(…)
Beim Aufkommen der Popmusik gab es im Klischee überzeichnete Plattenbosse, die an den Erfolgen und der Hysterie um ihre plötzlich populären Stars verdient haben. Es ist nicht so, dass heute nichts verdient würde, die Muster und die Nutznießer sind allerdings mittlerweile andere. Der Harlem Shake zeigt auch das.

Das Verständnis sozialer Nachrichten, das man bei Buzzfeed pflegt, die Entwicklung der Seite Upworthy und die genannten Meme stehen für diesen Wandel. Da ich diesen schon seit einer kleinen Weile auf Phänomeme begleite (am Wochenende die 30.000-Tumblr-Follower-Grenze überschritten), erschien es mir an der Zeit, auch hier mal auf das Blog und den zugehörigen Twitter-Account zu verweisen.

Crowdfunding: das Pitch-Video

kickstartervideo

Ob ein Crowdfunding-Projekt erfolgreich ist, hängt nicht unwesentlich davon ab, ob das Pitch-Video gut ist. Gelingt es, innerhalb von wenigen Minuten die Idee auf den Punkt und sympathisch rüber zu bringen?

Kickstarter hat heute den so genannten Video-Mode eingeführt, eine Übersicht mit deren Hilfe man sich durch Pitch-Videos auf Kickstarter klicken kann. Für jeden potenziellen Projektstarter eine Pflichtlektüre.

loading: Freienbibel

“Deutschland braucht freie Journalisten”, mit diesen Worten beginnt eine Crowdfunding-Kampagne, die Antwort auf die Frage geben will: Was brauchen freie Journalisten? Die Antwort lautet: die Freienbibel. So heißt das Handbuch, das die Freischreiber über die Plattform Krautreporter finanzieren wollen.

Ihr Vorsitzender Benno Stieber hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
Ein Profi-Handbuch für freie Journalisten, mit den wichtigsten Informationen die unsere Mitglieder brauchen, um ihren Job auch in Zukunft gut und professionell zu machen. Schön lesbar soll das Buch auch noch sein und auch hübsch anzusehen.

Warum (macht Ihr es so)?
Weil es immer den Wunsch gab, dass Freischreiber nicht ausschließlich im Digitalen stattfindet, fanden wir es gut, ein echtes Buch zu machen. Und Crowdfunding passt gut zu Freischreiber. Denn wir waren ja schon immer eine Selbsthilfegruppe im besten Sinne. Haben Lesereisen und einen Kongress organisiert. Und wir sehen die Aktion bei Krautreporter auch als Experiment, mit dem wir auch Erfahrungen sammeln können, für die Arbeit von freien Journalisten.

Wer soll das anschauen?
Alle, die Freischreiber sind.

Wie geht es weiter?
Am Ende schauen wir in den Topf, ob das Geld beisammen ist, und ob wir das Buch machen können. Dann werden unsere Autoren gebrieft und wenn das alles klappt, bekommen im Herbst alle Unterstützer und alle Neumitglieder dieses Buch.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Unter welchen Bedingungen heute viele Geschichten entstehen, die sie in Zeitungen und Magazinen lesen. Denn Qualitätsmedien zahlen häufig traurige Honorare. Aber die Leser sollten auch wissen welche Kreativität Journalisten gerade in diesen unsicheren Zeiten entfalten können. Die Freien-Bibel ist ein Beispiel dafür.


>>>>> Hier kann man die Freienbibel auf Krautreporter unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren: