Die symbolischen Väter

Die symbolischen Väter sind tolerant und einfühlsam, sie denken mit und packen an, sie können kochen und wissen, wo das Waschmittel steht. Und das unterscheidet die meisten von ihnen von den meisten ihrer Väter. Alles gut, alles schön.

Aber reicht das? Oder anders gefragt: Wann werden die symbolischen Väter zu realen Vätern? Wann wird für sie der Entschluss, eine Familie zu gründen, auch einen realen Verzicht, Einschnitte und Kompromisse nach sich ziehen?

Jana Hensel widmet sich unter dem Titel Vater Morgana im aktuellen Zeit-Magazin den Problemen, die sich hinter all den beständig gelobten Elternzeit-Vätern auftun, wenn diese an den Arbeitsplatz zurückkehren und so tun, als sei alles wieder wie vorher. Sehr angenehm nach all den durchaus selbstgefälligen Wickel-Vätern mal eine andere, die weibliche, Perspektive auf dieses Thema zu lesen.

Hensel nennt diese Männer „symbolische Väter“ und breitet – um das Phänomen zu beschreiben – dem Leser ihre private Lebenssituation als Vollzeit arbeitende Mutter aus (laut Website ist sie: „freie Journalistin und Autorin in Berlin“). Ich bin unsicher, ob das tatsächlich nötig gewesen wäre. Denn die Lösung, dieser in der Tat komplizierten Situation ist ja – wie die Einführung des Elterngeldes gezeigt hat – nicht zuvorderst auf der privaten Ebene zu suchen. Damit sich einlösen kann, was Hensel anspricht, müssen dafür auch gesetzliche Rahmen geschaffen werden:

Wie aber wäre es, wenn auch er, sagen wir, an zwei Tagen der Woche die Kinder von der Kita abholte, wenn er mit den Älteren Schularbeiten machte? Wenn er nicht nur ein Einzelfall wäre, der die Regel bestätigt? Der reale Vater würde beginnen, die Familienarbeit nicht länger auf die Schultern der Frau abzuladen, er würde eine wirkliche und auch messbare Verantwortung übernehmen. Und er müsste seine Partnerin nicht länger mit symbolischen Gesten bei Laune halten.

Damit das gelingen kann, muss es Arbeitsmodelle geben, die Teilzeit nicht als Notlösung darstellen. Wie überfällig das ist, konnte man im Oktober in der ARD-Sendung Panorama sehen, in der die „Instyle“-Chefin Annette Weber über die Teilzeit-Modelle in ihrer Redaktion sprach. Sie sagte:

Das ist ja kein betreutes Wohnen, eine Redaktion. Das ist natürlich ein Unternehmen, was wirtschaftlich arbeiten muss und dem sind natürlich Grenzen gesetzt. Es ist natürlich so: in wirtschaftlich florierenden Zeiten kann man es sich eher mal erlauben, Mitarbeiter, in Anführungszeichen mitzuschleppen.

So etwas ist in Anführungszeichen ärgerlich – und sicher Anlass für eine Berichterstattung, die über die persönliche Befindlichkeit und Lebenssituation hinaus geht.