Bild-Leser und der Bundespräsident

Man kann jede Menge über den Fall Sarrazin sagen. Man kann sich aufregen, schimpfen, widersprechen. Und man kann – ich hätte nicht gedacht, das mal zu schreiben – die Bild loben. Und zwar für diese Briefaktion, die man in der Online-Redaktion entwickelt hat. Weil sich Bundespräsident Wulff ohne Not und etwas frühzeitig in Sachen Sarrazin zu Wort gemeldet (und diesem damit noch mehr Don’t feed the trolls!-Aufmerksamkeit gebracht) hatte, steckt Wulff jetzt selber in der Debatte. Bild.de nutzt ihn deshalb als Projektionsfläche für einen Offenen Brief, den Bild-Leser an ihn schreiben sollen. Und zwar (u.a.) mit diesen Auswahlfeldern:

http://www.bild.de/BILD/politik/2010/09/08/bundespraesident-christian-wulff/formular-sarrazin/artikel.html

Bild macht sich so zum Anwalt seiner Leser und will dem Präsidenten die Briefe weiterleiten. Welche Ergebnisse dabei rauskommen, lässt sich erahnen, wenn man die Leserkommentare auf der Seite anschaut. Davon handelt mein Lob für die Aktion auch nicht, sondern von der handwerklich guten Einbindung der Leser. Auf einfache, aber konsequente Art wird so der Eindruck erweckt: Dieses Medium interessiert sich für meine Ansichten als Leser und leitet diese auch weiter. Mehr noch: Dieses Medium verleiht meiner Meinung sogar Gewicht, in dem es sie dem Bundespräsidenten zukommen lässt.

Natürlich ist mir der wahre Wert dieser Aktion bewusst, bemerkenswert finde ich dennoch, wie konsequent die Redaktion die Interessen des aktiven Rezipienten zu wecken weiß.

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