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Jung sein und jung bleiben

Wenn es eine Sache gibt, die ich am 20. Mai mit Sicherheit nicht tun werde, dann dies: Ich werde auf keinen Fall auf die Junge Digitalisten genannte Veranstaltung von snäckable gehen! Dabei wird sie von – ich habe das im persönlichen Gespräch überprüft – tollen Menschen organisiert, die spannende Sachen machen. Aber mich wird man im MediaLab der BLM an dem Abend sicher nicht sehen.

Denn ich darf nicht kommen. Ich bin zu alt (auch wenn ich mich kaum so fühle)! Anders als bei der Tincon, auf die ich mich im vergangenen Jahr durch Fälschen meines Schülerausweises einen Vortrag schummeln konnte, werde ich in München keine Chance haben. Und das ist auch gut so.

Gleichwohl gab es an der ursprünglichen Ausschreibung einen Aspekt, der mich interessiert hätte. Statt einer knallharten Altergrenze stand dort anfangs nämlich, die Veranstaltung richte sich an Menschen, die sich am Anfang ihres Berufsweges befinden. Und als ich das las, dachte ich: Stehen wir nicht alle am Anfang eines neuen Berufsweges? Sollten nicht auch bzw. gerade diejenigen, die schon eine Weile im Job sind, die Haltung des Einstiegs einüben? Die Bereitschaft, sich für Neues zu interessieren, die Freude daran, etwas Unbekanntes zu erlernen – all das macht ja den Berufseinstieg aus und scheint mir im Laufe eines Arbeitslebens nicht selten verloren zu gehen. Das ist schade – zumal in einer sich wandelnden Branche.

Auch deshalb habe ich in der letzten Ausgabe meines Newsletters die Leser*innen gebeten, Erfahrungen im Umgang mit digitalen Technologien zu teilen. Es gibt schon sehr tolle Antworten auf die kleine Umfrage, deren Ergebnisse mit der nächsten Folge des Newsletters Ende des Monats verschickt werden.

Wer die Ergebnisse lesen will, sollte sich hier auf den Newsletter eintragen.

Und wer Erfahrungen teilen möchte, kann hier eine (oder auch gerne mehrere) Typeform-Fragen beantworten:

1. Wie benutze ich Instagram?
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2. Wie erstelle ich ein eBook?
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3. Wie verschicke ich einen Newsletter?
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4. Wie erstelle ich einen Podcast?
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5. Wie führe ich meine ToDo-Liste?
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6. Wie kann ich Twitter optimal nutzen?
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7. Wie kann ich Videos selber erstellen?
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8. Wie kann ich selber Chatbots erstellen?
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9. Wie führe ich ein Blog?
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Und sollte hier jemand mitlesen, der zwischen 20 und 30 Jahren alt ist: am 20. Mai ist glaube ich eine ganz gute Veranstaltung in München

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben

Fünf Milliarden Euro will Bundesbildungsministerin Wanka für einen „Digital-Pakt zwischen Bund und Ländern“ zur Verfügung stellen, der deutschen Schulen bis 2021 WLAN und Computer bringen soll. Was manchem als überfällig, aber mindestens notwendig erscheint, ist für Josef Kraus ein großer Fehler. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hat sich in einem Interview zu den Digital-Plänen geäußert und seine Bedenken vorgetragen.

Foto: Unsplash/Roman Mager

Foto: Unsplash/Roman Mager

Es lohnt sich, das Interview genau zu lesen, weil es nicht nur Besitzstandswahrung eines Funktionärs, sondern vor allem ein Symbol dafür ist, welche Haltung in diesem Land zu (technischen) Veränderungen vorherrscht. In dem Interview zeigt sich beispielhaft, warum man über den rechten Gebrauch von Smartphones große Diskussionen erzeugen kann. Denn was neu und anders ist, sorgt bei Menschen wie Herrn Kraus nicht für Neugier oder Interesse, sondern führt einzig zu Ablehnung, auf Basis dessen, was sie ohnehin schon wissen:

„Die Digitalisierung der Klassen würde die bei den Schülern ohnehin vorhandene Neigung zum Häppchenwissen noch verstärken. Es leidet die Konzentration. Es leidet das Lesevermögen und die Diskursfähigkeit.“
(…)
„Viele lesen gar keine Bücher mehr. Bücher sind Wissen ohne Verfallsdatum.“

Mal abgesehen davon, dass Josef Kraus hier quasi nebenei eine wunderbare Definition für eBooks liefert („Wissen ohne Verfallsdatum“), zeigt diese Aussage vor allem dies: In seinem Urteil verlässt sich Herr Kraus so weitgehend auf die Vergangenheit, dass er die Gegenwart vollkommen ausklammern kann.

Darüber könnte man sich nun sehr intensiv und sehr zurecht aufregen. Man könnte und müsste anprangern, dass und wie der Präsident des Lehrerverbandes hier seine eigene Vergangenheit zum Maßstab für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler – und damit auch unseres Landes – erhebt. Das wird aber vermutlich zu keinem Ergebnis führen, Menschen wie Herrn Kraus womöglich sogar noch in ihrer Ablehnung bestärken.

Deshalb will ich umgekehrt an die Vorbildfunktionen von Lehrerinnen und Lehrer in diesem Land appellieren: „Erziehung ist Vorbild und Liebe und sonst nichts“ hat Friedrich Fröbel mal gesagt. In diesem Sinne würde ich mir, den Schüler*innen und dem ganzen Land Lehrer*innen (und Präsidenten) wünschen, die sich als (digitale) Vorbilder verstehen: Menschen, die ihren Schüler*innen zeigen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit (digitalen) Neuerungen geht. Menschen, die das Unbekannte nicht als falsch ablehnen, sondern sich ihm offen nähern, um herauszufinden was gut und schlecht daran ist. Denn womöglich kann man mit Laptop und Internet im Klassenzimmer Bücher lesen, ohne dafür Papier zu bewegen!

Wer vorher schon alles zu wissen glaubt, hat in Wahrheit gar keine Ahnung. Wer sich jedoch kulturpragmatisch auf die Welt einlässt, kann fürs Leben lernen – und sich fürs lebenslange Lernen wappnen. Genau das sollte Schule im besten Fall leisten – ob mit oder ohne WLAN ist dabei zunächst egal (sieht man ja gerade an vielen Schulen).

Wer aber wie Herr Kraus der Welt seine Meinung von gut und schlecht überstülpt und behauptet, „die vis-à-vis-Kommunikation ist immer besser, als auf dem Schulhof nebeneinanderzusitzen und sich gegenseitig WhatsApp-Nachrichten zu schicken“, beweist damit nur, dass es ihm nicht um Neugier und Interesse am Morgen geht, sondern einzig darum, die Wahrheiten des gestern zu sichern. Das kann man machen, aber wenn es eine Fähigkeit gibt, die einen Lehrer oder eine Lehrerin auszeichnen sollte, dann doch dies: Interesse an der Zukunft haben!

Mehr zum Thema Kulturpragmatismus in den Digitalen Notizen.

25 Tipps fürs gute Schreiben

Der Guardian hat eine Manifesto for the simple scribe veröffentlicht, das der ehemalige Guardian-Redakteur Tim Radford vor 15 Jahren in Form von 25 Tipps fürs gute Schreiben verfasst hat. Alle 25 Punkte sind lesenswert und erstaunlich aktuell. Meine drei Favoriten:

>> If in doubt, assume the reader knows nothing. However, never make the mistake of assuming that the reader is stupid. The classic error in journalism is to overestimate what the reader knows and underestimate the reader’s intelligence.

>> Don’t even start writing till you have decided what the one big thing is going to be, and then say it to yourself in just one sentence. Then ask yourself whether you could imagine your mother listening to this sentence for longer than a microsecond before she reaches for the ironing. Should you try to sell an editor an idea for an article, you will get about the same level of attention, so pay attention to this sentence. It is often – not always, but often – the first sentence of your article anyway.

>> Read. Read lots of different things. Read the King James Bible, and Dickens, and poems by Shelley, and Marvel Comics and thrillers by Chester Himes and Dashiel Hammet. Look at the astonishing things you can do with words. Note the way they can conjure up whole worlds in the space of half a page.

via

Michael Wesch übers Lernen

Wir beginnen eben erst zu verstehen, was Computer alles besser können. Wir sollten also aufhören, uns mit dem Zeug aufzuhalten, was die einfach besser draufhaben. Zum Beispiel vergeuden wir viel Zeit damit, unsere Studenten zum Auswendiglernen zu bringen. Und hinterher fragen wir diese Informationen in Examen wieder ab. Das muss aufhören!

In der taz spricht der YouTube-Professor Michael Wesch über das Lernen in Zeiten der Digitalisierung. Dazu passend: Dave Eggers über Schule.