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Evidenzbasierte Medizin

Vor einem guten Jahr habe ich über eine stern-Titelgeschichte gebloggt, die auf erstaunliche Art und Weise illustriert war …

http://www.stern.de/magazin/heft/stern-nr-10-04-03-2010-vorsorge-und-frueherkennung-1547984.html

… das wäre nicht weiter erwähnenswert, würde dieser Blogeintrag nicht noch immer Nacktheitsuchende Leser auf diese Seite treiben und hätte ich nicht gerade gelesen, dass die Autorin der Geschichte (die ich nicht gelesen habe) soeben mit dem Journalistenpreis des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch!

Kommentar-Qualität

Anfang September habe ich hier mit Katarina Rathert über die vorübergehende Auslagerung der stern.de-Leserkommentare auf Facebook gesprochen.

Das Interview hat einen gewissen Widerhall erzeugt und einige fortführende Berichte zu dem Thema Umgang mit Leserkommentaren angeregt. Unter anderem auf onlinejournalismus.de, wo Fiete Stegers zu dem Thema schrieb. Dort äußerte sich in den Kommentaren auch Fabian Mohr „aus Sicht von Zeit Online“. Gestern hat nun stern.de-Chef Frank Thomsen an gleicher Stelle auf den von Fabian geäußerten Verdacht reagiert, für die Verlagerung der Kommentare auf Facebook gebe es „andere als allein konzeptionelle Gründe“. Thomsen schreibt, durch die vorübergehende Verlagerung werde kein Euro eingespart. Mir erscheint das logisch, denn natürlich müssen auch Kommentare auf Facebook betreut werden.

Ein anderer Aspekt ist allerdings an dieser kleinen Debatte erwähnenswert. Fabian begründete in seinem Kommentar die höhere Qualität der Kommentare auf Facebook so:

Es sind nach unseren Erfahrungen zwei andere Aspekte: Eine präsente, zügige und zupackende Moderation der eingehenden Kommentare und, ebenso wichtig, die aktive Beteiligung von Redakteurinnen und Redakteuren an den Debatten unter ihren eigenen Beiträgen.

Das ist sicherlich richtig: Aktive, mitdiskutierende Redakteure und eine gute Moderation sind zwei bedeutsame Kriterien für hohe Kommentar-Qualität. Dass diese aber (worin sich wohl die meisten einig sind) auf Facebook besser ist, liegt an einem anderen Aspekt: am sozialen Umfeld, das jeder auf Facebook mitführt. Sogar als Klarnamen-Kommentator auf einer Zeitungswebsite agiere ich alleine und nur im Bezugsfeld der Website. Als Kommenator auf Facebook werden alle meine dortigen Freunde nicht nur über die Tatsache, dass ich kommentiert haben, sondern auch über den Inhalt meines Kommentars informiert. Dieser soziale Rahmen ist der entscheidende Grund dafür, dass hier Ausfälle seltener vorkommen.

Deshalb ist es meiner Einschätzung nach auch so wichtig, dass die Kommentarspalten bei Zeitungswebsiten nicht wie anonyme Foren behandelt werden, sondern wie soziale Gruppen, die eine Gemeinsamkeit, eine Verbindung haben. Denn nur dann entsteht auch in diesem Kontext der soziale Rahmen, der bei Facebook existiert – und dort für gesittetes Benehmen (meistens) sorgt.

via

Keine Kommentare auf stern.de: Interview mit Katarina Rathert

Community-Management entwickelt sich zu einem akzeptierten und wachsenden Bestandteil der Online-Publizistik. Und spätestens seit der Debatte über Klarnamen als Qualitätssicherung für Online-Debatten spielt auch Facebook hier eine immer wichtigere Rolle. Über die damit verbundenen Veränderungen habe ich mit Katarina Rathert gesprochen, die als Produktmanagerin bei stern.de arbeitet.

Das Interview erscheint im Rahmen einer kleinen unregelmäßigen Serie, in der ich bereits mit Dieter Kassel (Call-In im Radio), Markus Hofmann (Klarnamen in Diskussionen) und Christoph Dowe (Anforderung an einen Community-Manager) über die Herausforderung des aktiven Rezipienten gesprochen haben.

„Wir sind dabei, den Umgang mit Kommentaren neu zu konzipieren.“

Im Bereich „Community“ auf stern.de stellst du regelmäßig Fragen an die Nutzer der Website. Wer darauf antworten will, wird direkt auf Facebook geleitet. Warum ist das so?
Es handelt sich bei dem Video, das du ansprichst, um ein eigens für unseren Facebookauftritt konzipiertes Format. Als wir vor gut einem Jahr zusammen saßen und überlegt haben, wie wir stern.de auf Facebook präsentieren, war uns klar, dass wir die Redaktion anfassbar machen wollten. Daraus ist die Idee entstanden, dass unser Nachrichtenchef Dirk Benninghoff morgens einen Videobeitrag zu einem tagesaktuell wichtigen Thema macht. In meinen Videos nachmittags geht es dann meist um Themen, die im Netz diskutiert werden oder unsere Leser auf stern.de besonders interessieren. Häufig steht mir einer der Kollegen zum aktuellen Thema Rede und Antwort – auf diese Weise versuchen wir, der Redaktion auf Facebook ein Gesicht zu verleihen.

Stimmt mein Eindruck, dass man auf stern.de selber gar nicht mehr kommentieren kann?
Ja das stimmt, wir haben uns vor kurzem entschieden, die Kommentarfunktion auf stern.de vorerst nicht mehr anzubieten.

Warum?
Wir haben in den letzten Monaten vor allem im Vergleich zu den Diskussionen auf Facebook starke qualitative Unterschiede der Userbeiträge festgestellt. Anonym abgegebene Kommentare, die sich nicht an ein Mindestmaß der Regeln des menschlichen Miteinanders halten, haben uns die Arbeit zunehmend erschwert. Wir mussten Diskussionen ständig mit Ermahnungen unterbrechen, extreme Beiträge löschen und themenfremde Auseinandersetzungen über regelkonformes Verhalten führen. Viele Leser haben uns immer wieder gebeten, die Kommentare lieber ganz auszuschalten. Eine freie und lebendige Diskussion war kaum mehr möglich, und wir waren mit der Verwaltung von Usern beschäftigt, die bewusst darauf aus waren, zu stören. So eine Moderation ist sehr zeitintensiv, so dass wir uns zu Beginn der Urlaubszeit entschlossen haben, den Kommentaren bis auf Weiteres Ferien zu gönnen. Gleichzeitig haben wir darin eine Aufgabe entdeckt: Wir sind dabei, den Umgang mit Kommentaren auf stern.de neu zu konzipieren. Die Artikel, die wir sowieso jeden Tag auf Facebook platzieren, erhalten zudem einen Hinweis auf die Debatte in dem sozialen Netzwerk.

Welche Erfahrungen habt Ihr bisher damit gemacht?
Wir haben natürlich Nachfragen bekommen, treue User, die wissen wollten, was los ist, auch mal einige böse Mails, die uns der Zensur bezichtigt haben. Im Großen und Ganzen aber haben die User Verständnis gezeigt.

Du hast viel mit Nutzerkommentaren zu tun. Sind diese qualitativ tatsächlich auf Facebook besser?
Ja. Auf Facebook einer Seite zu sagen „gefällt mir“ und sich dort aktiv zu beteiligen ist ein Statement. Das gesamte eigene Netzwerk, welches zumeist aus Freunden, meist auch Arbeitskollegen oder Geschäftspartnern besteht, kann dies sehen und mitverfolgen. Da überlege ich mir sehr genau, was ich schreibe und wie ich es formuliere. Wenn wir doch mal Kommentare erhalten, die unter die Gürtellinie gehen, regulieren die User das sehr schnell untereinander, so dass auch kontroverse Debatten nicht abrutschen. Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Facebook-User uns offen gegenüber stehen – was nicht heißt, dass wir nicht auch Kritik einstecken müssen. Aber wir haben die Möglichkeit, Entscheidungen transparent zu machen und darüber in den Dialog mit den Leuten zu treten, die das respektvoll bewerten.

Die allermeisten Nutzer sind auf Facebook unter Klarnamen aktiv. Ist das der Grund für die höhere Qualität der Kommentare?
Auf jeden Fall und die damit einhergehende soziale Kontrolle: jeder kann sehen, was und wie ich es geschrieben habe, zu welchen Themen ich was sage. Da will ich mir sicher sein, dazu auch stehen zu können und mich nicht zu blamieren oder dem Spott meiner Freunde auszusetzen.

Würdest du Forenbetreibern und Anbietern, die Nutzer auf ihrer Website kommentieren lassen, raten, dies auf Facebook oder andere externe Dienstleister auszulagern?
Nicht immer. Man muss sich überlegen, ob man sich auf externe Anbieter, ihre technischen Möglichkeiten und Regeln allein beschränken oder individuelle Zusatzangebote schaffen möchte.

Was spricht dafür? Was spricht dagegen?
Dafür spricht ganz eindeutig der technische Aufwand: Facebook etwa kann man zur Diskussion mit seiner Zielgruppe auch dann nutzen, wenn keine eigene technische Infrastruktur vorhanden ist. Dagegen spricht sicher die potenzielle Abhängigkeit von einem Anbieter, seinen Regeln und natürlich damit auch dessen Firmenpolitik.

Ein Argument dagegen, Kommentare auf Facebook auszulagern, lautet: Man verliert so den Einfluß. Teilst Du diese Befürchtung?
In gewisser Weise ja. Man macht sich, wie oben beschrieben, natürlich auch abhängig von einem Global Player, dessen Regeln und Kommunikationskultur User verstehen und auch akzeptieren müssen. Man muss Facebook und seine Regeln kennen, um damit arbeiten zu können.

Ein Ausblick in die Zukunft: Wie glaubst du, werden sich Nutzerkommentare in den kommenden Jahren entwickeln?
Nachdem wir in den letzten Jahren darüber diskutiert haben, ob Kommentare sein müssen, haben sich diese nun endlich etabliert. Entscheider sehen zunehmend den Wert der Meinung ihrer Kunden. Kommentare als Feedback- und Ideentool haben sich etabliert und entwickelt. Das Miteinander ist diskutiert und ausgehandelt worden. Kommentare in Blogs haben es vorgemacht: freiwillige Klarnamennennung oder der Login per vorhandener Webidentität führen zu Diskussionen, die allen Beteiligten nicht nur Spaß machen, sondern auch inhaltlich weiterbringen.

Nackt auf dem Stern

Die aktuelle Ausgabe des Magazins stern widmet sich dem Thema Vorsorge und Früherkennung. Wie bringt man das am besten aufs Cover? Man zeigt einfach, wie Vorsorge und Früherkennung überlicherweise geht: eine nackte Frau, die verträumt (schlafend?) sich selbst mit einem Stethoskop untersucht. Ist doch klar!

Feedback

Ich denke, wir müssen eine Debatte über Fußgängerzonen starten. Die waren lang genug ein rechtsfreier Raum.

Die Kollegen von Bits und so (etwa ab 1:23:00) haben sich mit der Urheberrechtsverletzung befasst, der ich in dieser Woche zum Opfer fiel. Das freut mich sehr, denn sie bringen das Problem ziemlich gut auf den Punkt.

Auch die Kollegen von stern.de lesen offenbar mein Blog – und sie reagieren auch drauf. Ich hatte mich zum Relaunch der Site mit der Kommentarsortierung befasst und lese jetzt unter dem Titel „Das sagt das Web zum neuen stern.de“, dass die Kommentare dort „vorerst weiterhin umgekehrt chronologisch“ dargestellt werden. Vorerst …

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte: Das Internet ist ein Kommunikationsmedium. Toll!

Der Relaunch von stern.de

Die Website vom Stern hat ein neues Aussehen. Doch wenn man bei stern.de nach dem Wort Relaunch sucht, findet man nur die dpa-Meldung über die Umgestaltung der Seite. Die ist aber – wie die anderen Inhalte der Seite auch – mit einem so genannten Schlagwort versehen – in dem Fall namens „stern.de“. Leider liefert dies nur einen anderen Artikel, der jedoch aus dem Jahr 2003 stammt und sich mit James Bond befasst.

Warum ich das schreibe? Weil ich mich vor etwa einem Jahr mal mit der Reihenfolge von Leserkommentaren befasst habe. Dabei stellte ich fest, dass fast alle deutschen Nachrichtensites (auch stern.de) die Kommentare in einer leserunfreundlichen umgekehrt-chronologischen Sortierung darstellen. Ich stellte damals die These auf, dass die Debatten auf klassischen Nachrichtensites unter anderem auch deshalb schlechter laufen als in Foren und Blogs, die ihre Kommentare chronologisch darstellen. Jetzt wollte ich nachschauen, wie das neue Stern-Angebot damit umgeht.


Mittlerweile
habe ich länger über dieses Thema diskutiert und nachgedacht und würde meine These dahingehend zuspitzen, dass umgekehrt chronologisch sortierende Sites kein Interesse an einer wirklichen Community haben. Ihr Hauptinteresse ist der neue Nutzer, der schnell sehen will (oder soll), wo zuletzt kommentiert wurde. Anbieter, denen jedoch an einer echten Debatte gelegen ist, setzen auf die chronologische Sortierung, die zwar den neusten Beitrag am Ende, dafür aber den Zusammenhang übersichtlich darstellt.

Im Ressort „Digital“ habe ich dann übrigens doch noch eine Meldung vom Chefredakteur zur Neugestaltung von stern.de gefunden. Dort schreibt Frank Thomsen

Wichtiger aber als unsere Meinung ist Ihre: Denn stern.de ist Ihre Seite der Nachrichten. Wie gefällt Ihnen das neue stern.de? Schreiben Sie uns. Entweder hier direkt als Kommentar. Oder persönlicher eine Mail an mich.

Darunter dann folgen die Kommentare: in umgekehrt chronologischer Sortierung.