#digitalcharta: Nutzen wir die Chance!

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Ja, mir fallen auch ganz viele Dinge ein, die ich an der Digital Charta kritisieren könnte. Aber nein, ich habe in den vergangenen Jahren noch keinen Ansatz gesehen, der so umfassend und auf so hoher Ebene versucht hat, digitale Grundrechte zu formulieren (und diese heute im Europaparlament vorstellt) Deshalb freue ich mich darüber, dass es die Idee #digitalcharta gibt – und finde, wir sollten nach Tagen der Kritik nun endlich anfangen, ernstzunehmen, was die Initiatorinnen und Initatoren dieser Idee vorgeschlagen haben: gemeinsam mit ihnen eine digitale Zivilgesellschaft formen!

Dazu zählt, dass z.B. die Debatte über die Sinnlosigkeit der Vorratsdatenspeicherung künftig nicht mehr nur von den Menschen geführt wird, die sich bisher dagegen engagiert haben, sondern auch von dem Mann, den zumindest Gabor Steingart für einen potenziellen Kanzlerkandidaten der SPD hält. Martin Schulz zählt zu den Initiatoren dieser Charta, die den Satz enthält: „Eine anlasslose Massenüberwachung findet nicht statt.“

Ich lese das als Einladung, ihn in dem Moment daran zu erinnern, in dem die SPD wieder anfängt, über Vorratsdaten zu diskutieren. Ich lese den Vorschlag als Ermutigung an alle Internetskeptiker, sich zu engagieren in der digitalen Zivilgesellschaft. Anders kann ich mir nicht erklären, wofür die Unterscheidung zwischen Unterzeichner und Initiator gut sein soll: Es ist die Einladung, diese 27 Frauen und Männer beim Wort zu nehmen, wenn es um die digitale Gesellschaft sind:

Jan Philipp Albrecht
Gerhart R. Baum
Heinz Bude
Rebecca Casati
Johannes Caspar
Giovanni di Lorenzo
Michael Göring
Johnny Haeusler
Götz Hamann
Byung-Chul Han
Wolfgang Hoffmann-Riem
Jeanette Hofmann ·
Yvonne Hofstetter
Christoph Keese
Wolfgang Kleinwächter
Sascha Lobo
Christoph Möllers
Daniel Opper
Bernhard Pörksen
Frank Rieger
Nikolaus Schneider
Martin Schulz
Malte Spitz
Beate Wagner
Heinrich Wefing
Ulrich Wilhelm
Juli Zeh

Es handelt sich dabei um z.T. sehr tolle und allesamt sehr einflussreiche Menschen, die zum Teil schon heute als Streiter fürs Digitale und für digitale Grundrechte bekannt sind. Zum Teil aber eben noch nicht und nicht immer. Dass sie das mit dem Entwurf der Charta ändern, finde ich bemerkenswert, erfreulich und absolut unterstützenswert. Denn abseits der Diskussion um den Inhalt, zeigt der Ansatz der Charta doch: Diese Menschen wollen nicht mehr diskutieren, ob wir das Digitale brauchen, sie wollen gestalten, wie es eingesetzt wird.

Wie ernst sie dies meinen, wird sich meiner Meinung nach an zwei Entwicklungen zeigen, die wir in den nächsten Tagen und Wochen beobachten können. Zum einen werden wir sehen, ob sie das Angebot einer Debatte ernst meinen und ob sie einsteigen in den Austausch über den Inhalt ihres Entwurfs – oder ob sie dies auf die wenigen Schultern derjenigen laden, die eh schon im Netz debattieren. Und zum zweiten können all die einflussreichen Menschen der Initiatoren-Liste in ihrer täglichen Arbeit in den Gremien, Stiftungen und Medien, die sie führen beweisen, wie ernst sie es meinen mit dem Digitalen. Ich freue mich drauf!

PS: Wenn sie es ernst meinen, finden sie sicher auch Gefallen an der Idee, einen Heimat- und Brauchtumsverein fürs Internet zu gründen ;-)