Yours to discover: das neue Twitter

Twitter bekommt ein neues Gesicht. Der Nachrichtendienst wird in den nächsten Tagen (und Wochen schrittweise) gerelauncht. Es wird einen veränderten Zugang, eine veränderte Gestaltung und vor allem eine angeblich einfachere Bedienbarkeit geben. Nachlesen kann man das auf fly.twitter.com, wo die Twitter-Macher erläutern, was sie umtreibt. Dort kann man auch diesen kleinen Werbespot anschauen:



Schwerpunkt der neuen Twitter-Positionierung ist der Slogan „Yours to discover“, was man mit „Gehe auf Entdeckungsreise – Folge Deinen Interessen jetzt noch schneller und einfacher“ auf deutsch übersetzt hat. Diese Schärfung des Profils ist einerseits sicher eine Reaktion auf Googles Aktivitäten unter Google Plus. Andererseits geht Twitter damit aber einen Weg konsequent weiter, der mit der Umbenennung der Einstiegsfrage begann und in der neuen Aufforderung „Yours to discover“ seinen nächsten Schritt erreicht (ich hatte im September 2010 in der Süddeutschen Zeitung drüber geschrieben). Es geht den Machern nun nicht mehr in erster Linie um Menschen, die aktiv Tweets schreiben. Es geht darum, in und über Twitter Nachrichten zu konsumieren. Twitter soll zum Zugang zur Welt der Information werden – in Echtzeit.

In der Woche, in der Flipboard seine iPhone-App vorstellt, lohnt es sich auf diesen Wandel hinzuweisen. Die Debatte rund um Twitter dreht sich nicht mehr um Oversharer oder um private Daten in öffentlichen Nachrichten. Die Debatte um Twitter (und soziales Wissen in Gänze) dreht sich mittlerweile um Zeitersparnis. So jedenfalls muss man den Spot verstehen, mit dem Flipboard seine tatsächlich sehr gute iPhone-App bewirbt:



Das ist erstaunlich, denn dadurch löst sich Twitter (völlig zurecht) von einer Debatte, die eh ein Scheingefecht war. Hier geht es schon lange nicht mehr darum, ob irgendwer vermeintlichen Quatsch verbreitet. Hier geht es um die Art und Weise, wie Menschen zeitgemäß durchs Netz navigieren, wie sie Nachrichten finden und verbreiten. Twitter will sich genau an dieser zentralen Stelle positionieren – und nach allem, was ich derzeit sehe, scheint das zu gelingen.

In Konkurrenz zu Google Plus und Facebook kommt dem Dienst der unschätzbare Vorteil der Einfachheit entgegen. Es geht weiterhin um das Lesen und Verbreiten von Meldungen von 140 Zeichen Länge. Dieser simple Ansatz ist der Kern von Twitter, der Zauber entfaltet sich durch all das, was drumherum geschieht.

Mehr zum neuen Twitter beim Guardian, Mashable und in der New York Times

Genau hier ist die Schnittstelle für guten, dialogfähigen Journalismus. Er sollte Antworten suchen auf die Frage: Wie können wir diese Ökosystem nutzen? Und dabei stehen wir – man vergisst es vor lauter Umbauten fast – noch ganz am Anfang: Twitter ist in diesem Jahr erst fünf Jahre alt geworden.

2 Kommentare

  1. Flipboard gefällt mir bisher ausgezeichnet, abgesehen von der Tatsache, daß es mit dem Merken bereits gelesener Artikel scheinbar manchmal Probleme gibt.

    Das erste eingebundene Video läßt sich nicht anschauen, es ist „privat“.

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