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Tag "google"

Hat Google eine Startseite? Google hat einen Suchschlitz. Google nutzt manchmal sein Logo, um damit an bestimmte Daten zu erinnern. Und heute macht Google das hier mit der ersten Seite seines Angebots:


Unter dem Suchfeld steht

Steve Jobs, 1955 – 2011

verlinkt mit der Startseite der Firma Apple, deren Chef Jobs bis vor kurzem war. Dort steht die Traueranzeige zum Tod von Steve Jobs.

Wie gesagt: “Wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie mich schon erreichen.”

Ich kenne Eli Pariser nicht persönlich. Mir liegt auch nichts daran, ihn zu verteidigen. Ich glaube aber, dass ihm gerade an einigen Stellen unrecht getan wird – und dass das etwas über die Art sagt, wie Netzdebatten geführt werden.

Vor ein paar Wochen habe ich sein Buch The Filter Bubble in der SZ vorgestellt. Dabei habe ich versucht, seine Kernthese darzustellen, aber auch die Schlussfolgerungen, die er zieht. Ich fand gerade die hinteren Kapitel seines Buchs spannend. Weil ich sie als Grundlage für eine aktive Netzpolitik gelesen habe.

Zahlreiche Texte, die sich mit Parisers Buch befassen, beschränken sich aber darauf, seine Kernthese zu widerlegen, statt auch der Frage nachzugehen, aus welchem Grund er diese These so ausführlich darlegt – also die Frage zu beantworten: Worauf will Pariser eigentlich hinaus?

Ich habe sein Buch mitnichten als Beispiel für “eine geradezu klassisch kulturpessimistische Sicht” gelesen. Diese unterstellt Peter Glaser in einem Von wegen Filterblase betitelten Beitrag auf Hyperland. Ihn störe am meisten, schreibt Glaser,

dass es ein längst abgelegtes Menschenbild, nämlich das des wehrlosen, manipulierbaren Medienopfers, aus der Mottenkiste holt.

Das würde ich auch als störend empfinden. Aber genau dieses Bild bedient Pariser meiner Meinung nach nicht. Im Gegenteil: Er versteht den aktiven Rezipienten als Gestalter seiner (Medien-)Realität. Er liefert sogar Anleitungen, diese Realität sehr bewusst und gegen die Filter-Blase zu formen. Gleichzeitig sagt er aber: So lange Page- und Edge-Rank nicht offen liegen, sind diese Gestaltungsversuche nicht so effektiv wie sie sein könnten, wenn man Google und Facebook als Öffentlichkeits-Akteure in die Pflicht nimmt. Ich halte diesen Ansatz für zumindest diskutabel. Doch statt dieser Frage nachzugehen, räumt Glaser mit einer Art All-inclusive-Argument das gesamte Buch beiseite:

Man könnte auch sagen, dass Eli Pariser Schwierigkeiten mit der Tatsache hat, dass die Welt und damit auch die Demokratie immer komplexer wird. Das Zeitalter der Massenmedien geht zu Ende, nun beginnt die Zeit der Medienmassen. Ja, zunehmend viele unterschiedliche Zugänge und Auffassungen sind mühsam. Aber stattdessen alles wieder auf eine Mainstream-Einheitlichkeit zu reduzieren, ist auch keine Lösung.

Ich glaube nicht, dass es Pariser darum geht. Im Gegenteil: Er beklagt, dass Komplexität verloren geht. Ich habe das Buch eher als Hinweis auf die Frage verstanden: Taugen unsere überkommenen Vorstellungen von Relevanz eigentlich noch, wenn im Netz sich neue Interpretationen dessen entwickeln? Denn wenn sich die Zuckerbergsche Variante durchsetzt, heißt das, dass relevant nur noch das ist, worauf ich reagiere. Das bedeutet aber eben, dass womöglich gerade keine unterschiedlichen Zugänge und Auffassungen angezeigt werden. Und das verändert die Wahrnehmung. Selbst wenn man die anderen Zugänge und Auffassungen finden könnte, sie sind nicht mehr präsent.

Die Frage nach den Folgen einer solchen Entwicklung zu stellen, halte ich für sehr wegweisend. Denn sie ist nicht von Kulturpessimismus getrieben, sondern von der Sorge, die Gestaltung von gesellschaftlicher Relevanz und Öffentlichkeit nicht allein den Geschäftsinteressen von Google und Facebook zu überlassen.

Wenn es selbst ein junger Netzaktivist wie Eli Pariser nicht schafft, diese Frage auf die Agenda zu bringen, ohne gleich in die Ecke der Kulturpessimisten gestellt zu werden, scheint die Debatte über das Netz und seine gesellschaftlichen Folgen doch stärker von Reflexen und Automatismen durchzogen als es gut ist. Das finde ich schade. Denn ich glaube, wir brauchen über kurz oder lang eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie die wachsende Personalisierung von Nachrichten mit unserer Lagerfeuer-artigen Vorstellung von allgemeiner Öffentlichkeit zusammengeht.

Sascha Lobo ist immer ein toller Gesprächsanlass. In diesem Fall vor allem weil er diese Woche erklärt hat, wem Google wirklich Konkurrenz macht und dabei auf einen herausragenden Text von Kathrin Passig über Gemeinschaften im Netz verwiesen hat. Weil der aufgrund der mir unklaren Netz-Strategie des Merkur vermutlich bald wieder verschwindet, muss man eher eilig auf ihn verweisen. Er handelt von der Frage, woher sehr kluge Autoren nur sehr kluge Leser kriegen. Anders formuliert:

Wenn Autoren die Qualität der Kommentare unter ihren Texten beklagen, ist das in der Sache nicht falsch, die Vermutungen über Ursachen und Abhilfe sind aber oft unterkomplex. Im Zusammenhang mit den Kommentarforen von Printveröffentlichungen, aber auch vieler Onlinemedien herrscht die hinderliche Vorstellung, es gebe hier den feinsinnigen, gebildeten Autor und dort das Kommentarproletariat, dem man notgedrungen ein Ventil für seine Meinung geben müsse, es sei jetzt halt so die Mode. In diesem Glaubenssystem sind langweilige, dumme und bösartige Kommentare unvermeidlich. Dass Ausnahmen von der Misere existieren, deutet aber darauf hin, dass niedrige Beitragsqualität ein selbstgemachtes Problem ist. Konstruktive Beiträge entstehen nicht von allein, und auch nicht nur, weil ein Anbieter sie sich wünscht.

Der Text ist so klug und detailliert, dass ich mir bei der Lektüre mehrfach die Frage stellen musste, ob der gemeine Merkur-Leser überhaupt versteht, worauf Kathrin Passig hinaus will. Sie liefert nämlich nicht nur einen guten Überblick über die Geschichte der Community, sondern kommt auch zu einem eher ernüchternden Schluss:

Wahrscheinlich gibt es kein Patentrezept, um Nutzern brauchbare Beiträge zu entlocken. Vielleicht verhält es sich wie mit dem Händewaschgebot in Kliniken, und es geht nicht ohne ständige Ermahnung, ständigen sozialen Druck, ständiges Einbeziehen aller Beteiligten. Jede Gemeinschaft wird ihren eigenen Satz an Werkzeugen finden müssen, wenn nicht technische Gegebenheiten oder der Betreiberwille von vornherein eine Behebung des Problems verhindern.

Vielleicht muss ich mein Bild vom gemeinen Merkur-Leser revidieren und vielleicht habe ich selber nur die Hälfte des Texte verstanden, aber einen Punkt würde ich viel stärker betonen: den der Gemeinschaft. Der Gruppe also, die sich zusammenfinden, um sich auszutauschen. Ich würde die Filter Bubble von Eli Pariser quasi umdrehen und die Frage nach den Debatten im Netz mit der Frage verbinden, die Sascha Lobo (siehe oben) für diejenige hält, die Google+ künftig beantworten wird: Was interessiert dich?

Und ich glaube, das sind Debatten aus meiner Community (was auch immer das ist, wird gerade von Google und Facebook auf unterschiedliche Art zu beantworten versucht), also aus meinem Freundeskreis oder Circle – aber eben auch aus Gemeinschaften, die einen Kreis mit einem etwas größeren Radius betreffen. Vielleicht ist es – wieder mit Pariser gesprochen – eine publizistische Aufgabe, diese Kreise zu formen.


Es ist mir zuviel. Und: Es ist mir zu leer.

Das geht zusammen. Und zwar, wenn man über Google Plus in seinem jetztigen Stadium spricht. Seit heute gibt es Einladungen für das neue Projekt des Unternehmens, das früher mal eine Suchmaschine war. Heute will Google viel mehr sein – unter anderem auch ein soziales Netzwerk. Deshalb gibt es jetzt Google Plus; als Dach für jede Menge Dinge, die einzeln wirklich toll sind, mich in der Sammlung aber überfordern.

Am besten gefällt mir dabei Sparks, eine Interessen-Sammlung, die eine Art elaborierter Google-Alert mit sozialem Anschluss sein könnte. Ohne es ausführlicher getestet zu haben, finde ich aber die Idee bisher besser als die Umsetzung. Und das liegt an dem zweiten Punkt: Google Plus ist mir bisher zu leer.

Denn wie an anderer Stelle bereits erwähnt, um das Netz als Dialogmedium zu verstehen, müssen wir es als Raum denken – nicht als Kanal. Die New York Times-Redakteurin Jenna Wortham hat das in einem Tweet auf den Punkt gebracht:

Using Google+ right now is kinda like when you’re the first one at a party and the DJ hasn’t even finished setting up. Where are my frenz?!

Jetzt ist es nicht so, dass dieser neue Google-Raum der einzige in der digitalen Welt wäre. Im Gegenteil: Es gibt hier schon mehrere – und dort läuft bereits Musik und dort sind bereits “frenz”, also Menschen, denen ich folge oder mit denen ich befreundet bin. Bei Google heißt diese Verbindung Circle beruht aber auf dem gleichen Prinzip.

Vielleicht liege ich mit der Prognose grandios daneben: Aber nach heutigem Stand glaube ich nicht an den Erfolg von Google Plus. Nicht weil es nicht gut erdacht wäre oder weil es schlechte Angebote machen würde (es sind eher zu viele), sondern weil der Preis zu hoch ist. Es ist zu anstrengend, Freunde davon zu überzeugen, auch vor das DJ-Pult im noch leeren Raum zu treten. Viel leichter ist es, einfach in den anderen Club zu gehen, wo die, denen man zuhören will, eh schon sind.

Der Grund, warum überhaupt so viel Aufhebens um diesen fast noch leeren Raum gemacht wird: Er ist zugangsbeschränkt. Google, das Unternehmen, das mit der vermeintlichen Kostenlos-Kultur Milliarden macht, begrenzt den Zugang, um so Interesse zu steigern. Was durchaus gelingt. Einladungen wurden heute heiß gehandelt. (Wie sie verbreitet wurden, kann auf Spreeblick nachlesen).

Meine Einladung habe ich Hakan zu verdanken, der viel positiver über das Plus-Projekt denkt als ich. Nachmittags schrieb er gar:

facebook ist das neue StudiVZ ;)

Das klingt schön, aber spätestens bei dem Gedanken war mir klar: Das stimmt nicht. Schon Facebook nervt doch viele wegen seiner Unübersichtlichkeit. Wie sollen die sich denn in Google Plus wohlfühlen? Gerade gestern geriet ich (im Rahmen des DLD-Women) zum Beispiel mal wieder in eine Debatte, in der vorsichtig Social-Media-Interessierte ihre Skepsis gegenüber Facebook und Twitter benannten. Ihre Frage: “Warum soll ich denn da hin?” wird zumindest in Bezug auf den Facebook-Raum dann oft mit einem “Weil alle da sind” beantwortet. Das ist von möglichen schlechten Gründen vermutlich der schlechteste. Bei Google Plus ist er (bisher) nicht mal ein Grund.

Mehr über Google Plus bei

netzwertig.com

YuccaTree

Spreeblick

Ich schwörs dir

Zeit Online

NZZ Online

Bei Twitter hingegen kann man die Frage sehr viel einfacher beantworten. Und das ist auch der Grund, warum ich am liebsten nur über Twitter reden möchte, wenn man mich nach Social Media fragt (Dialog-Medien ist eh der viel schönere Begriff): Twitter liefert einen direkten Nutzen, es ist ein selbsterstellter Nachrichtenfilter (auf den auch keiner Einfluß nimmt), der auch passiv hervorragend funktioniert.

Und wer Twitter aktiv nutzt, hat – anders als bei Facebook – ein tatsächliches soziales Instrument an der Hand. Denn Facebook macht doch in Wahrheit das Teilen und Verbreiten komplizierter als nötig. Der berüchtigte Daumen, den man zum Ausdruck des Gefallens drücken kann, bietet kaum Möglichkeit zum Anschluss. Ich kann nirgends auslesen, was ein Nutzer gefavt hat (um es in Twitter-Sprache zu sagen, wo das selbstverständlich geht) und Verbindungen kann ich so auch nicht erstellen. Beim +1 dem Google-Äquivalent scheint letzteres theoretisch möglich, aber eben nur für den Fall, dass auch Menschen zum Verbinden da sind.

Mir hat das ratlose Rumstochern in Google Plus einmal mehr gezeigt, warum Twitter eine so wunderbare Erfindung ist: Twitter basiert auf einer einfachen Idee und hat mit seinen Erweiterungen (wie Listen, Hashtags und den Ortsangaben) schrittweise das hinzugefügt, was Google Plus jetzt auf einen Schlag erfinden will. Ich glaube nicht, dass das gelingt. Ich befürchte es wird bald in einem Atemzug genannt mit dem (passender Weise heute verkauften) MySpace oder Apples Idee eines Social Network für Musik.

Wenn man verstehen will, was das Zusammenwachsen der Welt im Internet bedeutet, muss man sich die Geschichte von The Filter Bubble anschauen. Es handelt sich dabei um ein Buch, das Eli Pariser über die sich verändernden Kriterien von Relevanz geschrieben hat. Es ist gerade in den USA erschienen, es wird aber bereits weltweit debattiert (zum Beispiel bei netzwertig.com und Techliberation ). Denn Pariser stellt einige sehr kluge Fragen in dem Buch. Ich habe es mit Genuß gelesen – und für das morgige SZ-Feuilleton aufgeschrieben, warum The Filter Bubble ein bedeutsamer Debattenbeitrag ist

Eli Parisers Buch ist gerade in Amerika erschienen (und für das kommende Jahr in Deutschland angekündigt). Dort sind die beschriebenen Entwicklungen weiter fortgeschritten als in Deutschland, aber sie gelten auch hierzulande. Doch die deutsche Digitalisierungsdebatte ist noch von der Überforderungsthese dominiert, der Frage nämlich, ob die Datenmenge, die das Netz produziert uns nicht den Überblick raubt. Es gibt deshalb ein verbreitetes Kokettieren mit dem Rückzug aus dem Digitalen, mit dem Rückbesinnen auf das Überblickbare. Man könnte auch Parisers Debatten-Beitrag so verstehen, aber Rückzug ist für ihn eine Idee, die nicht in Frage kommt. Im Gegenteil: Der 30-jährige Gründer der Graswurzel-Bewegung MoveOn.org thematisiert die Filter Bubble, weil er das Netz als demokratisches und demokratisierendes Medium schätzt, er will es eher stärken als eine Abkehr davon zu fordern. Sein Buch liest sich denn auch wie der Wunsch nach einer stetigen Überforderung.
(…)
Die Idee, die Pariser dabei verfolgt, ist eine Art journalistische Ethik für die filternden Netzfirmen, die als neue Gatekeeper den Nachrichtenfluss bestimmen. Er will Google und Facebook als Öffentlichkeitsakteure in die Pflicht nehmen und nicht als Dienstleister, die Informationen filtern. Der Page-Rank von Google und der Edge-Rank von Facebook, die wie Betriebsgeheimnisse gehüteten Filter-Algorithmen der Firmen, sollten, so fordert Pariser, öffentlich zugänglich sein. Er will an die demokratische Verantwortung der Anbieter appellieren und diese – so das nicht reicht – auch politisch verpflichten. Dafür greift er die Idee einer digitalen Ökologiebewegung auf, die sich für einen Umweltschutz des Informationszeitalters einsetzt und den Nutzern des Web eine Stimme verleiht. Denn entscheidend sei für das verbindende und demokratische Internet, das Pariser als Ideal beschreibt, die Vorstellung vom Nutzer als Bürger und nicht nur als Kunde und Konsument.

Hier kann man den gesamten Text bei sueddeutsche.de nachlesen.

t3n weist auf diese interessante Präsentation zur Frage: Was ist eigentlich LinkBait? hin

Das da oben ist ein Werbespot – von der Firma Google mit der Künstlerin Lady Gaga als Testimonial für den Browser Chrome. Er wird zur Zeit unfassbar oft auf Twitter und Facebook verlinkt.

Man könnte aber auch sagen: Das da oben ist eine fortgesetzte Urheberrechtsverletzung an dem Song “The Edge Of Glory ” der Künstlerin Lady Gaga.

Wie absurd sich diese beiden Interpretationen derzeit entgegen stehen, sieht man, wenn man hier klickt. Dort ist eine Audio-Version des Songs verlinkt, die “in deinem Land nicht verfügbar ist”. Der Grund dafür ist ein andauernder Rechtsstreit.

Das Absonderliche daran: Ich kann den Song in dem Werbespot hören, als Video darf ich ihn nicht anschauen. Mehr noch: In dem Werbespot werden mir darüberhinaus Menschen vorgeführt, die ihr “innermonster” rauslassen und selber wiederum das Urheberrecht brechen – sie tanzen und singen den Song nach und veröffentlichen dies mit musikalischer Untermalung wiederum (was sie nur dürften, hätten sie die Rechte daran). Doch damit nicht genug: Lady Gaga nimmt dies nicht nur irgendwie hin, sie nutzt dies in ihrer Rolle als “Mother Monster” auch noch zu einem Werbespot für sich und für Googles Browser.

Dieser Werbespot endet übrigens mit den Worten

the web is what you make of it

Passender könnte man die merkwürdige Urheberrechtssitutation in diesem Land vermutlich kaum zusammenfassen.

Der Schritt zum integrierten Lebensmanagement ist das erklärte Ziel von Google. Das Telefon soll vorausahnen, was wir als nächstes tun wollen und Vorschläge unterbreiten – inklusive Werbebeimischungen. Ich halte das durchaus für eine realistische Vision. Der Computer, der uns durch unser Leben begleitet, wird dann eben nicht die weise, freundliche Science-Fiction-Intelligenz, die wir ins Vertrauen ziehen können, sondern ein werbefinanzierter Online-Dienst, der unsere Daten verwertet.

In der taz gibt es ein lesenswertes Interview mit CCC-Sprecher und Datenfresser-Mitautor Frank Rieger. Darin fordert er die Reform des Datenschutzes:

Ich würde es sehr begrüßen, wenn das Hauptaugenmerk bei einer Runderneuerung auf einer Stärkung der User-Rechte liegt, die Firmen und Behörden also zur Transparenz gezwungen werden, mitzuteilen, was sie an Daten speichern, verkaufen und wofür und an wen die Daten übermittelt werden. Das kann man auch gut automatisieren und an die aktuellen Userinterfaces und Vernetzungsmethoden anpassen.

Wir müssen über Zeitungen reden. Und dieser Film hier ist nur der optisch schönste Anlass dafür:

Gegen Ende des Beitrags erklärt die Lehrerstimme, der Beruf des Zeitungsjournalisten erfordere großen Mut. Dazu werden Bilder von Unwettern und Feuer gezeigt.

Dass Journalismus auch heute noch ein mutiges Metier ist, erkennt man, wenn man die Beiträge durchliest, die in den vergangenen Tagen zum Zustand der Zeitung veröffentlicht wurden (hier eine kleine Auswahl): Im New Yorker New Museum läuft eine Ausstellung namens The Last Newspaper, Paul Starr schreibt in New Republic ein Goodbye To The Age Of Newspapers (via), der Romanschreibende Exjournalist Tom Rachman (“Die Unperfekten”) erklärt im Interview mit der Welt:

Jetzt sieht es gerade sehr hässlich für die Zeitung aus. Sie haben Angst, dass die Qualität im Journalismus verschwindet.

und auch der Kollege Christian Jakubetz schreibt in seinen Zehn Thesen zur Zukunft der Zeitung vom Ende der Zeitung.

Doch selbst wenn einige dieser Indizien stimmen mögen: Ich glaube nicht, dass die Zukunft so düster ist wie sie derzeit gemalt wird. Christians Thesen zum Beispiel kranken an einem logischen Widerspruch (entweder Zeitungen sterben oder sie leben in einer Nische, beides wird nicht gleichzeitig gehen), der beispielhaft belegt, warum wir uns mit den Veränderungen so schwer tun, die die Digitalisierung angestoßen haben: Zeitungen werden sich verändern, aber sie werden nicht untergehen. Was sterben wird, ist vielleicht unsere heutige Perspektive auf Nachrichtentransport und -auswahl, aber nicht die Zeitung als glaubwürdige Institution.

Denn einen unschätzbaren Vorteil der Zeitung (neben anderen) verkennen wir vor lauter Schreckensszenarien oft: Eine Zeitung hat einen Anfang und ein Ende. Wer sie liest, nimmt einen aus dem Fluss der Informationen herausgelösten, abgeschlossenen Teil wahr, der seinen Wert allein daraus gewinnt, dass er sich dem ständigen Fließen der Web-Information entzieht. Eine Zeitung schafft eine Pause, eine Unterbrechung. Sie ist herausgehoben aus der Vernetzung des Web. Das kann ein Nachteil sein, vielleicht ist es aber eben auch ein besonderer Luxus, der eine Zukunftsperspektive bietet, sich aber sehr wohl vom heutigen Bild einer Zeitung unterscheidet.

Auch Tom Rachman sieht im oben zitierten Gespräch eine Chance für Zeitungen, deren Ausgestaltung er noch nicht kennt:

Es wird weiter einen Markt für gute Artikel geben, und deswegen wird auch an die Stelle der Zeitung etwas Neues treten, das das Gute am Printjournalismus bewahrt.

Wie spannend wäre das, nicht vom Niedergang der Zeitung zu lesen, sondern Texte, Thesen und Ansätze, die stattdessen den Versuch unternehmen, dieses “Gute am Printjournalismus” zu benennen und womöglich sogar auf den digitalen Raum zu übertragen Was hätte dann zum Beispiel aus der gerade gestarteten Zeitungsneugründung (ja sowas gibt es) namens “i” werden können, die man beim britischen Independent heute auf den Markt gebracht hat. (Wer das neue Blatt übrigens virtuell durchblättern mag: Der Guardian hat eine Galerie ins Netz gestellt – besonders gefällt mir dabei das zuschauerorientierte Fernsehprogramm der neuen Publikation).

Dieses Nachdenken über die Zukunft der Nachrichten im digitalen Raum bekommt – ebenfalls heute – ausgerechnet von Google neuen Antrieb. Im offiziellen Google-News-Blog wird angekündigt, Innovationen im digitalen Journalismus mit 5 Millionen Dollar zu fördern. Für Nicht-Amerikaner besonders interessant, im Rahmen der Knight News Challenge 2011 werden Projekte auch außerhalb der USA gesucht und gefördert. Die Ausschreibung gibt es deshalb sogar auf deutsch.

Twitter will try to help corporations and brands increase their Twitter following by inserting them alongside other Twitter users it suggests in its “Who to Follow” feature.

Wie verdient Twitter eigentlich Geld? Peter Kafka berichtet bei AllThingsD vom Plan, so genannte “Promoted Accounts” einzuführen und von Twitter-Kunden bezahlen zu lassen, dass diese als Folge-Vorschlag angezeigt werden.

Ich habe keine Ahnung, ob das funktioniert. Ich finde daran aber einen Gedanken spannend, der vielleicht auch in der Debatte um Paid Content im Journalismus helfen kann: Hier wird nicht versucht, Inhalte zu monetarisieren. Hier geht es darum, einen Filter bezahlen zu lassen (erstaunlicherweise von der wie man zunächst annimmt “falschen” Seite). Um Twitter richtig nutzen zu können, muss man wissen, wem man folgen soll. Hier setzt die Idee der Promoted Tweets an. Menschen suchen nach Accounts, die zu ihnen passen. Umgekehrt gibt es Marken, die gerne gefunden werden möchten. Sie leichter auffindbar zu machen, ist eine Dienstleistung, die Twitter sich bezahlen lässt.

Amazon erläutert seine “Gesponsorten Links” so: “Wir erzielen mit der Platzierung dieser gesponserten Links Einnahmen, die wir dafür nutzen, Ihnen die günstigsten Preise bieten zu können” und Google hat mit diesem System das Modell von Werbung im Netz verändert.