Apple, think different!

Das mobile Telefon ist nicht erst seit der Erfindung des Smartphones zu einem wichtigen Bestandteil der Popkultur geworden – und das liegt keineswegs nur an den zahlreichen kleinen Programmen, die seine Verwendungsmöglichkeiten erweitern. Es liegt daran, dass es stets und überall dabei ist. Auf Konzerten zum Beispiel hat das Handy-Display mittlerweile das Feuerzeug als Hochhalte-Instrument abgelöst. Wo immer etwas auf einer Bühne passiert, finden sich mindestens ein paar Zuschauer, die Fotos oder Filme mit hochgerecktem Arm machen. Noch.

Think Different aufgenommen von Flickr-User bourgeoisbee unter CC-Linzenz

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Denn wenn man dieser Meldung aus der Sun Glauben schenken darf, könnte dieses Bild bald der Vergangenheit angehören. Angeblich arbeitet die Firma Apple (vormaliger Slogan: Think different!) an einer Technologie, die es ermöglicht, von der Bühne aus, die iPhone-Geräte im Auditorium filmunfähig zu machen:

The leading computer company plans to build a system that will sense when people are trying to video live events — and turn off their cameras.

Begründet wird dieser Zensur-Eingriff in die Rechte der Kamera-Käufer mit Verweis aufs Urheberrecht. Da vermeintlich zu viele Menschen bei Live-Events ihre Taschenkamera zücken und aufnehmen, was sie sehen, will Apple offenbar den Organisatoren und Rechte-Verwertern entgegen kommen. Die Sun schreibt:

The new technology is seen as an attempt to protect the interests of event organisers and broadcasters who have exclusive rights to concerts.

Ich weiß nicht, ob diese Meldung stimmt. Aber dass man sie überhaupt verbreitet und niemand kopfschüttelnd abwinkt und sagt: „Nee, sowas würde Apple doch nie machen“, zeigt, was aus Think different geworden ist.

Dass öffentliche Veranstaltungen mittels einer zentral von der Bühne gesteuerten Überwachungstechnologie derartig kontrolliert werden können, dass Anwesende sie nicht mitschneiden oder mitfilmen können, klingt wie ein diktatorisches Schreckensszenario, es scheint aber die Realität in Zeiten des angeblich aufgeweichten Urheberrechts zu sein.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob die Meldung stimmt. Aber dass man sie überhaupt verbreitet und niemand kopfschüttelnd abwinkt und sagte: „Nee, sowas würden die Rechte-Verwerter aus demokratischem Anstand doch nie wollen“, zeigt was aus dem Urheberrecht geworden ist.

Ich glaube, dass in Zeiten der digitalen Kopie die Vervielfältigung zu einem Bestandteil der Meinungsäußerung geworden ist. Deshalb habe ich für Mashup ein Lob der Kopie angestimmt. Denn Beispiele wie die obige Apple-Meldung zeigen, wie sich die Maßstäbe verschieben. Es ist unverhältnismäßig, das Recht auf freie Meinungsäußerung in dieser Form einschränken zu wollen. Denn wer es für gerechtfertigt hält, die Aufzeichnung von Musikdarbietungen technisch zu unterbinden, öffnet damit Tür und Tor für politisch weitreichendere Begehrlichkeiten. Warum nicht auch das Filmen von politischen Veranstaltungen unterbinden?

Aus dem gleichen Grund, der gegen den oben genannten möglichen Apple-Plan spricht: Es ist einer demokratischen Gesellschaft nicht würdig.

2 Kommentare

  1. Die Sache mit dem Patent stimmt schon (US Patent No. 20110128384), die Frage ist allerdings, ob daraus etwas folgt. Apple (wie viele andere) meldet Patente am laufenden Meter an, manchmal auch einfach nur, um anderen zuvor zu kommen. Lesenswert dazu ist der Beitrag beim IP Watchdog:

    http://ipwatchdog.com/2011/06/17/apple-patent-app-seeks-to-disable-iphone-video-recorder/

    Trotzdem wirklich bemerkenswert, dass man sich bei Apple über gar nichts mehr wundert. Und einer demokratischen Gesellschaft unwürdig, stimme voll zu.

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